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Marktpläne in Wittenburg : Angst vor dem Outlet-Center

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Das von einem holländischen Immobilienfonds im Umfeld des Wittenburger Alpincenters geplante großflächige Outlet-Center mit 90 bis 120 Geschäften steht schon vor dem Projektstart auf wackligen Füßen.

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erstellt am 14.Nov.2011 | 08:45 Uhr

Wittenburg | Einkaufsspaß kontra Landesplanung: Das von einem holländischen Immobilienfonds im Umfeld des Wittenburger Alpincenters geplante großflächige Outlet-Center mit 90 bis 120 Geschäften und einer maximalen Verkaufsfläche von 12 800 Quadratmetern steht schon vor dem Projektstart auf wackligen Füßen. Das Zentrum in der Provinz könnte den innerstädtischen Einzelhandel im nahen Schwerin in große Schwierigkeiten bringen, steht Dirk Böckenholt, Chef des Einzelhandelsverbandes Nordost, dem Projekt kritisch gegenüber. Nach der Landesplanung dürften in MV Verkaufsflächen mit mehr als 5000 Quadratmetern nur noch in oberen Mittelzentren entstehen. Dazu gehöre Wittenburg aber nicht, meinte Böckenholt.

Die Planungen für ein Outlet-Center in Wittenburg sind nicht neu. Seit den 1990er-Jahren versuchten verschiedene Investoren am Standort großflächigen Direktverkauf einzurichten - bislang vergebens. Schon damals lief der Einzelhandel gegen den Fabrikabsatz am der grünen Wiese Sturm - aus Angst vor den Auswirkungen auf die Innenstädte. An den Voraussetzungen hat sich wenig geändert, meint Böckenholt noch heute.

Kunden kommen aus Hamburg und Berlin

Die Gefahren sieht Mark Peter nicht. Ein Outlet-Center in Wittenburg hätte "überregionale Ausstrahlung", meint der Hamburger Architekt, der im Auftrag der holländischen Investoren die Planungen vorantreibt. Untersuchungen zufolge würden Kunden für solch ein Center Fahrten von zweieinhalb Autostunden in Kauf nehmen. Der Einzugsbereich reiche bis nach Hamburg und Berlin, so Peter. Ein Outletcenter sei kein"klassischer Einzelhandel" und ziehe andere Verbraucher an, als in den Innenstädten. "Das sind nicht die klassischen Kunden, die Artikel des Alltagsbedarfs kaufen, sondern Kunden, die nach Schnäppchen suchen", meint der Chefplaner. Auch grenze man sich im Sortiment vom Innenstadthandel ab. Zum Verkauf stünden Artikel der letzten Saison, B-Waren und Restposten.

Peters Argumente gleichen denen der Investoren vor ihm. Und doch scheinen die niederländischen Investoren auf die Kritiker zuzugehen. Kern des Standortes bleibe die Wittenburger Skihalle und ein geplanter Ferienpark, erklärte Peter. Auch wolle man sich auf 12 000 Quadratmeter begrenzen - eine "machbare Größe", die als "Signal" verstanden werden solle, sich auf ein "moderates" für "alle annehmbares" Outletcenter zu einigen. Derzeit bereite man ein Raumordnungsverfahren vor, in das alle Beteiligten einbezogen werden sollen. Nach den Planungen der letzten Jahre waren jeweils mehrere zehntausend Quadratmeter Verkaufsfläche vorgesehen gewesen.

Großflächiger Handel auf Städte konzentrieren

Trotz der abgespeckten Centerversion stehen die neuen Planungen in Wittenburg vor großen Hürden. So legt das 2005 aufgelegte Landesentwicklungsprogramm in MV fest, das großflächiger Einzelhandel vor allem in den Innenstädten konzentriert werden soll. Zudem dürfte es der oberste Raumplaner, Landesentwicklungsminister Volker Schlotmann (SPD), schwer haben, Ausnahmen zuzulassen. Sein Haus ließ z. B. die geplante Erweiterung des Strelaparks bei Stralsund durchfallen. Großflächiger Einzelhandel müsse auf die Innenstädte konzentriert bleiben, hatte er vor einem halben Jahr das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig gegen die Erweiterung des Einkaufszentrums begrüßt. Schlotmann: "Wir wollen lebendige Innenstädte, die Einheimische und Touristen zum Einkaufen und Bummeln einladen. Das ist nur möglich, wenn wir es den Händlern in der Innenstadt nicht durch Konkurrenz auf der grünen Wiese unnötig schwer machen." Die Wittenburger Entscheidung bleibt abzuwarten. Innerhalb des Raumordnungsverfahrens würden die Auswirkungen auf den Handel in den umliegenden Innenstädten geprüft, ließ Schlotmann jetzt mitteilen.

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