Kriminalität in MV : Arbeit statt Haft spart 22 Millionen Euro

Ein Häftling steht an seinem Fenster
Ein Häftling steht an seinem Fenster

Schwarzfahrer und Diebe ziehen eine gemeinnützige Arbeit dem Gefängnis vor

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04. August 2016, 05:00 Uhr

Wer seine Geldstrafe nicht bezahlen kann oder will, muss ins Gefängnis – oder leistet gemeinnützige Arbeit. Straffällige, die ihre Geldstrafe abarbeiten statt im Gefängnis zu sitzen, haben dem Land Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Justizministeriums seit dem Jahr 2000 Ausgaben von mehr als 22 Millionen Euro für Haftkosten erspart. „Allein im vorigen Jahr wurden 1028 Geldstrafen mit gemeinnütziger Arbeit abgeleistet“, sagte Ministeriumssprecher Tilo Stolpe.

Insgesamt seien mit gemeinnütziger Arbeit in den vergangenen 16 Jahren etwa eine Million Hafttage vermieden worden, allein im vergangenen Jahr knapp 46 000 Hafttage. Die Kosten eines Haftplatzes für einen Gefangenen mit Ersatzfreiheitsstrafe beziffert das Justizministerium auf rund 22 Euro pro Tag.

Für Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) ist die Vollstreckung nichtgezahlter Geldstrafen durch gemeinnützige Arbeit eine sinnvolle Alternative: „Nicht jeder Schuldner oder Kleinkriminelle muss gleich wochenlang den Gefängnisalltag spüren, um sein Leben auf die richtige Bahn zu lenken.“

Im ganzen Land realisieren freie Träger wie zum Beispiel die Caritas, dass Geldstrafen abgearbeitet werden können. Sechs Stunden Arbeit entsprechen einem Tagessatz einer Geldstrafe und einem Tag Haft bei einer Ersatzfreiheitsstrafe. Zu 30 bis 90 Tagessätzen werden im Durchschnitt Geldstrafen an den Gerichten ausgesprochen. Zumeist werden Kleinkriminelle wie Schwarzfahrer oder Ladendiebe so bestraft.

Jeden Tag saßen dennoch 76 Menschen im Schnitt ihre Ersatzfreiheitsstrafe im Gefängnis ab. Das waren sieben Prozent aller Gefangenen in Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt wurden voriges Jahr 855 Ersatzfreiheitsstrafen in den Gefängnissen des Landes vollstreckt. Das waren 126 weniger als im Jahr 2014, als noch 88 Menschen im Schnitt pro Tag ihre Ersatzfreiheitsstrafe im Gefängnis absaßen. Im Jahr 2013 waren es sogar noch 92 Menschen.

Ersatzfreiheitsstrafen sind international umstritten, weil häufig Menschen mit geringem Einkommen ihre Geldstrafen nicht bezahlen können und deshalb ins Gefängnis müssen. Reiche sind dagegen weniger betroffen. Andere Länder wie Dänemark und Schweden verzichten deshalb auf Ersatzfreiheitsstrafen.


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