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Mecklenburg-Vorpommern : Arbeitslosenquote erstmals unter 8 Prozent

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In den zurückliegenden zehn Jahren hat sich die Arbeitslosenquote MV halbiert. Ein Landkreis liegt inzwischen sogar auf dem bundesweiten Niveau und auch alle anderen Regionen sind inzwischen einstellig.

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 13:50 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern sind erstmals seit Erhebung der Arbeitmarktdaten im Land weniger als acht Prozent der Erwerbstätigen ohne Job. Wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit in Kiel am Dienstag mitteilte, waren Ende Juli im Nordosten bei einer Arbeitslosenquote von nun 7,9 Prozent noch 65 200 Menschen auf der Suche nach einer Beschäftigung. Das waren 9400 Arbeitslose weniger als im Juli 2016 und 750 weniger als im Vormonat Juni.

Damit hielt der rückläufige Trend im Nordosten an, während bundesweit die Zahl der Arbeitslosen im Juli jahreszeitbedingt leicht um 45 000 auf 2,518 Millionen anstieg. Dennoch war auch das der niedrigste Wert in einem Juli seit der Wiedervereinigung. Die Arbeitslosenquote erreichte 5,6 Prozent.

 

Den Bundesdurchschnitt fast erreicht hat inzwischen der Landkreis Ludwigslust-Parchim mit einer Quote 5,7 Prozent. Die Menschen dieser Region profitieren dabei vor allem von der Arbeitskräftenachfrage in den benachbarten Westländern und arbeiten vielfach auch in Schwerin.

„Doch auch in der Mecklenburgischen Seeplatte haben wir mit 9,8 Prozent erstmals eine einstellige Arbeitslosenquote. Das ist auch psychologisch ganz wichtig, denn viele dort fühlen sich abgehängt von der guten wirtschaftlichen Entwicklung. Die Zahlen aber zeigen, dass es auch dort vorangeht“, betonte die Chefin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koopmann.

Ihren Angaben zufolge gründet der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Nordosten längst nicht nur auf der demografische Entwicklung: Seit Jahren gehen mehr Beschäftigte in Rente als neue hinzukommen. Laut Haupt-Koopmann bekommen auch Arbeitnehmer jenseits der 50 zunehmend eine Chance.

„Die Firmen merken, dass sie zur Sicherung ihres Fachkräftebedarfs alle Potenziale ausschöpfen müssen. Bevor sie wegen Personalmangels Aufträge absagen, versuchen sie es doch lieber mit Älteren“, sagte die Agenturchefin. Die Zahl der Arbeitslosen in der Altersgruppe über 50 sei innerhalb eines Jahres um 3000 oder 10,8 Prozent gesunken.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit wurde jedoch durch das Ende des Lehrjahres gebremst. Einige Firmen hätten über den eigenen Bedarf ausgebildet und Jugendliche nutzten auch selbst den Sommer, um sich neu zu orientieren. Wegen dieser Arbeitslosmeldungen ging in der Altersgruppe der unter 25-Jährigen die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 470 nach oben. „Das wird schon im Herbst ganz anders aussehen“, zeigte sich Haupt-Koopmann unter Hinweis auf die Einstellung von Berufsanfängern nach der Urlaubszeit zuversichtlich.

Laut Statistik wurden den Service-Teams der Arbeitsagenturen und Jobcenter seit Jahresbeginn 30 700 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet. Das waren 2300 oder 8,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern lag im Mai mit 566 100 um 7700 oder 1,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Rund 3400 neue Arbeitsplätze seien allein im Gesundheits- und Sozialwesen des Landes, 1300 im verarbeitenden Gewerbe und 900 in der Logistikbranche entstanden, zählte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) auf. „Wir sind auf einem guten Weg. Mecklenburg-Vorpommern hat an Wirtschaftskraft gewonnen und das spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider“, betonte er.

Trotz sinkender Zahlen bleibe die Situation am Arbeitsmarkt problematisch und kompliziert, sagte hingegen die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg. Der Anteil älterer Menschen ohne Beschäftigung sei weiterhin hoch und jeder dritte erfasste Arbeitslose sei schon länger als ein Jahr auf Jobsuche. Sie forderte mehr Mittel für gemeinwohlorientierte Bürgerarbeit und zielgerichtete Fortbildung. Arbeitslose zu Berufskraftfahrern auszubilden mache wenig Sinn, wenn es schon heute für jede freie Kraftfahrerstelle fast sieben Bewerber gebe.

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