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Agrar-Beihilfefonds : Antragswust kostet Bauern Millionen

vom
Aus der Onlineredaktion

In MV steigt der Verwaltungsaufwand für Agrar-Beihilfefonds auf Höchststand

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Teure EU-Bürokratie: Die Kosten für die Verwaltung und Kontrolle der millionenschweren Agrarbeihilfen in Mecklenburg-Vorpommern sind auf eine bisher nicht dagewesene Höhe gestiegen. Immer neue Auflagen, Aufzeichnungs- und Nachweispflichten haben die Verwaltungsausgaben seit 2010 um 50 Prozent steigen lassen, während gleichzeitig den Bauern mehr als jeder zehnte Euro an Subventionen gestrichen worden ist. Insgesamt kostete die Verwaltung der Agrarfonds im Land 2015 knapp 16 Millionen Euro an Personalkosten – etwa vier Millionen mehr als fünf Jahre zuvor, teilte das Landwirtschaftsministerium auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Landtagsfraktion mit. Die Agrarbeihilfen für die mehr als 4500 Landwirte im Haupt- und Nebenberuf gingen hingegen von 527 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 455 Millionen Euro im vergangenen Jahr zurück. Der höhere Aufwand führt indes auch dazu, dass immer mehr Personal mit der Fondsverwaltung beschäftigt wird – 245 Mitarbeiter, 46 mehr als 2010. Die Direktbeihilfen werden den Landwirten unter anderem als Ausgleich für preiswerte Lebensmittel in Europa, aber auch für Umweltleistungen gezahlt. Inzwischen beklagt auch das Agrarministerium den in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Aufwand und fordert mit der neuen Beihilfeperiode ab 2020 ein einfacheres Fördersystem.

Teure Verwaltung, hoher Aufwand in den Betrieben: Für mindest ebenso hohe Kosten müssten die Agrarbetriebe noch aufkommen, kritisierte Mecklenburg-Vorpommerns Bauernpräsident Detlef Kurreck. Einer repräsentativen Umfrage zufolge wenden Tierhalter für die Bewältigung von Auflagen, Nachweispflichten und Kontrollen derzeit im Monat 32 Stunden auf – vier Stunden mehr als noch 2014, teilte der Bauernverband mit. Zwölf Stunden müssten Tierhalter allein für die Registrierung der Nutztiere und die Dokumentation von Arzneimitteln am Schreibtisch sitzen. Angesichts der wachsenden Bürokratie würden die Kosten immer weiter steigen: „Das ist eine Spirale“, erklärte Kurreck. Das Problem sei lange bekannt. Statt Fehler zu korrigieren, werde aber versucht, Defizite durch immer neue Vorschriften auszugleichen. Kurreck: „Verwaltung und Kontrolle ja, aber in einem vertretbaren Rahmen.“ Die Bauern verlangten ein Beihilfesystem, das von den Landwirten einfach umzusetzen, von der Verwaltung in einem vertretbaren Rahmen kontrolliert und von den Bürgern verstanden werden könne.

 

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