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Mecklenburg-Vorpommern

19. Oktober 2017 | 22:11 Uhr

Anschlag mit EHEC-Keimen?

vom

svz.de von
erstellt am 03.Jun.2011 | 08:32 Uhr

Berlin | Bei der EHEC-Epidemie wird auch ein krimineller Hintergrund nicht ausgeschlossen: Der Berliner Hygiene-Experte Klaus-Dieter Zastrow hält einen Anschlag für möglich. Die Bundesregierung hat allerdings keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund, wie ein Sprecher gestern sagte. Die Zahl der beim Robert-Koch-Institut gemeldeten EHEC-Erkrankungen stieg unterdessen weiter: Bis Donnerstagnachmittag registrierte das RKI 1213 Fälle, 520 Patienten litten am Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS). Bundesweit werden 19 Todesfälle mit EHEC in Verbindung gebracht.

Zastrow, Chefarzt für Hygiene an den Vivantes-Kliniken in Berlin, sagte: "Es kann durchaus sein, dass ein Schwachkopf unterwegs ist und denkt, ich bringe mal ein paar Leute um oder verpasse 10 000 Leuten Durchfälle. Das aus dem Blickfeld zu nehmen, halte ich für einen Fehler und geradezu fahrlässig." Einen Terroranschlag halte er aber für unwahrscheinlich: "Dafür wären die Bekennerschreiben typisch - und die gibt es ja nicht." Er betonte, die Bakterien könnten durchaus von Kriminellen produziert werden. Gerade die Tatsache, dass es sich um einen völlig neuen Stamm handele, lasse auch an ein Kunstprodukt denken. "Wenn wir es jetzt mit einem völlig neuen Keim zu tun haben, muss man auch fragen, woher er kommt", sagte Zastrow.

Die Hamburger Polizei ermittelt nach dem Fund der vier mit EHEC belasteten Gurken gegen zwei Großhändler und ein Restaurant. Auch wenn sich herausgestellt habe, dass diese Gurken nicht für die aktuelle EHEC-Infektionswelle verantwortlich seien, müsse von einer Gesundheitsgefahr ausgegangen werden, sagte eine Sprecherin. Wegen der hohen Zahl der EHEC-Fälle führen Kliniken erstmals ein bundesweites Register über Behandlungsergebnisse ein, wie der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, Reinhard Brunkhorst, sagte. An der Datenbank beteiligten sich derzeit 15 Krankenhäuser. Der EHEC-Erreger grassiert vor allem in Norddeutschland. Wissenschaftler haben inzwischen das Erbgut des Erregers entschlüsselt - ein wichtiger Schritt, um Therapiemöglichkeiten zu finden. Wegen der hohen Zahl der Erkrankungen am HUS werden in Norddeutschland Blutvorräte knapp. Der Blutspendedienst Nord des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) erhält inzwischen Blutplasma aus Süddeutschland, wie Sprecher Jens Lichte sagte. Einen Engpass gibt es aber nicht, bundesweit sind noch genug Vorräte vorhanden.

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