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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 17:51 Uhr

Scherze in der SVZ : April, April

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Als sozialistische Ehen in unserer Zeitung ungültig wurden...

svz.de von
erstellt am 01.Apr.2016 | 12:00 Uhr

„Sozialistische Ehen ab heute ungültig“ schrieb unsere Zeitung am 1. April 1993. Leser einmal im Jahr mit ausgedachten lustigen Geschichten in den April zu schicken, hat in Zeitungsredaktionen eine lange Tradition. Aber die Reaktionen auf diesen Aprilscherz hatten uns umgehauen. Mehr als 300 Anrufe, Faxe und Leserbriefe prasselten auf die Redaktion ein.

Die Meinungen reichten damals von „Ich finde diese Art zu scherzen absolut makaber“ (Christoph Rüdiger; Rostock) und „Ich musste erstmal meine Frau beruhigen“ (Herr Werner; Schwerin) bis „Ich könnte mich schieflachen“ (Frau Jonas; Hagenow) oder „Ein Aprilscherz? Schade, denn sonst wäre einiges für viele billiger geworden.“ (Herr Roth; Schwerin).

Unsere Zeitung hatte am 1. April im dritten Jahr nach der Einheit geschrieben, dass mit der Übernahme des bundesdeutschen Rechts, sozialistische Ehen ihre Gültigkeit verlieren. Automatisch, denn das Bundesrecht kennt nur bürgerliche Ehen. Das hatte man im Einigungsvertrag schlicht übersehen. Darum war es notwendig geworden, dass ehemalige DDR-Bürger die Gültigkeit ihrer sozialistischen Ehen beim Ordnungsamt neu beantragen. Wer sich weigert, würde als alleinlebend gelten. Mitzubringen sind ein formloser Antrag, Passbilder, Existenzberechtigungsscheine und eine Gebühr von 135 Mark. „Unerhört, so etwas kann man sich nur mit uns Ossis erlauben“, schimpfte Frau Dahnke aus Schwerin am Telefon.

Wir veröffentlichten am Tag darauf so viele Meinungen zum Aprilscherz wie möglich und entschuldigten uns in aller Form bei den Ordnungsämtern des Landes und dem Innenministerium, wo etliche Anfragen und Beschwerden eingegangen waren. „Nicht genug, dass die Betriebe kaputtgehen, nun sollen auch noch unsere Ehen drankommen“, meinte Frau Lau aus Schwerin.

Nicht mehr ganz so emotional waren die Reaktionen auf unseren Aprilscherz im vergangenen Jahr, als wir von einem Archivfund berichteten, der höchste diplomatische Verwicklungen zur Folge hätte. Wismar gehöre demnach immer noch zu Schweden, weil auf den Unabhängigkeitsurkunden von 1903 die Unterschriften fehlten. Das Versehen sollte die schwedische Königin Silvia noch am 1. April korrigieren. Zahlreiche Neugierige kamen tatsächlich, um die schwedische Hoheit in Wismar zu begrüßen.

Auch andere Zeitungen schickten ihre Leser in den April: Die „Neue Zürcher Zeitung“ schrieb 2015 über ein geplantes Handyverbot für Fußgänger. Es gehe um Unfallvermeidung. Der Stadtrat wolle Handyhersteller auch „analog zu den Warnungen auf Zigarettenpäckli“ zu Hinweisen auf Displays verpflichten. Stehe ein Passant am Zebrastreifen, solle aufgrund der GPS-Ortung aufpoppen: „Gleichzeitiges Betreten der Straße und Bedienen des Handys kann töten.“

Eine „Große Ehrung für Altbundeskanzler“ Helmut Schmidt verkündete am 1. April 2012 die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“: Die Milchstraße werde in Schmidtstraße umbenannt. Die Abstimmung über die Umbenennung der Galaxis stehe auf der Tagesordnung der UN-Vollversammlung. Auf der Erde habe sich keine Straße gefunden, die Schmidts Intellekt angemessen sei, wurde UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zitiert.

Übrigens: Auch in diesem Jahr haben wir uns einen Aprilscherz ausgedacht. „Landtagswahl künftig nur noch mit Computer“ titelten wir heute. Das, liebe Leser, ist natürlich nur ein Scherz. Selbstverständlich können sie ihre Stimme im September nach wie vor in ihrem Wahllokal abgeben. Wählen per Facebook wird – soweit wir wissen – (noch) nicht möglich sein.

 

 

 

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