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Migrationsbeauftragte im Interview : Anteil krimineller Flüchtlinge gering

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Migrationsbeauftragte Dagmar Kaselitz über die Situation der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in MV

von
erstellt am 03.Feb.2017 | 06:00 Uhr

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vor allem aus Syrien sorgen mit Schlägereien und Messerattacken auf dem Marienplatz in Schwerin oder vor dem Kröpeliner Tor Center in Rostock für Ärger und Verunsicherung in der Bevölkerung. Ist die Integration der Jugendlichen gescheitert? Mit der Migrationsbeauftragtin des Landes, Dagmar Kaselitz (SPD), sprach Thomas Volgmann.

Frau Kaselitz, auf dem Marienplatz in Schwerin sollen jetzt Videokameras für mehr Sicherheit sorgen. Lässt sich mit dieser Überwachungstechnik das Problem der gewalttätigen minderjährigen Flüchtlinge lösen?
Kaselitz: Nein. Aber mit der Videotechnik könnte sich das subjektive Sicherheitsgefühl der Anwohner verbessern. Möglicherweise wird auch die eine oder andere Straftat durch die Überwachung schneller aufgeklärt. Aber man wird damit allein nicht die Gewaltattacken verhindern können. Da muss man an die Jugendlichen ran.

Wie viele minderjährige Flüchtlinge gibt es in Mecklenburg-Vorpommern? Wie hoch ist der Anteil jener, die bei Randalen auffallen?
Aktuell werden 964 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von den Jugendämtern in Mecklenburg-Vorpommern betreut. In Schwerin sind es beispielsweise 73 Flüchtlinge unter 18 Jahren, in Rostock 132 und in Vorpommern-Greifswald 146. Der Anteil derer, die durch Gewalt und Straftaten auffallen, ist also eher gering. Es gibt zudem Mehrfachtäter, die immer wieder bei solchen Gelegenheiten auftauchen.

Nach welchem Konzept sollen diese minderjährigen Ausländer integriert werden?
Die Jugendämter haben genaue Vorgaben. Bis zum 16. Lebensjahr herrscht Schulpflicht. Alle müssen wie deutsche Kinder und Jugendliche zur Schule gehen und sie müssen außerdem die deutsche Sprache lernen. Für die Jugendlichen zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr herrscht Berufsschulpflicht. Viele dieser Jugendlichen absolvieren dazu ein berufsvorbereitendes Jahr, wo der Schwerpunkt ebenfalls auf das Erlernen der deutschen Sprache liegt.

Wie sind diese Jugendlichen tatsächlich in den Kommunen untergebracht?
Das regeln die Landkreise unterschiedlich. Meistens werden sie von Trägervereinen in Wohngruppen mit vier bis zwölf Bewohnern betreut.

Und von wem bekommen diese Halbwüchsigen dort die Regeln beigebracht?
Bei der Betreuung gilt das Fachkräftegebot. Das heißt, die Betreuer müssen eine entsprechende Ausbildung haben. Allerdings sind Fachkräfte durch die hohe Zahl der Flüchtlinge so knapp, dass auch andere Mitarbeiter bestimmte Funktionen übernehmen müssen. Ich höre zudem von Betreuern, dass in den Wohngruppen mehr Sanktionsmöglichkeiten beispielsweise bei Schulschwänzern wünschenswert wären. Das muss diskutiert werden. Fest steht, dass eine individuelle und intensive Erziehung wie im Regelfall durch Mutter und Vater in Wohngruppen bei allen Bemühungen schwer möglich ist. Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sucht deshalb Gasteltern für unbegleitete Minderjährige. Ich halte das für eine gute Idee.

Was soll mit jenen jungen Ausländern passieren, die sich nicht integrieren wollen und kriminell bleiben?
Abschiebungen nach Syrien sind nicht möglich, weil dort Krieg ist. So lange sich die Situation dort nicht normalisiert oder wenn sie unter 18 Jahre sind, werden sie vor dem Gesetz genauso behandelt wie deutsche kriminelle Jugendliche.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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