Sinnlose Maßnahmen : Arbeitslos? Hilfe läuft oft ins Leere

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180 Millionen Euro für Eingliederungsmaßnahmen in MV

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29. Januar 2018, 21:00 Uhr

Die Zahl der Arbeitslosen befindet sich in einem Rekordtief. Im Dezember vergangenen Jahres waren 69 850 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ohne Job, teilt die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Durch Schulungen sollen sie wieder fit für den Berufsalltag gemacht werden. Doch nicht alle dieser Projekte sind erfolgversprechend.

Wer beispielsweise eine Eingliederungsmaßnahme bei einem Träger absolviert, steigert die Wahrscheinlichkeit auf eine Beschäftigung gerade einmal um 4,5 Prozent. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg hervor. Träger können beispielsweise Bildungsanbieter, Zeitarbeitsfirmen oder private Arbeitsvermittler sein. 3742 Menschen im Land absolvierten im September bei solch einer Einrichtung ihre Schulung. Erfolgversprechender sind hingegen Trainings bei Arbeitgebern. Die Beschäftigungswahrscheinlichkeit steige hier um 23 Prozent. Mehr als 180 Millionen Euro stehen den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern in MV dieses Jahr für Eingliederungsbemühungen zur Verfügung.

„Es fehlt an einem Entwicklungsplan“, moniert Jörg Böhm (Die Linke), Vorsitzender des Arbeitslosenverbands MV. Die Maßnahmen seien oft nicht zielgerichtet auf die Bedürfnisse der Teilnehmer angepasst. „Vor allem Langzeitarbeitslose brauchen eine intensive Betreuung, und die ist nicht gewährleistet“, so Böhm.

Arbeitslose würden oft über Jahre in verschiedene solcher Maßnahmen gesteckt werden. Oft sei dann, wenn eine Schulung beendet sei, erst einmal wieder Schluss. „Was wir in den Anschub gesteckt haben, bricht dann wieder ab“, so Böhm. Er plädiere daher für eine Förderkette, die auf die individuellen Bedürfnisse des Teilnehmers angepasst würde.

„Wir brauchen endlich einen ehrlichen Dialog darüber, was wir im Land leisten können und wollen, um Langzeitarbeitslosen eine sinnvolle Perspektive zu bieten.“ Viele von ihnen seien nicht mehr bzw. nur noch eingeschränkt arbeitsfähig und nur noch wenige auf den sogenannten ersten Arbeitsmarkt vermittelbar, so Böhm: „Da müssen wir uns endlich ehrlich machen.“

Kommentar " Arbeitslose gezielter fördern"

Bis zu 23 Prozent – mehr Hoffnung gibt es vorerst nicht. Das ist die Wahrscheinlichkeit, um die sich die Chance auf eine Anstellung für Arbeitslose durch eine Eingliederungsmaßnahme  erhöht, teilt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit. Klingt nicht viel. Dennoch gab es im September 24306 dieser Hilfen im Land. Und auch dieses Jahr stehen den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern in MV mehr als 180 Millionen Euro hierfür zu Verfügung. Würde man dieses Geld auf die 25000 Langzeitarbeitslosen verteilen, gebe es für jeden von ihnen rund 7200 Euro. Genug Geld, um die passende Schulung zu finden oder etwa nicht?

 Dass eine Integration in den Arbeitsmarkt für Langszeitarbeitslose funktionieren kann, zeigt die Initiative des Kunstverein KaSo Wismar.  Die Menschen finden hier bei kreativen Handwerksarbeiten eine neue Aufgabe, im besten Fall eine Perspektive, erklärt Werkstattleiterin Christa Clausen. Wenn auch nicht in jedem Fall auf dem sogenannten ersten Arbeitsweg. „Es dauert oftmals ein bis zwei Jahre, die Menschen wieder in das richtige Leben zurückzuführen“, sagt Clausen. Der Verein helfe nicht nur bei Bewerbungen, sondern auch beim Überwinden von Absagen. Hilfe, die ansonsten oft fehlt, wie auch Jörg Böhm (Die Linke), Vorsitzender des Arbeitslosenverbands MV beklagt. „An Maßnahmen findet oft kein Anschluss statt“, sagt er.

Die Zahl der Arbeitslosen ist in einem Rekordtief. Auch dank der Trainings. Doch durch gezieltere und individuellere Schulungen könnten sich die Chancen auf eine Anstellung weiter erhöhen. Mit den 180 Millionen Euro sollte man doch über eine individuellere Förderung  und eine  intensive  Betreuung auch  nach den Maßnahmen nachdenken können.

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