Stralsunder Bibliothek : Archivare erzürnt über Bücherverkauf

Die Hansestadt Stralsund hat sich mit dem Verkauf mehrerer tausend Bände aus den Beständen der historischen Gymnasialbibliothek den Zorn von Archivaren und Historikern zugezogen.

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03. November 2012, 10:39 Uhr

Stralsund | Die Hansestadt Stralsund hat sich mit dem Verkauf mehrerer tausend Bände aus den Beständen der historischen Gymnasialbibliothek den Zorn von Archivaren und Historikern zugezogen. Aus der im 17. Jahrhundert angelegten Schulbibliothek wurden laut Stadt-Pressesprecher Peter Koslik 5926 Bände an ein Antiquariat verkauft. Beschlossen wurde der Teilverkauf demnach bereits im Juni im nichtöffentlichen Teil des Hauptausschusses der Stralsunder Bürgerschaft. "Das ist unverantwortlich" , kritisierte der Historiker und wissenschaftliche Archivar Klaus Graf die Veräußerung der historischen Titel. Damit werde ein kostbares Ensemble als Geschichtsquelle zerstört. Im Internet bietet ein Dinkelscherbener Antiquariat inzwischen Bücher aus der historischen Gymnasialbibliothek für mehrere Hunderte Euro je Band an.

Auch im Internet wettert der Hochschularchivar der Rheinisch-Westfälischen Hochschule in Aachen (RWTH) gegen die Verkäufe aus der mehrere Hundert Jahre alten Gymnasialbibliothek, die 1945 in das Stadtarchiv aufgenommen wurde. "Es kann und darf nicht sein, dass Kommunen nun ungestraft ihr historisches Kulturgut verscherbeln", schreibt Graf in seinem Blog und zweifelt die Rechtmäßigkeit der Aktion an. Sie verstoße gegen die Satzung des Stralsunder Stadtarchivs. Die Werke aus der Gymnasialbibliothek seien demnach ein unveräußerliches Kulturgut.

In der Hansestadt stößt die Kritik des Archivars auf Unverständnis. "Wir können sie nicht nachvollziehen ", teilte Stadtsprecher Peter Koslik mit. Den Vorwurf, rechtswidrig gehandelt zu haben, wies er ebenso zurück. Der von Graf ins Feld geführte Satzungsparagraf treffe auf die Gymnasialbibliothek nicht zu.

An wen und zu welchem Preis die 5900 Bände verkauft wurden, wollte Koslik nicht mitteilen, da damit schutzwürdige Interessen berührt würden. Vorausgegangen sei dem Verkauf eine Anfrage seitens eines Antiquariats. Daraufhin wurden laut Stadtsprecher zwei weitere Angebote eingeholt und dem Meistbietenden im Hauptausschuss der Bürgerschaft der Zuschlag erteilt.

Bei den verkauften Bänden handelt es sich nach Angaben von Sprecher Peter Koslik überwiegend um unterrichtsbegleitende Literatur für Schüler und Lehrer auf den Gebieten Philologie und Theologie aus den vergangenen Jahrhunderten. Ihre regionalgeschichtliche Bedeutung sei eher minimal. Pomeranica, also Literatur mit Bezug zur historischen Region Pommern, sei nicht verkauft worden. "Das würden wir niemals machen. Das wäre eine Todsünde", sagte Koslik weiter.

Für Kritiker wie Klaus Graf bleibt der Verkauf der Schriftstücke dennoch unmoralisch. Die in der historischen Schulbibliothek archivierten literarischen, politischen und pädagogischen Werke, teilweise gespendet und zusammengetragen von Poeten, Heimatforschern und bedeutenden Persönlichkeiten der Region, seien auch als Spiegel der damaligen Bildungs- und Kulturlandschaft zu begreifen.

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