Ansturm auf das Überbrückungsjahr

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24. Mai 2013, 10:10 Uhr

Greifswald/Neubran-Denburg | Was zu DDR-Zeiten gang und gäbe war, erlebt seit wenigen Jahren eine Renaissance - wenn auch unter anderen Vorzeichen: Abiturienten, die sich vorstellen könnten, im Gesundheitswesen zu lernen oder zu studieren, überprüfen neun oder zwölf Monate lang ihren Berufswunsch in der Praxis.

Anders als vor der Wende, als dieses Praktikum vor dem Medizinstudium obligatorisch war, absolvieren die jungen Leute es heute freiwillig: Das Überbrückungsjahr für Abiturienten, kurz Üfa, ist eine Form des Bundesfreiwilligendienstes. Entwickelt wurde das Modell an der Universitätsmedizin Greifswald, "weil es mittlerweile in allen medizinischen Berufen schwierig ist, junge Leute für eine Ausbildung zu begeistern", so die Stellvertreterin des dortigen Pflegevor stands, Petra Klein.

Nach zwei Jahrgängen, die das Überbrückungsjahr in Greifswald absolviert haben, ist die Bilanz durch und durch positiv. "Die Motivation dieser jungen Leute ist eine ganz andere. Sie wissen nach dem Jahr bei uns ganz genau, worauf sie sich einlassen - wer sich nach dem Überbrückungsjahr für eine Ausbildung oder ein Studium bewirbt, der will das unbedingt", so Petra Klein.

Von den 24 jungen Frauen und Männern, die 2011/12 als erste überhaupt das Überbrückungsjahr in Greifswald absolvierten, erhielten vier einen Medizinstudienplatz an der dortigen Universität, drei traten eine Ausbildung zur/zum Gesundheits- und Krankenpfleger/-in in Greifswald an. Ob weitere möglicherweise an anderen Universitäten oder Krankenhäusern eine Ausbildung begonnen habe, sei nicht bekannt, aber anzunehmen, so Klein.

Aktuell absolvieren 29 Abi turienten das Überbrückungsjahr in Greifswald. Sie kommen aus dem ganzen Bundesgebiet, "wobei der Anteil der jungen Leute aus Mecklenburg-Vorpommern sich erhöht hat", freut sich Petra Klein. Einige der Üfas waren erst über eine Warteliste an die begehrten Plätze gekommen - schon vom zweiten Jahrgang an gibt es mehr Bewerber als Stellen. Allerdings werden im Laufe des Sommers auch immer wieder Stellen frei, weil Interessenten sich mehrgleisig beworben hatten und dann z. B. doch eine Zusage für ein Studium oder eine Ausbildung bekommen hatten.

Auf einen ähnlichen Zuspruch hofft nun auch das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg, das ab September erstmals fünf Üfa-Stellen anbietet. Zwar gebe es momentan noch keine Probleme, die Ausbildungsplätze in der dem Haus angeschlossen beruflichen Schule zu besetzten, so Pflegedirektorin Hannelore Kreibeck. Doch die Bewerberzahlen und damit die Auswahl gingen spürbar zurück.

Das Klinikum wolle mit dem Üfa zudem eine Lücke schließen, die mit Auslaufen des Zivildienstes entstanden sei. "Die jungen Leute, die sich seinerzeit als Zivis bei uns ausprobierten, lernen wir so jetzt gar nicht mehr kennen", bedauert Hannelore Kreibeck. Denn auf den Bundesfreiwilligendienst würden sich heute überwiegend Ältere oder auch Arbeitslose bewerben.

Vor allem hofft die Pflegedirektorin, über das Üfa auch künftige Medizinstudenten an das Krankenhaus zu binden: "Ärzte zu finden, die hier bleiben wollen, wird immer mehr zum Problem." Wer sich schon vor dem Studium ein Bild davon machen konnte, wie familienfreundlich und patientenzugewandt in Neubrandenburg gearbeitet wird, der kehrt später vielleicht ganz bewusst wieder zurück, hofft Hannelore Kreibeck.

In Greifswald registriert man wohlwollend, dass außer der Neubrandenburger in den letzten beiden Jahren noch weitere Kliniken und Einrichtungen Interesse am Überbrückungsjahr gezeigt hätten - "gute Ideen finden immer Nachahmer", so Petra Klein. Dass unter den Bewerbern in Greifswald bisher nicht wenige aus Neubrandenburg und Umgebung kamen, sei kein Problem. "Schließlich sollten wir übergreifend daran arbeiten, die jungen Leute in Mecklenburg-Vorpommern zu halten bzw. für unser Bundesland zu gewinnen. Darin liegt ja auch die Grundidee des Überbrückungsjahres", betont Petra Klein. In Greifswald war für den neuen Üfa-Jahrgang ohnehin schon im März Bewerbungsschluss. Und wieder überstieg die Nachfrage das Stellenangebot bei Weitem.

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