Stralsund : Angelverbot auf dem Rügendamm

Ausgefischt: Heringsangeln auf dem Rügendamm ist ab heute nicht mehr erlaubt.
Foto:
Ausgefischt: Heringsangeln auf dem Rügendamm ist ab heute nicht mehr erlaubt.

Heringe auf der Windschutzscheibe, Angelhaken an der Dachreling: Das Verkehrsministerium zieht nun in Stralsund die Notbremse

svz.de von
12. April 2017, 20:55 Uhr

Gesine Gertler aus Sachsen-Anhalt ist empört. „Ein Angelverbot auf dem Rügendamm? Das kann doch nicht sein“, schimpft die 54-Jährige, während sie ihre mit Bleien beschwerte Paternosterleine vom Rügendamm in den Strelasund auswirft.Neun Heringe hat sie an diesem verregneten Mittwoch bereits gefangen und es sollen noch mehr werden. Die Anfahrt müsse sich ja lohnen, sagt sie. Der Rügendamm, der Stralsund mit der Insel Rügen verbindet, gilt unter Petrijüngern als eines der erfolgsträchtigsten Heringsreviere. Nun hat das Verkehrsministerium ein sofortiges Angelverbot verhängt - und das mitten in der Heringssaison.

An sonnigen Tagen im Frühjahr stehen meistens mehrere hundert Angler dicht gedrängt auf dem Damm, um Jagd auf die Heringe zu machen. Dabei haben wohl einige Angler ihre mit mehreren Haken bestückten Ruten zu weit ausgeholt. Der Leiter des Straßenbauamtes in Stralsund, Ralf Sendrowski, öffnet eine Kiste. „Das sind Haken, Bleie, Schnüre, die wir allein in den vergangenen sechs Wochen auf der parallel verlaufenden, 80 Meter entfernten Rügenbrücke aufgesammelt haben.“ In der vergangenen Woche ging im Ministerium dann noch eine Beschwerde eines Autofahrers ein. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Der Autofahrer habe von Schäden an seinem Fahrzeug berichtet, weil sich ein Haken in der Dachreling verfangen hatte.„Wir mussten aus Gründen der Verkehrssicherheit sofort reagieren“, sagt Ministeriumssprecherin Renate Gundlach.

Angler werden seit 2010 mit Hinweisen auf Schildern am Rügendamm und mit Informationsblättern darauf aufmerksam gemacht, dass sie Auto- und Radfahrer nicht gefährden sollen. Auf dem Rügendamm, direkt hinter den Anglern, passiere es häufiger, dass Autos von Haken getroffen werden. „Auch ich hatte schon einen Hering auf der Windschutzscheibe“, berichtet Sendrowski. Dort setzte man bislang aber auch auf die Weitsicht der Autofahrer, die langsamer fahren, wenn viele Angler auf der Brücke stehen. Doch dass inzwischen Autos auf der parallelen Rügenbrücke getroffen werden, habe eine neue Qualität. Man stelle sich nur vor, dass dort ein Motorradfahrer unterwegs sei, sagt Gundlach.

Das Angelverbot auf dem Rügendamm gilt von heute an. Der Landesanglerverband wurde vorab informiert. „Wir sind natürlich traurig“, sagt Verbandssprecherin Claudia Thürmer. „Es ist schade, wenn einige wenige Menschen den vielen rücksichtsvollen Anglern das Angelvergnügen vermiesen.“ Der Verband verstehe aber, dass eingegriffen werden müsse, argumentiert Thürmer. Im kommenden Jahr könnte der Rügendamm – so die Prognose des Verkehrsministeriums – wieder für die Herings- und Hornfischangelei geöffnet werden. Bis dahin soll eine „bauliche Schutzvorrichtung“ montiert werden, damit Angler beim Wurf nicht mehr so weit ausholen.

Martina Rathke

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen