zur Navigation springen

Anklage gegen KZ-Sanitäter : Anträge auf Befangenheit abgelehnt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Prozess gegen KZ-Sanitäter beginnt im Februar in Neubrandenburg

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Der Prozess gegen einen 95 Jahre alten ehemaligen KZ-Sanitäter kann am 29. Februar in Neubrandenburg wie geplant beginnen. Das Landgericht hat mehrere Befangenheitsanträge gegen die mit dem Verfahren befasste Schwurgerichtskammer abgelehnt, wie der Gerichtssprecher in Neubrandenburg gestern erklärte.

Dem Ex-SS-Angehörigen aus einem Dorf bei Neubrandenburg wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen. Das Gericht halte die Befürchtung, die Kammer könne nicht neutral agieren, für unbegründet, sagte der Sprecher. Die Mitglieder der Kammer hätten keine Haltung eingenommen, die ihre Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit störend beeinflussen würde. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger hatten nach dem Bekanntwerden der Prozessplanung Anträge auf Befangenheit gestellt. Sie befürchteten, dass der Gesundheitszustand des Beschuldigten zu sehr im Mittelpunkt des Verfahrens stehen und Anlass sein könnte, den Prozess vorzeitig abzubrechen.

Die Schwurgerichtskammer hatte angekündigt, nochmals prüfen zu lassen, ob der betagte Angeklagte verhandlungsfähig sei und wollte mit den Prozessbeteiligten auch über Rechtsfragen sprechen. Gegen die Entscheidung des Landgerichtes sei im Vorfeld kein Rechtsmittel möglich, sagte der Sprecher. Dies sei – wie in anderen Prozessen – nur im Zusammenhang mit einem Urteil vorgesehen. Der Angeklagte soll vom 15. August bis zum 14. September 1944 im SS-Sanitätsdienst in Auschwitz-Birkenau gearbeitet haben. In der Zeit seien dort 3681 Menschen vergast worden. Der Verteidiger bestreitet eine Schuld seines Mandanten. Die Anklage orientiert sich an 14 Deportationszügen, die aus Polen, Slowenien, Griechenland und Deutschland gekommen und in der Zeit Auschwitz-Birkenau erreicht haben sollen. In einem Zug aus Westerbork (Niederlande) habe sich auch Anne Frank und ihre Familie befunden. Es soll schon der zweite Einsatz des Mannes in dem Lager gewesen sein. Für seinen ersten Einsatz von Oktober 1943 bis Januar 1944 war er nach dem Krieg in Polen 1946 zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Diese habe er verbüßt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen