Winterdienst : Angst vor dem Solesprüher

Erstmals im Einsatz: „Die neue Sprühtechnik ist nicht gefährlich“, meint Technikchef Holger Kasdorf.
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Erstmals im Einsatz: „Die neue Sprühtechnik ist nicht gefährlich“, meint Technikchef Holger Kasdorf.

Erstmals eingesetzte neue Winterdiensttechnik auf Autobahnen sorgt für Verunsicherung.

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28. Februar 2018, 05:00 Uhr

Ratlosigkeit bei Straßenwärtern in Mecklenburg-Vorpommern: Eigentlich machen sie nur ihren Job – seit Monaten 24-Stunden-Einsatzbereitschaft, bei jedem Wetter. Seit Schnee oder gefrierender Regen das Straßennetz überziehen, versuchen sie auf landesweit 1935 Kilometern Bundes-, 3357 Kilometern Landes-, 1250 Kilometern Kreisstraße sowie 568 Kilometern Bundesautobahnen den Verkehr am Laufen zu halten. Routinearbeit im Winterdienst. Mit 200 Fahrzeugen sind die Straßenwärter landesweit seit Wochen im Einsatz. Doch in dieser Saison machen Autofahrer ihrem Ärger über den Einsatz der orangen Winterdienstwagen immer öfter mit Lichtzeichen und Drohgebärden gegenüber den Straßenwärtern Luft. Eine erstmals auf Abschnitten der Autobahnen 14, 19 und 24 eingesetzte neue Sprühtechnik sorgt regelmäßig für Angst am Lenkrad. Ohne Not.

Dabei sieht er ganz harmlos aus, der neue Solesprühwagen „Straliqu“ – im gewohnten Straßenbauerorange gut als Winterdienstfahrzeug gekennzeichnet. Zwei Fahrzeuge sind seit dem Beginn der Winterdienstsaison in zwei der sieben Autobahnmeistereien in MV in Fahrbinde in Westmecklenburg und Kavelstorf südlich von Rostock im Einsatz. Doch die Heckansicht des insgesamt 18 Meter langen Fahrzeugzuges beunruhige Autofahrer derart, dass einige immer wieder „plötzlich stark in die Bremse gehen und eine Vollbremsung machen“, beobachtete Holger Kasdorf in den vergangenen Monaten – mit allen Gefahren für den folgenden Verkehr. Statt der vertrauten Ansicht eines Winterdienstfahrzeuges mit Tellerstreuer und Salzschacht am Heck sorge offenbar der Düsenbalken am Solesprüher für Verwirrung, erzählt der Technikchef der Autobahnmeisterei Fahrbinde an der A24. Dabei sei das Verfahren schon seit 2009 im Einsatz – allerdings in Kombination mit einem Tellerstreuer. Die neuen Fahrzeuge aber würden sich optisch von einem normalen Wintereinsatzfahrzeug unterscheiden, streuten auch kein Salz, sondern sprühten Sole auf die Fahrbahnen. Manch ein Autofahrer lässt der Anblick eher an einen Güllebomber denken. Einige glaubten offenbar sogar, auf frostigen Straßen würde vom Winterdienst Wasser ausgebracht. Immer wieder würden sich Fahrer nicht mehr trauen, den Solesprüher zu überholen, erklärte Kasdorf: „Die fahren auf der Autobahn kilometerlang bei 50 Stundenkilometer hinter den Einsatzfahrzeugen her.“ Die Verunsicherung ist groß: Grund genug für eine offizielle Entwarnung der Straßenbauverwaltung. Das Verfahren, dass bei Temperaturen von bis zu sechs Grad Minus eingesetzt werde, sei sicher: „Wenn die rechte Seitenscheibe des Wagens geschlossen bleibt, kann nichts passieren“, erklärte Kasdorf: „Das Verfahren ist nicht gefährlich.“

Stress im Winterdienst, Entspannung am Straßenrand: Der Einsatz der neuen Technik überzeugt zumindest die Fachleute. „Besser geht es nicht“, meinte Kasdorf nach den ersten Einsatzmonaten. Die Sole mit einem Salzgehalt von lediglich 22 Prozent wirke besser und schütze länger vor gefrorenen Straßen. Vor allem aber sei der Einsatz umweltfreundlicher als der Winterdienst mit Salz. Für die herkömmliche Streumethode sei etwa die dreifache Menge Salz notwendig.

Umweltschützer wird es freuen. Der massive Einsatz von Streusalz hatte in der Vergangenheit immer wieder zu Kritik geführt. Der Bund für Umwelt und Natur (BUND) sah vor allem die Alleebäume entlang der Straßen im Land in Gefahr. Inzwischen setzen aber auch zwei Straßenmeisterein die neue Sprühtechnik auf Landesstraßen ein – in Consrade nahe Schwerin und Martensdorf nahe Stralsund – zum Test, teilte das Verkehrsministerium mit. Auf den Autobahnen hingegen sollen in den kommenden zwei Jahren die neuen Solesprüher flächendeckend in MV zum Einsatz kommen.

Wetteraussicchten:

Kurz vor dem meteorologischen Frühlingsanfang hat der Winter den Nordosten Deutschlands fest in den Griff genommen. Bei Nachttemperaturen um bis zu minus 15 Grad und mit reichlich Neuschnee legte Väterchen Frost an der Ostseeküste nochmals eine Schippe drauf. Auch in den kommenden Tagen soll es frostig bleiben. Ursache für die schauerartigen Schneefälle in den vergangenen Tagen war der sogenannte Lake-Effekt, bei dem kalte Luft über die wärmere Ostsee geströmt ist und Feuchtigkeit aufgenommen hat. Vor allem in Küstennähe ist es dann zu intensiven Schneefällen gekommen.„Die Schneefälle sind so gut wie durch“, sagte Meteorologe Stefan Kreibohm. In den nächsten Tagen werde es überwiegend sonnig, nur auf Rügen könnten weiter Wolken von der Ostsee hereinziehen. Größter Risikofaktor bleibt der Wind.

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