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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 03:08 Uhr

Appell gegen die Verflachung der Medien

vom

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2013 | 08:50 Uhr

Schwerin | Wieviel Unfall- und Katastrophen-Berichterstattung brauchen Leser, Hörer und Zuschauer? Weniger, als die Medien anbieten, meinte gestern beim Landesmedientag des Deutschen Journalistenverbandes der stellvertretende Generalstaatsanwalt Jürgen Garbe. "Mehr und schnellere Blaulicht-Berichterstattung, als Ermittlungsbehörden in ihren Strukturen der Pressearbeit abdecken können oder wollen", hielten Redaktionsverantwortliche von Funk, Fernsehen und Zeitungen dagegen. Sie stützen sich auf profunde Marktforschung, die belegt, dass unabhängig von Bildungsgrad und Anspruchsniveau der Leser Berichte über Straftaten, Feuerwehreinsätze oder Gerichtsverfahren die meistgenutzten Inhalte sind. Was nicht heißt, dass es nicht ebenso Aufgabe der Medien wäre, daneben auch tiefgründigere Themen zu publizieren.

Der Anspruch der Mediennutzer, über solche "criminalia" schnell und verlässlich aufgeklärt zu werden, steigt mit der Ausbreitung sozialer Netzwerke noch, sagte NDR-Redaktionsleiter Michael Schmidt. Wenn Facebook-Nutzer etwa selbst Hinweise auf laufende Polizei- oder Feuerwehreinsätze an Redaktionen gäben mit der Erwartung, schnell zu recherchieren, dann sei das ein Vertrauensbeweis für die Seriosität regionaler Medien, meinte OZ-Chefredakteur Andreas Ebel. Und zugleich Ausdruck eines sich rasant wandelnden, interaktiven Mediennutzungsverhaltens.

Innenstaatssekretär Thomas Lenz wünschte sich von den Journalisten, sich "mit echten Fakten und Hintergründen zu beschäftigen als mit vorschnellen Behauptungen, die nur oberflächlich belegt, dafür reißerisch aufgemacht sind". Zugleich appellierte er an die Verleger, trotz Kostendrucks und Existenzsorgen ihre Zeitungen nicht allein als Ertragsobjekt, als Ware zu betrachten. Dies sei ein "demokratiegefährdendes Phänomen", warnte Lenz. Verleger sollten ihre Zeitungen zudem nicht immer mehr am Durchschnitts-Bedarf ausrichten und das "Niveau verflachen". Eigentlicher publizistischer Auftrag sei es, "auch sperrige, aber politisch wichtige Themen" aufzuarbeiten. "Der zwingend nötige geistige Diskurs ist bereits einer bedenklichen Einheitsmeinung gewichen", mahnte Lenz. Staatliche Zeitungs-Förderung wie in anderen EU-Ländern lehnte Lenz "vorerst noch" ab, versprach aber die Schaffung existenzsichernder Rahmenbedingungen für die Zeitungen.

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