Erwerbslosenquote : Arbeitsplätze: Schwerin holt auf

Dirk Heyden, Leiter der Schweriner Arbeitsagentur: „Von der Nestlé-Ansiedlung wird  eine Signalwirkung auf andere Unternehmen ausgehen.“
Dirk Heyden, Leiter der Schweriner Arbeitsagentur: „Von der Nestlé-Ansiedlung wird eine Signalwirkung auf andere Unternehmen ausgehen.“

Bei genau 9,0 Prozent lag die Arbeitslosenquote im Mai im Landkreis Ludwigslust-Parchim, in der Landeshauptstadt betrug sie 12,7 Prozent. Während der Kreis den Spitzenplatz in MV belegt, trägt Schwerin die rote Laterne.

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10. Juni 2012, 03:36 Uhr

Schwerin | Der Unterschied fällt ins Auge: Bei genau 9,0 Prozent lag die Arbeitslosenquote im Mai im Landkreis Ludwigslust-Parchim, in der Landeshauptstadt betrug sie 12,7 Prozent. Während der Kreis den Spitzenplatz in MV belegt, trägt Schwerin in Westmecklenburg die rote Laterne. Kein Grund jedoch, den Kopf in den Sand zu stecken, erklärt der Leiter der Schweriner Arbeitsagentur, Dirk Heyden. " Betrachtet man die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt über einen längeren Zeitraum, dann gibt es auch in Schwerin eine positive Tendenz." So habe die Arbeitsagentur etwa im Mai 1998 noch 9576 Arbeitslose in der Landeshauptstadt gezählt, bei einer Quote von 16,9 Prozent, nun seien es noch 6208 Jobsuchende. Einen Beschäftigungsschub werde in Zukunft die geplante Nestlé-Ansiedlung in den Göhrener Tannen auslösen, sagt Heyden voraus.

Die Botschaft des Agentur-Chefs: Die Richtung stimmt. Auch an den aktuellen Zahle lasse sich der Aufwärtstrend ablesen . "Im Mai gab es in Schwerin 167 Arbeitslose weniger als im April und 100 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr", berichtet Heyden. Deutlich mehr Menschen als noch vor einem Jahr hätten einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt gefun den. "Seit Jahresbeginn wurden uns in der Landeshauptstadt insgesamt 978 Arbeitsstellen gemeldet - 145 Stellen mehr als im Vorjahreszeitraum", so der Agentur-Chef. Die Situation würde nach seinen Worten sogar noch besser aus sehen, wenn nicht auch die Schweriner Agentur bei arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen den Gürtel enger schnallen müsste. So gäbe es derzeit in der Stadt allein gut 300 Ein-Euro-Jobs weniger als noch vor einem Jahr.

Freilich räumt Heyden ein: Der Landkreis Ludwigslust-Parchim ist der Landeshauptstadt bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit einen Schritt voraus. Dabei profitiere der Kreis nicht zuletzt von seiner geografischen Nähe zu den alten Bundesländern. So pendelten etwa mehr als 11 000 Bürger aus dem Landkreis zur Arbeit nach Hamburg und nach Schleswig-Holstein - verglichen mit nur rund 2000 Pendlern aus Schwerin. Die verkehrsgünstige Lage des Landkreises mache sich aber auch bei Betrieb sansiedlungen bemerkbar, betont der Leiter der Arbeitsagentur. So sei es etwa gelungen, große Unternehmen der Lebens mittelindustrie in den Kreis zu holen, wie Dr. Oetker oder Tschibo.

Die Struktur des Arbeitsmarktes in der Landeshauptstadt dagegen werde maßgeblich bestimmt durch den vom Personal abbau bedrohten öffentlichen Dienst, unterstreicht Heyden. Nicht aus dem produzierenden Gewerbe kämen die größten Arbeitgeber der Stadt, sondern aus dem Gesundheitsbereich mit dem Flaggschiff Helios-Kliniken und der Service-Center-Branche. Um so wichtiger sei die Ansiedlung des Nestlé-Konzerns in Schwerin, betont der Agentur-Chef. 450 Arbeitsplätze sollen von 2013 an in dem neuen Werk in den Göhrener Tannen entstehen.

Heyden rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit auch in der Landeshauptstadt weiter zurückgehen wird. Dafür spreche einerseits der demografische Faktor - schon jetzt sei jeder dritte Arbeitslose älter als 50 Jahre -, aber auch die wirtschaftliche Dynamik. "Von der Nestlé-Ansiedlung wird in den kommenden Jahren eine Signalwirkung auf andere Unternehmen ausgehen", so der Leiter der Arbeitsagentur.


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