Werften in MV : „Arbeit, endlich wieder Arbeit“

Auf dem Gelände von Nordic Yards in Warnemünde
Auf dem Gelände von Nordic Yards in Warnemünde

Mit der Übernahme durch die asiatische Genting-Gruppe keimt Hoffnung auf Erhalt der Traditionswerften in Mecklenburg-Vorpommern.

svz.de von
02. März 2016, 21:00 Uhr

„Arbeit, endlich wieder Arbeit.“ Der Einstieg des asiatischen Konzerns Gen-ting in den traditionsreichen Schiffbau Mecklenburg-Vorpommerns schafft Zuversicht unter den Arbeitern der Nordic-Werften in Wismar, Rostock und Stralsund. Seit Monaten konnte der russische Werfteigner Witali Jussufow keinen großen Neubau-Auftrag mehr verbuchen. Einzig die riesige Umspannplattform „DolWin Gamma“ ist noch in Warnemünde im Bau. Doch die Fertigstellung liegt in den letzten Zügen. Bis auf kleinere Aufträge ist das Auftragsbuch leer, es drohte wie schon mehrmals in der wechselvollen Werftengeschichte Mecklenburg-Vorpommerns eine Phase mit Kurzarbeit oder Entlassungen.

Mit der Genting-Gruppe aus Malaysia scheint sich das Blatt zum Guten zu wenden. 2015 hatte das Unternehmen schon die Lloyd-Werft in Bremerhaven übernommen. Lloyd soll vier Luxuskreuzfahrtschiffe und vier Flusskreuzfahrtschiffe planen und bauen. Die Rümpfe könnten in Mecklenburg-Vorpommern gebaut werden, die Ausstattung in Bremerhaven erfolgen. Dazu wurden auch schon die Unternehmen „Star Cruises Warnemünde Operations GmbH“, „Star Cruises Wismar Operations GmbH“ und „Star Cruises Stralsund Operations GmbH“ ins Handelsregister eingetragen.

„Genting ist eine gestandene Gruppe mit einer guten Kombination aus Schiffbau und Reisekonzern“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete und Schiffbau-Experte Eckhardt Rehberg. „Ich sehe das positiv, Genting bringt Aufträge mit.“ Es gebe nun die große Chance, dass auf den drei Nordic-Werften das über die vergangenen Jahrzehnte gewachsene schiffbauliche Know-how wieder zum Tragen kommen kann. Dieses sei bis auf den Bau von zwei eisbrechenden Spezialschiffen für Russland zu wenig genutzt worden.

Rehberg denkt an die aktuell rund 1400 Mitarbeiter, die nun wieder zuversichtlicher in die Zukunft schauen können.

„Das ist ein gutes Zeichen“, meint auch der Hauptgeschäftsführer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik in Hamburg, Reinhard Lüken. „Nordic hat in den letzten Jahren mit dem Bau der Konverterplattformen technische Pionierarbeit geleistet.“ Aber Jussufow habe schlicht Pech gehabt. Bei der Politik habe es von Anfang an das Defizit gegeben, dass die Energiewende nach der Atomkatastrophe von Fukushima indus-triepolitisch und volkswirtschaftlich für die Wertschöpfung im eigenen Land nur unzureichend genutzt werde.

Die derzeit sichtbaren Möglichkeiten des Einstiegs von Genting seien hervorragend. „Genting ist kein Newcomer und der einzige Anbieter im internationalen Kreuzfahrtgeschäft, der aus Asien kommt“, sagte Lüken. In Asien fange der Markt gerade an zu boomen, da stecke große Substanz dahinter. Der Ausbau dieses Marktes sei Regierungsprogramm.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) berichtete von einem Gespräch mit Genting in der vergangenen Woche. Dabei sei deutlich geworden, dass der Schwerpunkt vor allem der Bau von Kreuzfahrtschiffen sein werde. „Das ist einer der attraktivsten Märkte im Schiffbau. Wir hoffen, dass die Werften durch diesen Verkauf eine dauerhafte Perspektive erhalten und die Arbeitsplätze gesichert werden“, sagte Sellering.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) zeigte sich erfreut, dass erstmals seit der Wirtschaftskrise 2009 ein neuer Investor Aufträge für die Werftstandorte des Landes mit im Gepäck habe. Es müsse nun gelingen, dass die Standorte in ein ruhigeres Fahrwasser gelangen, sagte der Vorsitzende der Linksfraktion, Helmut Holter.

Ein Kommentar von Max-Stefan Koslik: Deal mit Restrisiko

Dieser Verkauf hört sich nach einem guten Deal an.   Vor sieben Jahren   kaufte der russische Investor Witali Jussufov zunächst die Werften in Wismar und Warnemünde für 40 Millionen aus der Wadan-Insolvenzmasse. Jetzt verkauft er die gesamte Gruppe mit Stralsund für 230 Millionen Euro.

Die Kehrseite ist, was Jussufov in den  letzten  Jahren investiert hat, um z.B. mit Konverterplattformen im Offshore-Geschäft mitzumischen. Das dürfte seinen Preis gehabt haben. Doch der Markt hat sich nicht so entwickelt wie erhofft. Über kurz oder lang hätte den Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund das gleiche Schicksal gedroht, wie sie es schon zuvor unter Namen wie Vulkan, Wadan oder P+S erlebten.

Der jetzige Verkauf hat den verbliebenen 1400 Schiffbauern im Land – von einstmals 14000 – die Zukunft gerettet. Ob der Schiffbau in Deutschland tatsächlich eine Zukunft hat, hängt jetzt von den neuen Eignern ab. Klar, die bringen Aufträge mit. Klar, Kreuzfahrtschiffe, das klingt zunächst einmal nach einer boomenden Branche. Und ja, es gibt in Wismar Erfahrungen auf dem speziellen Gebiet des Baus von Kreuzlinern. Zu DDR-Zeiten wurde dort eine Serie von sieben Kreuzfahrtschiffen für die Sowjetunion gebaut. Später entstanden zwei Schiffe für die Aida-Flotte, für deren Fertigstellung allerdings mächtig gekämpft werden musste. Auch zwei Fähren für Stena-Line entstanden.

Insofern ist die jetzige Neuausrichtung ein Rettungsanker, allerdings einer mit Restrisiko. Und das fängt schon in den nächsten Wochen des Übergangs an.

 
 

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