Anleger nur unzureichend informiert

Geschlossene  Fonds  werden  beispielsweise  für  Immobilien  oder  Schiffe  angeboten. Foto: Christoph  Schmidt
Geschlossene Fonds werden beispielsweise für Immobilien oder Schiffe angeboten. Foto: Christoph Schmidt

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22. Mai 2013, 10:50 Uhr

Drei DIN-A-4 Seiten sollen reichen - leicht verständlich, kompakt und übersichtlich muss es sein. Das zumindest war die Idee des Gesetzgebers, als er die Einführung von Vermögensanlagen-Informationsblättern (VIB) beschloss. Seit Juni 2012 müssen Anbieter geschlossener Fonds diese Kurzinformationen vorlegen. Kunden erhalten sie zusätzlich zum bis zu 200 Seiten langen ausführlichen Prospekt. Doch oft seien die Anleger damit genauso schlau wie vorher, monierten die Stiftung Warentest und der Bundesverband der Verbraucherzentralen gestern. Von 24 untersuchten Informationsblättern erfüllte keines die gesetzlichen Anforderungen. Fragen und Antworten zum Thema von Burkhard Fraune.

Was sind Geschlossene Fonds?

Im vergangenen Jahr investierten diese Fonds laut Branchenverband VGF 7,38 Milliarden Euro -etwa in Immobilien, Schiffe, Flugzeuge, erneuerbare Energien oder Infrastrukturprojekte. Private Anleger steuerten 3,14 Milliarden Euro bei. Kleinkunden können sich also an Großprojekten beteiligen. 2012 investierten sie im Schnitt 25 353 Euro.

Warum wurden diese Fonds an die Leine gelegt?

Der Markt unterlag lange - außer einer Prospekthaftung - keiner wirklichen staatlichen Kontrolle. Als teilregulierte Anlagemodelle gehörten Geschlossene Fonds daher auch zum "Grauen Kapitalmarkt". Die Finanzaufsicht Bafin prüft seit 2005 Verkaufsprospekte, von Juli 2013 an unterliegen Fonds einer einheitlichen Regulierung.

Was sollen Informationsblätter enthalten?

Neben dem ausführlichen Verkaufsprospekt müssen Anbieter auch ein Vermögensanlagen-Informationsblatt erstellen. Kunden sollen die Art der Anlage, die Anlagestrategie, Risiken und Kosten einschätzen können. Es soll auch den Hinweis enthalten, dass dieses Blatt nicht von der Aufsicht geprüft wird und der Anleger den gesamten Verkaufsprospekt lesen sollte, bevor er sein Geld investiert.

Was kritisieren Verbraucherschützer?

Oft seien die Risiken von Vermögensanlagen - in der Mehrzahl Geschlossene Fonds - nur vage beschrieben, vieles bleibe allgemein oder versinke in juristischen Floskeln, kritisiert Studienleiter Stephan Kühlenz von der Stiftung Warentest. "Wenn bereits die Kurzinformation mangelhaft ist, wird es um die Qualität der angebotenen Produkte kaum besser stehen", argwöhnt die Anlageexpertin der Verbraucherzentralen, Dorothea Mohn.

Kommt die Kritik überraschend?

Nein. Streit über unzureichende Informationen gibt es regelmäßig. Das monierte "VIB" ist nur ein Beispiel. Ob beim Beratungsprotokoll, bei EU-Vorgaben für ein "KID" ("Key-Investor-Information-Document"), dem "Beipackzettel" oder Produktinformationsblatt "PIB": Zu bürokratisch, klagt die Wirtschaft, Verbraucherschützer wollen einheitliche Standards.
VIBs, KIDs oder PIBs - wer blickt da noch durch?

Kunden dürften genervt sein angesichts der Zettelwirtschaft. Die EU lotet gemeinsame Standards für Finanzprodukte aus - quasi als europäische Antwort auf den "Beipackzettel" und das "VIB": Die angestrebte EU-Vorgabe verbirgt sich hinter "PRIPs" - der Abkürzung für "Packaged Retail Investment Products".

Wer besitzt Fondsanteile?

Anders als Aktien- oder Rentenfonds dürfte nur ein kleiner Teil der Deutschen diese Vermögensanlagen besitzen. Knapp 195 Milliarden Euro stecken nach Branchenangaben in Geschlossenen Fonds - bei einem von der Bundesbank ermittelten Geldvermögen von mehr als 4939 Milliarden Euro. "Wir reden über ein Produkt für Vermögende", erklärt VGF-Hauptgeschäftsführer Eric Romba. Verbraucherschützerin Mohn meint, für 99 Prozent der Anleger seien Geschlossene Fonds ungeeignet, weil ein Totalverlust möglich sei.

Was sollten Anleger tun?

"Kaufen Sie nichts, wenn Sie nicht verstanden haben", wiederholt Studienleiter Kühlenz eine einfache und doch oft vergessene Empfehlung. Die Informationsblätter ersparen es dem Anleger nicht, den Verkaufsprospekt zu lesen: "Rechtlich gesehen ist allein der Prospekt die Grundlage für die Anlageentscheidung", sagt Romba.

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