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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 22:28 Uhr

"Anreize für erfolgreiche Schützen"

vom

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erstellt am 08.Feb.2013 | 07:43 Uhr

Neustrelitz/Schwerin | Verletzte Damwild-Kälber, erschossene Muttertiere, mangelhafte Nachsuche, Überschreitung des Abschussplanes um sage und schreibe 60 Stück - so lauten die Vorwürfe von Teilnehmern einer Jagd im Müritz-Nationalpark, die erst in der Fachpresse auftauchten und nun auch in der Öffentlichkeit immer höhere Wellen schlagen. Auslöser ist eine Ansitzdrückjagd im vergangenen Dezember im Revier Waldsee. "Was mich am meisten aufgeregt hat, ist, dass das im Nationalpark passiert ist - die sollten doch Vorbild sein", meint Herbert Eingang aus Berlin, der als Gast teilnahm. Und ein weiterer Teilnehmer verweist auf einen anderen Pirschgang, bei dem von derselben Jagdleitung eine Drückjagd mit Hunden und Treibern auf Bachen beantragt worden sei - zu einem Zeitpunkt, zu dem sie neugeborene Frischlinge führen. "Wenn man Hunde da reinlässt, gibt es ein Massaker", so der Jagdteilnehmer.

Ein 10-seitiger Bericht des Nationalparkamtes zur "Bewegungsjagd-Saison 2012", der unserer Redaktion vorliegt, lässt immerhin tief blicken. "Obwohl die Wildbretqualität unter Nationalparkbedingungen als im Verhältnis zur Effizienz nachrangiges Ziel einzuordnen ist...", heißt es dort. Dazu muss man wissen: Die Wildbretqualität bemisst sich nach der Schussverletzung - ein Schuss, der das Tier nicht sauber sofort tötet, vermindert die Qualität. "Das heißt nichts anderes als ,Effizienz geht vor sauberes Schießen. Das leidende Tier ist dabei egal", erläutert ein Jäger aus der Region. Laut dem Papier sind rund ein Drittel alles erlegten Damwildes einer Jagd am 23. November nur in die Güteklasse B eingeordnet - also nicht sauber abgeschossen. Nahegelegt wird in dem Papier auch: "Ergänzend wäre zu überlegen, ein Anreizsystem für erfolgreiche Schützen zu schaffen. Beispielsweise käme hier die Überlassung von einem Stück Damwild bei Erlegung von mindestens drei in Frage." Hauptsache sei für die Jagdleitung offenbar, dass "möglichst viel Wild umfällt", so ein Teilnehmer.

"Die Nationalparkverwaltung hat sich an geltende Gesetze zu halten", erklärte indes Detlef Niedergesäß, Vorsteher der Jagdgenossenschaft Carpin, vor dessen Haustür die in die Schlagzeilen geratene Jagd stattgefunden hatte. "Wir Jäger haben ohnehin nicht den besten Ruf in der Gesellschaft. Derartige Vorkommnisse ziehen ihn noch weiter herunter." Auch andere Hegeringe laufen Sturm. In einem Fall wird eine Anzeige gegen den Jagddezernenten im Nationalparkamt Müritz, Falk Jagszent, wegen Tierquälerei erwogen. Falk Jagszent ist auch einer der Autoren des Berichtes für die Bewegungsjagd-Saison 2012.

Jagszent selbst ist von seinem Dienstherren verpflichtet worden, sich in der Sache nicht zu äußern. Agrarminister Till Backhaus (SPD) wird in der kommenden Woche mit dem Präsidium des Landesjagdverbandes zusammentreffen und will für alle Vorwürfe gewappnet sein. Eine von Backhaus eingesetzte Sonderkommission hat sich am Mittwoch ganztägig im Parkamt in Hohenzieritz mit den Darstellungen in dem Fachblatt beschäftigt und rund zwanzig konkrete Vorwürfe geprüft.

Jagszent, der bei der konkreten Jagd nicht zugegen war, sieht keinen grundsätzlichen Konflikt zwischen Jägern und Nationalparkamt. Gleichwohl sei in den Hegeringen bekannt, dass der Nationalpark keine normale Jagdfläche ist. "Wir haben Rekordwildbestände und müssen sehen, wie wir diese im Einklang mit den Schutzzielen des Parkes in den Griff bekommen."

Jagszent steht auch dem Ökologischen Jagdverband vor, dem etliche Jäger ablehnend gegenüberstehen. In einem Schreiben an Backhaus haben sich nun der BUND, der NABU und der Förderverein Müritz-Nationalpark an die Seite des Dezernenten gestellt und "unqualifizierte, niederträchtige Angriffe" konstatiert. Backhaus wird aufgefordert, dem Amt den Rücken zu stärken. "Die Nationalparke sind nicht Spielfeld der Kreisjagdverbände", heißt es.

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