MEK-Einsatz in Lutheran : Angeschossen und angeklagt

Das Geschoss hat die Scheibe des Dogde zerschlagen.
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Das Geschoss hat die Scheibe des Dogde zerschlagen.

Missglückter MEK-Einsatz: Schwer verletztem Fahrer droht Gerichtsprozess

svz.de von
31. August 2016, 20:55 Uhr

Der Zugriff der Elitepolizisten vor der Fleischerei in Lutheran (Landkreis Ludwigslust-Parchim) dauerte nur wenige Sekunden: Fahrzeuge eines mobilen Einsatzkommandos (MEK) aus Hamburg keilten den schwarzen Geländewagen ein. Vermummte Beamte stürmten heran. Sie gaben zwei Warnschüsse ab. Ein dritter Schuss wurde gezielt auf den Fahrer des Jeeps abgegeben. Die Kugel traf seinen Kopf , er verlor sein rechtes Auge. Nach dem Zugriff stellte sich heraus: Die Beamten hatten den falschen Mann im Visier. In dem Wagen saß nicht die gesuchte Rotlichtgröße Nico S., sondern David A.

„Es geht ihm nach wie vor schlecht und er ist psychsich am Ende “, sagt sein Anwalt Benjamin Richert. Sein Mandant fühle sich ungerecht behandelt. Ein halbes Jahr nach dem Vorfall hat die Staatsanwaltschaft in Schwerin nämlich gegen den 27-Jährigen Anklage erhoben. Sie wirft David A. gefährliche Körperverletzung, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor. Die Ermittlungen gegen den Schützen wegen Körperverletzung im Amt wurden eingestellt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass David A. mit seinem Wagen eine Sperre aus Zivilfahrzeugen der Polizei durchbrechen wollte und dabei einen Beamten des MEK verletzte.

Der 27-Jährige soll demnach beim Zugriff der Polizei den Jeep stark beschleunigt und ein Einsatzfahrzeug vor sich gerammt haben. Ein Polizeibeamter vor diesem Fahrzeug sei von dem Wagen erfasst und am Knie verletzt worden. Ein anderer Polizist habe zunächst zwei Warnschüsse abgegeben, ein dritter schließlich „in Nothilfe“ auf David A. geschossen haben. Er hat nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Schwerin rechtmäßig gehandelt. Anwalt Benjamin Richert kritisierte die Auffassung der Staatsanwaltschaft dagegen als äußerst einseitig. „Die Aussage meines Mandanten wurde völlig außer Acht gelassen“, sagte Richert. Dem 27-Jährigen werde unterstellt, er habe die Polizeikräfte erkannt und trotzdem einen Fluchtversuch unternommen. „Das ist sehr zynisch“, sagte Richert. Als die vermummten Polizisten auftauchten „hat er einfach Angst um sein Leben gehabt. Er dachte, er wird überfallen und hat reflexhaft gehandelt“, so der Anwalt. Die Beamten seien als solche gar nicht zu erkennen gewesen. „Die haben Lederjacken und Sturmhauben getragen. Auf den Einsatzwagen waren keine Blaulichter.“ Die Polizei sei aber verpflichtet, sich hinreichend zu erkennen zu geben.

Die Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe zurück. Die Einsatzkräfte hätten laut „Polizei , nicht bewegen“ gerufen. Einer der Beamten habe eine Sturmhaube mit Polizeiaufdruck getragen. „Er hatte Blickkontakt mit dem Fahrer“, erklärte eine Sprecherin. Dieses Detail kennt auch Anwalt Richert. „Der Aufdruck befand sich aber hinten auf der Sturmhaube.“ Er hat auch ein Foto davon.

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