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Antibiotika im Stall: Satte Gaben für Masthähnchen

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erstellt am 25.Sep.2013 | 10:23 Uhr

Schwerin | Dopingverdacht im Hühnerstall: In der Hähnchenmast in MV ist der Antibiotika-Einsatz zwar zurückgegangen, Geflügelbauern greifen aber dennoch zu häufig in die Stallapotheke. Im Schnitt seien die Tiere in ihrem 35tägigen Leben mehr als zwei Mal mit Medikamenten behandelt worden - 2,4 Mal pro Mastdurchgang, geht aus einer gestern von Agrarminister Till Backhaus (SPD) vorgestellten Studie hervor. Vor einem Jahr seien es noch 3,4 gewesen. Zuvor waren in Einzelfällen bis zu zehn Gaben je Mastdurchgang festgestellt worden. Der Rückgang sei trotz schwieriger Haltungsbedingungen im Frühjahr erfolgt. Das Land hatte nach dem Antibiotika-Skandal in Nordrhein-Westfalen 2011 in einem bisher einmaligen Monitoring nach 2012 auch in diesem Jahr 30 Betriebe untersuchen lassen - ein Drittel aller Mastbetriebe in MV.

Bessere Gesundheitsprogramme von der Brüterei bis zum Maststall, höhere Hygienestandards und schärfere Desinfektionskontrollen hätten inzwischen dazu geführt, dass deutlich mehr Betriebe sogar ohne Antibiotika auskommen, meinte Backhaus. Bei jedem fünften Mastdurchgang wurden der Studie zufolge keine Medikamente mehr eingesetzt. Ein Jahr zuvor lag der Anteil bei 9,4 Prozent. Auch in Öko-Betrieben gelangt der Untersuchung zufolge weniger Antibiotika ins Futter. 80 Prozent der Höfe verzichteten darauf, vor einem Jahr waren es 73 Prozent.

Der massive Antibiotika-Einsatz im Stall steht seit Jahren in der Kritik, da die Medikamente ins Fleisch und in die Umwelt gelangen können. Allerdings seien bei Kontrollen seit 2006 in MV keine Rückstände im Geflügelfleisch nachweisbar gewesen, sagte Backhaus. Er forderte die Tierhalter auf, die Medikamentengaben weiter zu reduzieren: "Es geht auch mit weniger." Bundesweit verkauften Pharmahersteller etwa 1700 Tonnen Antibiotika an Kleintierhalter und Landwirtschaftsbetriebe. Backhaus: "Das ist zu viel, das bereitet mir Sorge." 2014 sollen die Kontrollen sowohl bei Hähnchen als auch Puten fortgesetzt werden. Derzeit wird der Medikamenteneinsatz in Schweineställen untersucht.

Natur- und Umweltschützern reicht der Rückgang der Antibiotika-Gaben nicht: Der gefeierte Fortschritt sei fraglich, meinte Corinna Cwielag, Landeschefin des Bundes für Umwelt und Natur (BUND): "Fakt ist, dass über 90 Prozent aller untersuchten Mastdurchgänge in der Hähnchenmast in Mecklenburg-Vorpommern nicht ohne Antibiotikaeinsatz auskommen."

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