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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 13:11 Uhr

Betrug : AOK Nordost um Millionen geprellt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der AOK Nordost sind durch Abrechnungsbetrug knapp drei Millionen Euro Schaden entstanden.

svz.de von
erstellt am 23.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Manipulierte Rechnungen, fingierte Rezepte, Abrechnungen über Behandlungen, die nie stattgefunden haben – die Liste von Gesetzesverstößen im Gesundheitswesen ist lang. Allein der AOK Nordost ist durch Abrechnungsbetrug 2014 und 2015 ein Schaden in Höhe von drei Millionen Euro entstanden. Das geht aus dem jetzt vom Verwaltungsrat der Kasse vorgelegten Tätigkeitsbericht zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen hervor. „Hier wird mit verbrecherischer Absicht nicht nur zum Schaden der Solidargemeinschaft gehandelt, auch der Ruf des gesamten Leistungsbereiches wird geschädigt. Denn die meisten Leistungserbringer verhalten sich korrekt“, betont Rainer Knerler, alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Nordost.

Im Bereich der Drei-Länder-Kasse gingen die Ermittler innerhalb von zwei Jahren fast 1000 Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten nach, 320 davon kamen aus Mecklenburg-Vorpommern. Größter Fall: Ein Pflegedienst in Rostock, der Leistungen abrechnete, die entweder gar nicht oder von unqualifiziertem Personal erbracht wurden. „Besonders kriminell: Die betreuten, angeblich pflegebedürftigen Personen betrogen gemeinsam mit dem Pflegedienst, indem sie Hilfebedarf vortäuschten“, so AOK-Sprecher Markus Juhls. Es entstand ein Schaden von mehr als 400 000 Euro. „Es wurde Strafanzeige gestellt, die Ermittlungen wegen Geldwäsche, Betrug und Autoschieberei werden in den nächsten Wochen abgeschlossen“, so Juhls, der mit einer baldigen Anklageerhebung rechnet.

Die AOK Nordost verfolgt bereits seit 2004 mit einer eigenen Missbrauchsbekämpfungsstelle Verdachtsfälle. Hinweise auf Fehlverhalten kämen sowohl von Betroffenen, Angehörigen und Betreuern als auch von Ämtern, Leistungserbringern und Ermittlungsbehörden, so Juhls. Auch Selbstanzeigen seien eingegangen. Für Hinweise sei unter 0800 26508031983 eine kostenlose Telefonnummer geschaltet

Auffällig aus Juhls Sicht: „Gegenüber 2012/13 haben die Hinweise auf Fehlverhalten um 20 Prozent zugenommen.“ Er sieht einen Zusammenhang zur öffentlichen Diskusion über eine Verschärfung des Anti-Korruptionsgesetzes. In der vergangenen Woche hat der Bundestag nun den Gesetzentwurf gegen Bestechlichkeit im Gesundheitswesen beschlossen.

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