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Rostock : Anna und die Liebe gegen Bezahlung

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Der Mann schaut sich aufgeregt um raucht eine Zigarette. Er fixiert kurz mit den Augen sein Ziel - eine Tür im Erdgeschoss in der Fritz-Reuter-Straße, direkt in der KTV. Das Erotik-Studio sieht aus wie eine normale Wohnung.

Rostock | Der Mann schaut sich aufgeregt um und raucht eine Zigarette. Er fixiert kurz mit den Augen sein Ziel - eine Tür im Erdgeschoss in der Fritz-Reuter-Straße, direkt in der KTV. Er ist Mitte vierzig und trägt am Finger einen Ehering. Plötzlich wirft er seine Zigarette weg und geht rein. An der Tür steht eine junge Frau, angezogen mit Stiefeln und einem schwarzen Body. Mit freundlicher Stimme sagt sie: "Komm rein, Schatz!"

Das Erotik-Studio sieht aus wie eine normale Wohnung. Keine roten Sofas, keine roten Herzen. Im Wohnzimmer ist ein Teppich mit Leopardenmuster verlegt. Hier steht eine schwarze Couch, davor ein Fernseher. Das zweite Zimmer ist dunkler. Im gedämpften Licht stehen eine Massageliege und ein Sessel. Alles, was weiß ist, leuchtet im Schwarzlicht. Nach etwa einer halben Stunde verlässt der Mann das Lokal. Er sieht entspannt aus. Er geht zu seinem Auto. Anna kommt in das Wohnzimmer. Sie legt die Geldscheine auf den Glastisch und zündet sich eine Zigarette an.

Ihr erstes Mal erlebt sie mit 14 Jahren

"Ich liebe meinen Job", sagt sie. "Als ich 18 Jahre alt war, habe ich überlegt, wie ich zu Geld kommen kann, ohne zu arbeiten." Damals hatte sie die entsprechenden Kontakte. Sie führten Anna an den Beruf heran.

Ihr erstes Mal erlebt Anna mit 14 Jahren mit einem Freund. "War nicht so toll. Für meinen Freund auch nicht", sagt Anna. Trotzdem ist sie verliebt. Ihren Freund sieht sie nach der Sache ein halbes Jahr nicht. Dann treffen sie wieder aufeinander. "Er war überrascht, wie verändert ich war. In dieser kurzen Zeit habe ich Erfahrungen gesammelt", berichtet Anna. Alle möglichen Erfahrungen seien das gewesen, auch Erfahrungen mit Drogen. "Über mein Leben kann man schon ein Buch schreiben", meint die junge Frau.

Anna ist 23 Jahre alt. Ihre schwarzen Haare fallen als wilde Mähne lang über ihre Schultern. Die Haut ist gebräunt. Seit zwei Jahren ist Anna Inhaberin von Beauty Dream, einem Erotik-Studio direkt im Zentrum von Rostock. Mit ihr arbeiten fünf weitere deutsche Frauen im Alter zwischen 23 und 48 Jahren. Das Lokal ist tagsüber offen.

Anna ist aufgeschlossen und spricht gerne über ihren Beruf: "Die Männer, die zu uns kommen, suchen, was sie manchmal zu Hause nicht haben: Zärtlichkeit, Abwechslung und Liebe." Die älteren Männer fühlten sich wieder fit. Sie mögen es, mit einer jüngeren Frau Sex zu haben. Die ganz jungen Männer, so Anna, suchten die Geilheit. "Es gibt Kunden, die kommen aus Bayern, Hamburg, Berlin oder aus dem Ausland ein paar Mal pro Jahr für Sex."

Natürlich gebe es auch diejenigen, die ungepflegt aussehen. Nicht jeder Kunde wird akzeptiert. Dann gibt es eine freundliche Abfuhr: "Wir können immer sagen, dass das Lokal besetzt ist." Wenn Männer kommen, die nicht gut riechen, gibt es bei Anna ein Bad mit Dusche. Die Kunden können diese nutzen, um sich frisch zu machen. Für diese Zeit müssen sie nicht bezahlen.

Meistens, sagt Anna, kommen verheiratete Männer zwischen 30 und 45 Jahren. Aber auch 20-Jährige, die erste Erfahrungen sammeln wollen. Oder Männer, die 60 Jahre und älter sind. "Männer über 60 können auch wunderbaren Sex haben", sagt Anna.

Annas Verwöhnprogramm beginnt mit einer Massage. Dann können die Kunden sich frisch machen und bekommen im Anschluss eine erotische Behandlung. Im Sommer, so die junge Frau, habe sie mehr Kundschaft als im Winter. Sie vermutet: "Vielleicht werden die Männer träge, wenn das Wetter schlechter ist."

Für das, was Anna pro Stunde verdient, müssen andere Frauen lange arbeiten. Nach Feierabend oder wenn sie frei hat, geht sie gern in die Sauna, zum Schwimmen oder auf einen Cocktail mit Freunden aus.

Nach einem halben Jahr war der Millionär weg

Kompliziert wird es, wenn Gefühle im Spiel sind. "Wenn ich verliebt bin, ist es schwer, diesen Beruf auszuüben", gesteht Anna. Als Single sei es kein Problem. Aber ein Freund habe meist Probleme damit, ihren Job zu akzeptieren. Und dann fühle es sich für sie so an, als würde sie ihren Partner ständig betrügen. Auf die Dauer sei das eine Belastung. Im vergangenen Jahr war Anna für ein paar Monate mit einem Millionär zusammen. "Es war wie in diesem Film mit Julia Roberts, ,Pretty Woman’. Von heute auf morgen reich zu sein. Es war ein Traum", sagt Anna. Gehalten hat die Beziehung nicht. Sporadisch haben die beiden noch Kontakt. Er lebt jetzt in der Schweiz. Ein bisschen fehle ihr der Luxus schon. Aber am Ende zähle nur der Mensch. Und Annas Zukunftspläne sind ganz häuslich: In zehn Jahren möchte sie heiraten und Kinder haben.

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erstellt am 31.Dez.2011 | 02:14 Uhr

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