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Rostock : „Arche Noah“ schwimmt im Stadthafen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine 13 Meter hohe Wand aus rotem Zedernholz tut sich empor, spaziert man dieser Tage an der Kaikante des Rostocker Stadthafens entlang – es ist „Arche Noah“, die festgemacht hat.

Eine 13 Meter hohe Wand aus rotem Zedernholz tut sich empor, spaziert man dieser Tage an der Kaikante des Rostocker Stadthafens entlang – es ist „Arche Noah“, die festgemacht hat. An Bord von Europas größtem Bibelmuseum werden die Geschichten des Alten und Neuen Testaments mit eigenwilligen Holzskulpturen nacherzählt. Voraussichtlich bis zum 17. Februar können Besucher in Rostock noch auf Entdeckungstour gehen.

Eine schwere Holztür führt hinein in die biblische Parallelwelt. Sofort werden alle Sinne beansprucht – da sind der Duft des Holzes, die christliche Musik in den Ohren, der Anblick vom Baum des Lebens und die leichte Kälte, die an den Händen schnell spürbar wird. Am Eingang bekommen Besucher eine Karte in die Hände, die sie über die vier Decks des Schiffes und damit durch die Bibelgeschichte leiten soll. Los geht es bei Adam und Eva, den der Bibelgeschichte nach ersten Menschen auf Erden. Die ausdrucksstarken Holzskulpturen mit ihren langgezogenen Gesichtern laden zum Verweilen ein.


Mehr als zwei Millionen Euro für eine Vision


Überall sind Details versteckt und wecken den Entdeckerdrang. Auf dem Boden neben Adam und Eva sind kunstvoll inszenierte faule Äpfel zu finden. Beim Blick nach oben sind nicht nur die süßen Früchte zu entdecken, die Eva verführt haben, sondern auch Birnen, Pflaumen und sogar Chilis. Und genau das macht auch den besonderen Reiz aus: Die Darstellungen sind zwar immer bibelnah, aber auch an der modernen Kunst orientiert. Besonders kreativ und bezaubernd wirkt die Darstellung von Moses, wie er in einem Körbchen auf dem Fluss schwimmt. Blaues Glas stellt das Wasser dar und erzeugt scheinbar Bewegung.

Um eine richtige Arche zu sein, dürfen auch die Tiere an Bord nicht fehlen. Zu lesen ist auf dem Schiff : „Tiere dürfen geknuddelt werden, darauf sitzen, ist verboten.“ Affen hangeln sich durch das Fachwerk, Giraffen recken ihre Köpfe bis ins vierte Deck und die Eisbären lehnen gemütlich an der Wand – doch sie sind alle aus Plüsch oder Plastik. Zumindest fast alle. Denn in der Krone des Baumes des Lebens, der sich vom Unterdeck bis ganz ganz oben schlängelt, hat sich Wasser angesammelt. Dort haben ein paar Goldfische ihr Zuhause gefunden.

Erschaffen hat diese biblische Welt Schiffs-Eigentümer Aad Peters. 2010 kaufte er das gewaltige Holzschiff von einem Landsmann, der mittlerweile bereits die nächste Arche gebaut hat. Peters ist Theater- und Fernsehproduzent und wollte mit seinem ungewöhnlichen Projekt die christliche Geschichte erlebbar machen – auch für Nicht-Gläubige. „Diese Geschichten sind Bestandteil der langen europäischen Geschichte und somit ein Teil unserer Kultur“, sagt Peters. Er findet es schade, dass viele Menschen sie nicht mehr kennen und hat sich darum dieses ungewöhnliche Konzept überlegt. Um seine Vision umzusetzen, hat er mehr als 50 Arbeiter und Künstler aus der ganzen Welt beschäftigt. Ein halbes Jahr haben die Umbauarbeiten gedauert. Die Skulpturen hat allesamt Michaela Bartonva entworfen. Zwölf Bildhauer waren schließlich an der Umsetzung beteiligt. Sie erzählen unter anderem die Geschichte von Kain, der seinen Bruder Abel umbrachte, weil er neidisch auf ihn war, dem Krieger Goliath, der unfassbar viel Unheil anrichtete. Nicht zuletzt erzählt das Bibelmuseum auch die Geschichte vom Namensgeber der Arche, von Noah. Der zehnte Urvater nach Adam sollte wegen seiner Frommheit von Gottes Sinnflut verschont bleiben und wurde angewiesen, die Arche zu bauen. Wer nicht richtig bibelfest ist, kann sich auf der Arche auch ein stilles Plätzchen suchen, um zu lesen und einige Passagen noch einmal genau nachzuvollziehen.


70 Meter langer Koloss am Schlepper


Das Konzept des Niederländers scheint am Ende aufzugehen. Jedes Mal, wenn ein Besucher die schwere Tür in das Museum öffnet, erklingt ein helles Glöckchen, das im ganzen Schiff zu hören ist. Und sie erklingt oft. Bereits am ersten Wochenende in Rostock strömten Peters zufolge 1500 Besucher auf die 70 Meter lange Arche.

Nach ihrem Halt in Rostock, soll die „Arche Noah“ weiter nach Dänemark geschleppt werden. Das Holzschiff schwimmt auf einem Ponton und besitzt selbst keinen eigenen Motor. Aufgrund seiner Größe ist die Arche auch sehr vom Wetter abhängig. Schlagen die Wellen einmal zu hoch oder weht der Wind zu frisch, muss der Koloss im Hafen bleiben.


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erstellt am 30.Jan.2014 | 12:06 Uhr

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