Tag der Arbeitssicherheit : Arbeitsschutz auf neuen Wegen

Vorsicht beim Umgang mit schwerer Technik.
Vorsicht beim Umgang mit schwerer Technik.

84 Mitarbeiter für 65 230 Betriebe: Kontrollen nur bei besonderen Risiken. Heutiger Arbeitsschutztag will für Gefahren sensibilisieren

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07. April 2017, 05:00 Uhr

Arbeitsschutz geht jeden an, sagt der Volksmund. „Arbeitsschutz ist kein Selbstzweck. Arbeitsschutz ist ein Katalysator für gefahrenminimierte Wertschöpfung und aktiven Gesundheitsschutz der Beschäftigten“, sagt der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit, Stefan Rudolph. Wer heute am Arbeitsschutz spare, werde morgen im Wettkampf um Produktivität und Köpfe verlieren, mahnt er.

Arbeitsschutz ist jedoch vor allem eines: eine Mammutaufgabe. Im Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) sind in der entsprechenden Fachabteilung 84 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, die 81 Vollzeitstellen ausfüllen – und die für 65 230 Betriebsstätten im Land zuständig sind. Dass angesichts dieser Relation längst nicht jede Firma kontrolliert werden kann, ist klar. „Das Lagus arbeitet auf Basis eines risikoorientierten Aufsichtskonzepts. Gezielt werden Betriebe aktiv aufgesucht, in denen ein höheres Gesundheitsrisiko für die Beschäftigten vermutet wird“, heißt es aus der in Rostock ansässigen Behörde. Ein großer Teil der Arbeitszeit in der für den Arbeitsschutz zuständigen Abteilung werde aber auch von Verwaltungsaufgaben – wie der Bearbeitung von Anzeigen, Stellungnahmen, Genehmigungen, Beschwerden oder Anfragen – in Anspruch genommen.

Dennoch konnten im vergangenen Jahr 5489 Betriebe aufgesucht und 2012 Baustellen kontrolliert werden, so Lagus-Sprecherin Anja Neutzling. Dabei gab es am häufigsten – 2979-mal – Beanstandungen zum Thema Arbeitsplätze, Arbeitsstättenrecht und Ergonomie. In 2340 Fällen wurden Arbeitsmittel beanstandet, und 1428-mal wurden Mängel bei der Arbeitsschutzorganisation aufgedeckt.

Lagus-Direktor Heiko Will sprach bereits im vergangenen Jahr von einer enormen Arbeits- und Leistungsverdichtung in seiner – auch noch die Bereiche Gesundheit, Soziales, Förderungen und das Landesprüfamt umfassenden – Behörde, deren Mitarbeiterzahl binnen zehn Jahren um ein Drittel gesunken ist. Um das Leistungsspektrum dennoch aufrechterhalten zu können, müsste nach neuen Wegen gesucht werden. Im Bereich Arbeitschutz sei solch ein Weg im Jahr 2015 erstmals mit einem landesweiten Arbeitsschutztag beschritten worden, so Will. Heute gibt es nun die zweite Auflage dieser Informationsveranstaltung, zu der in der Fachhochschule Güstrow knapp 200 Arbeitgebervertreter, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Personalverantwortliche, Betriebsräte, Betriebsärzte und interessierte Personen, die mit Arbeits- und Gesundheitsschutz in Betrieben oder Verwaltungen beauftragt sind, erwartet werden.

Eines der Themen lautet „Aus schweren Arbeitsunfällen lernen“. Im vergangenen Jahr ereigneten sich in Mecklenburg-Vorpommern zehn Arbeits- bzw. Wegeunfälle mit tödlichem Ausgang. Das war einer mehr als im Vorjahr, 2014 hatten sich ebenfalls zehn tödliche Arbeitsunfälle ereignet. Einen traurigen Rekord gab es im Jahr 2008, als sogar 15 Menschen bei der Arbeit bzw. auf dem Weg dorthin ums Leben kamen.

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