Stralsund : Angelverbot auf dem Rügendamm

Kontrolle: Jörg von Malten und Matthias Niklas sprechen mit dem Angler Ulli Rüper.
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Kontrolle: Jörg von Malten und Matthias Niklas sprechen mit dem Angler Ulli Rüper.

Der Strelasund gilt als eines der beliebtesten Heringsangelreviere – doch die Wasserschutzpolizei greift durch

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31. März 2018, 05:00 Uhr

Es ist kalt, es ist windig, der Strelasund mit knapp drei Grad Wassertemperatur für die großen Heringsschwärme noch zu kalt. Dennoch versuchen bereits einige Angler in Booten und vom Rand des Rügendamms und der Rügenbrücke ihr Anglerglück.

Polizeioberkommissar Jörg von Malten steuert das Streifenboot „Ummanz“ in Richtung eines kleinen Mietbootes, das im Windschatten der Insel Rügen liegt. Drei Männer aus dem brandenburgischen Neuruppin halten die jeweils mit fünf Haken bestückten Paternosterangeln seit zwei Stunden ins Wasser – bislang ohne Erfolg.

Das Polizeischiff legt sich neben das 5-Meter-Boot. Die Stimmung an Bord ist aufgeräumt. „Wir werden hier jedes Jahr kontrolliert“, sagt Angler Jörg Maaß. Polizeiobermeister Matthias Niklas lässt sich Papiere und Ausrüstung zeigen. Einer der Neuruppiner Angler hat die 2018 fällige Fischereiabgabe nicht gezahlt. Die Marke fehlt. Zähneknirschend zahlt er ein Verwarngeld von 15 Euro.

Seit am 23. März die Heringssaison auf dem Strelasund begann, hat die Wasserschutzpolizei bereits 42 Verstöße registriert: fehlende Fischereischeine, fehlende Nachweise über die Fischereiabgabe, Angeln in der Fahrrinne, Angeln in der Anker-und Fischereisperrzone unter Rügenbrücke und Rügendamm, fehlende Ankerbälle – die Liste der möglichen Verstöße ist lang. Nun kommt noch die Angelwurfbegrenzung dazu, die das Land für 174 000 Euro auf dem Rügendamm errichten ließ, um damit die Verkehrssicherheit auf der Straße zu erhöhen. Ist das Angeln vom Damm nun erlaubt, geduldet oder verboten? Der aus Niedersachsen kommende Angler Dirk Grape findet die widersprüchlichen Ansagen von Landes- und Bundesbehörden „ziemlich verwirrend und unklar“.

Während das Land auf dem Rügendamm Mitte März die Wurfbegrenzung installieren sowie Angelverbotsschilder abmontieren ließ und damit den Anglern signalisierte, dass ihr Hobby dort weiter wie in den Vorjahren geduldet werde, pocht das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) auf eine strikte Einhaltung des Verbots. Als Vollzugsbehörde des WSA will die Wasserschutzpolizei nun harte Linie zeigen und streng kontrollieren.

Dass das Land den teuren Metallholm errichten ließ, ist für die Ordnungshüter schwer nachvollziehbar. „Das könnte ein Fall für das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes werden“, ahnt Inspektionsleiter Fredi Ewert. Die Rechtslage sei klar. Angeln auf Brücken verstößt nicht nur gegen das Straßenwegegesetz des Landes, sondern auch gegen die Seeschifffahrtsstraßenordnung des Bundes. Unter der Brücke verläuft nicht nur die Fahrrinne, dort liegen auch Seekabel, die durch die Haken beschädigt werden könnten. Eine Sondernutzung der Brücke – die durch die Straßenverkehrsbehörden genehmigt werden müsse – sei nie beantragt worden, sagt Ewert.

Ein eisiger Ostwind weht über den Damm und hat die Angler in die geschützten Bereiche an die seitlichen Brückenfüße vertrieben. Sie müssen aufpassen, dass die Ruten nicht in den Fischereisperrbezirk reichen – kein Schild weist dort darauf hin, wo der Angelverbotsbereich beginnt. Die Wasserschutzpolizei spricht Platzverweise ohne Verwarngeld aus, denen die Angler brav folgen.

Wird sich das Wetter bessern, könnten – in alter Gewohnheit – wieder mehr Angler auf den Rügendamm strömen. Die Wasserschutzpolizei kündigt harte Kontrollen an. Zunächst würden Platzverweise ausgesprochen, im Wiederholungsfall drohten Verwarngelder in Höhe von 20 Euro, dann Bußgelder von 100 Euro, sagt Inspektionsleiter Ewert.

In einem Gespräch am Dienstag mit Vertretern des Landesanglerverbandes, der Stadt Stralsund und der Wasserschutzpolizei hatte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt nochmals das bestehende Verbot bekräftigt.

Der Landesanglerverband wirft der Bundesbehörde „Hartleibigkeit“ vor.

Die Wirksamkeit der teuren Wurfbegrenzung, die zur Einschränkung der Angelaktivität und zum Schutz der Verkehrsteilnehmer auf dem Rügendamm errichtet wurde, sollte zumindest einmal in dieser Saison getestet werden, ist der Chef des Landesanglerverbandes, Axel Pipping überzeugt. Mit dem Vorschlag, ein vierwöchiges Zeitfenster zum Angeln von der Brücke zu eröffnen, konnte er sich nicht durchsetzen. Inzwischen hat der Verband auf seiner Homepage eine Information veröffentlicht, die die Rechtssituation erläutert.

Das Verkehrsministerium verteidigte den Aufbau der Angelwurfbegrenzung. Es sei schwer vorstellbar, dass es gelinge, 24 Stunden am Tag das Angeln zu unterbinden, sagte Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Um Angler am weiten Auswerfen zu hindern, müsse die Begrenzung installiert bleiben.

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