Immer mehr berufstätige Rentner in MV : Arbeitsfreude in der Grauzone

Die Zahl der berufstätigen Rentner hat sich in MV verdoppelt. Warum viele Senioren im Rentenalter noch arbeiten wollen – eine Analyse.

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10. August 2016, 05:00 Uhr

Eigentlich sollten sie ihren verdienten Ruhestand genießen. Doch immer mehr Rentner in Deutschland packen mit an. Noch nie sind so viele Menschen im Alter über 65 Jahren einer bezahlten Arbeit nachgegangen wie heute, statt von der Rente und dem Ersparten zu leben.

In Mecklenburg-Vorpommern beträgt die Beschäftigungsquote der 65- bis 70-Jährigen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes inzwischen 13,5 Prozent. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es noch 5,5 Prozent. Innerhalb weniger Jahre hat sich also der Anteil arbeitender Rentner mehr als verdoppelt.

Gründe gibt es viele. „Die Rente reicht längst nicht bei allen, um ein anständiges Leben im Alter führen zu können“, sagt Bernd Rosenheinrich, Landesvorsitzender des Seniorenbeirates. Wer nach der Wende seinen Job verloren hatte und danach lange Zeit im Niedriglohnsektor beschäftigt oder arbeitslos war, der hat heute bei der Rente schlechte Karten. Je niedriger die Rente, umso wahrscheinlicher wird eine berufliche Tätigkeit im Ruhestand. „Manche beantragen keine Grundsicherung, weil sie sich dafür schämen und gehen dann lieber arbeiten“, berichtet Rosenheinrich.

Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat berufstätige Senioren nach ihrer Motivation gefragt. Danach gaben 95 Prozent der Befragten als Hauptgrund an, dass sie Spaß an ihrer Arbeit haben. 90 Prozent gehen wegen der sozialen Kontakte arbeiten und 77 Prozent, um geistig fit zu bleiben. Erst bei 73 Prozent der Befragten steht allein das Geldverdienen im Vordergrund. Mehrere Antworten waren bei dieser Frage möglich.

Hinzu kommt noch ein weiterer Faktor, den das Deutsche Zentrum für Altersfragen im Auftrag des Bundesfamilienministeriums untersucht hat. Die Studie zeigt, dass es den Menschen in der zweiten Lebenshälfte insgesamt besser geht und sie im Durchschnitt fitter sind als ihre Eltern oder Großeltern. Gut zwei Drittel von ihnen seien körperlich kaum eingeschränkt. Die 40- bis 85-Jährigen treiben zudem häufiger Sport als noch vor 20 Jahren und ernähren sich gesundheitsbewusster als die Generationen davor.

Bei der bezahlten Arbeit lassen es die Senioren allerdings eher ruhig angehen. Eine Erwerbstätigkeit im Rentenalter wird meistens in Teilzeit geleistet und ist nicht unbedingt an den früheren Arbeitsplatz gebunden. In Mecklenburg-Vorpommern gehen 79 Prozent der arbeitenden Rentner einer geringfügigen Beschäftigung nach, verdienen also bis zu 450 Euro monatlich hinzu – eine deutliche Mehrheit.

Regional existieren bei der Erwerbstätigenquote der 65- bis 70-Jährigen große Unterschiede. Die Initiative „7 Jahre länger“ hat die Differenziertheit auch für Mecklenburg-Vorpommern untersucht. Danach gibt es die mit Abstand höchste Beschäftigungsquote älterer Menschen in der Landeshauptstadt Schwerin mit 20,2 Prozent. In Vorpommern-Greifswald – Schlusslicht im Nordosten – ist der Anteil der arbeitenden 65- bis 70-Jährigen dagegen mit 10,8 Prozent nur etwa halb so groß. Ein wichtiger Faktor sei die Wirtschaftskraft. In starken Regionen gibt es insgesamt mehr Arbeit – so auch für Ältere, lautet die Einschätzung der Initiative

Für die Wirtschaft ist die Arbeitsfreude der älteren Menschen ein Segen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels seien viele Unternehmen auf die Erfahrung älterer Arbeitnehmer und Rentner angewiesen, heißt es in einer Einschätzung des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn.

Mit Sorge sehen dagegen die Gewerkschaften die steigende Arbeitslust der Rentner. Denn die könnte ein Argument für eine weitere Anhebung des Rentenalters sein. Doch schon jetzt sagen laut einer vom DGB in Auftrag gegebenen Umfrage 47 Prozent der Beschäftigten, dass sie das Renteneintrittsalter mit 67 Jahren, das seit Anfang 2012 schrittweise eingeführt wird, in ihrem Job aus gesundheitlichen Gründen nicht erreichen können.

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