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Zuversichtsstudie : Angst? Ja – aber nicht wegen der Krise

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Erkenntnisse der Marktforschung: Das Konsumklima in Deutschland bleibt stabil. Die Erwartungen der Bürger an die konjunkturelle Entwicklung sind gestiegen. Konsumenten rechnen mit mehr Geld im Portemonnaie.

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erstellt am 21.Dez.2011 | 09:43 Uhr

Schuldenkrise, Konjunkturrisiken, Rezessionsängste – die Verbraucher lassen sich von den täglichen Hiobsbotschaften nicht beeindrucken: Das Konsumklima in Deutschland bleibt stabil. Zum ersten Mal seit fünf Monaten sind zudem die Erwartungen der Bürger an die konjunkturelle Entwicklung gestiegen. Dementsprechend rechnen die Konsumenten auch mit mehr Geld im eigenen Portemonnaie, wie das Marktforschungsunternehmen GfK gestern in Nürnberg mitteilte. Mit guter Laune durch die Wirtschaftskatastrophe?

Die Erkenntnisse der Marktforscher decken sich mit den Ergebnissen der ebenfalls gestern präsentierten „Zuversichtsstudie“. Kernbotschaft: Für die Wirtschaft sehen die Bundesbürger schwarz, ihre persönliche Zukunft erscheint ihnen dagegen rosig.

Diese Schere im Kopf gibt es zwar schon seit Längerem, sie hat sich im Zuge der Krise im vergangenen Jahr aber noch geweitet, wie aus der Studie der Allianz und der Universität Hohenheim hervorgeht. Auch regional ist der Optimismus höchst unterschiedlich ausgeprägt. Während Bayern und Niedersachsen die beste Stimmung haben, blicken Ostdeutsche besonders sorgenvoll ins neue Jahr.

Die Gesamtsituation im nächsten Jahr sehen der Studie zufolge lediglich 28 Prozent der Deutschen zuversichtlich. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 34 Prozent. Der Wert für die deutsche Wirtschaft fiel sogar um elf Punkte. Die Einschätzung der Wirtschaft überdeckt dabei alle anderen fünf Bereiche, nach denen die Wissenschaftler fragen, wie die Qualität der Schulen oder den Umweltschutz. Auffallend ist der jähe Absturz der Wirtschaftsstimmung seit dem Sommer. Im Juli bewerteten noch 56 Prozent der Befragten die wirtschaftliche Lage Deutschlands zuversichtlich. Mit den Nachrichten über die Eurokrise, den Turbulenzen an den Börsen und sinkenden Prognosen für 2012 sank auch die Zuversicht enorm.

Aber: Ganz anders bewerten die Befragten dagegen ihre persönliche Zukunft. 63 Prozent bezeichnen sich als zuversichtlich, im vergangenen Jahr waren es erst 59 Prozent. Die Bundesbürger fühlen sich offenbar persönlich von der Schuldenkrise noch nicht bedroht.

Wenn es um das eigene Zuhause und die eigenen Angehörigen geht, sind mehr als zwei Drittel bis vier Fünftel der Befragten guter Dinge. Obwohl Fernsehen, Zeitungen und Internetportale vor schlechten Neuigkeiten über den Euro und die Schuldensituation strotzen, haben die Befragten deutlich weniger Angst um ihren Job und ihre Altersvorsorge als im Vorjahr. Auch die persönliche finanzielle Lage sehen sie im Schnitt positiver.

„Die Hoffnung, dass sich das eigene Leben im nächsten Jahr positiv entwickelt, gründet wesentlich darauf, dass im realen Alltag der Job weiterhin sicher ist“ sagte Frank Brettschneider, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Uni Hohenheim. Martina Kieß von der Allianz erklärte den auffallenden Unterschied bei der Lagebeurteilung damit, dass unüberschaubare Situationen die Zuversicht sinken ließen. Im Privaten seien die Menschen nicht von Institutionen abhängig, sondern selbstbestimmt. „Was konkret erfahrbar ist, stimmt zuversichtlich“, sagte sie.

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