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Arbeitslose: 5410 Ältere werden nicht mitgezählt

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erstellt am 30.Dez.2011 | 05:38 Uhr

Kiel/Schwerin | Mehr als 100 000 Ältere ohne Job werden von der Bundesagentur für Arbeit nicht in die offiziell gemeldete Arbeitslosenzahl mit eingerechnet, in Mecklenburg-Vorpommern waren es im November genau 5410 Betroffene, wie ein Sprecher der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit gestern in Kiel sagte. Sie sind mindestens 58 Jahre alt und beziehen wenigstens zwölf Monate Hartz IV, ohne ein Jobangebot bekommen zu haben. Würde man diese Gruppe in die Statistik einrechnen, läge die aktuelle Erwerbslosenquote im Nordosten nicht bei 11,6 sondern bei rund 12 Prozent.

In der Arbeitslosenstatistik werden auch andere Gruppen nicht mitgezählt, darunter Erwerbslose in Qualifizierungskursen oder Ein-Euro-Jobber. Zählt man sie mit, ergibt sich dem Sprecher zufolge, dass in MV rund 133 700 Jobs fehlen - die so genannte Unterbeschäftigung. Die November-Statistik der Regionaldirektion Nord wies für den Nordosten allerdings nur 98 679 Arbeitslose aus.

Hintergrund ist eine Sonderregelung, die 2008 von der großen Koalition im Bund eingeführt wurde. Im November 2011 seien dies knapp 105 000 Menschen gewesen, teilte das Bundesarbeitsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen mit, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt. Die Grünen werfen der Bundesregierung deshalb vor, bei den Arbeitslosenzahlen vor der Einführung der Rente mit 67 zu tricksen. Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer forderte eine "ehrliche Arbeitslosenstatistik, die nicht länger die Probleme verschleiert". Ältere Arbeitslose dürften nicht aus dem Blick geraten, nur weil sie nicht in der Statistik seien.

Würde man diese Gruppe in die Statistik einrechnen, erhöhte sich die Arbeitslosenrate der 55- bis 64-Jährigen bundesweit von 8,0 auf 9,7 Prozent, wie das Bundesarbeitsministerium mitteilte. Das Erwerbslosen Forum Deutschland forderte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dazu auf, aus ihrem "Schönwettertraum" aufzuwachen und anzuerkennen, dass nichts gut in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sei. Das Bundesarbeitsministerium erklärte unterdessen, dass nicht die Art der Erfassung entscheidend sei, sondern dass Ältere in Beschäftigung blieben bzw. wieder in Beschäftigung fänden. "Und hier gibt es auch deutlich sichtbare Erfolge", teilte das Ministerium mit. So hätten in den ersten elf Monaten des Jahres mehr als 120 000 Menschen über 58 Jahre aus Arbeitslosigkeit in Erwerbstätigkeit wechseln können, gut 10 000 mehr als 2010.

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