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Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 05:17 Uhr

Angelausflug mit tödlichem Ausgang

vom

svz.de von
erstellt am 24.Apr.2013 | 07:33 Uhr

Grevesmühlen | Es sollte ein entspannter Angelausflug werden. Es wurde ein Alptraum. Christian klingen noch immer die Hilferufe seines Vaters im Ohr. Und Andreas, der den Ertrinkenden durch die Wellen der Wohlenberger Wiek ans Ufer retten wollte, hat den sterbenden Freund oft vor Augen. Drei Männer aus Berlin, erprobte Petrijünger vom Müggelsee, auch mit Ostsee-Erfahrung. Keine blutigen Anfänger also, die sich im Juli vorigen Jahres von einer Surf- und Segelschule das Ruderboot mit 4-PS-Motor ausliehen. Die Schwimmwesten im Boot verstaut, den dringenden Rat des Bootsverleihers im Ohr, ja nicht aufs offene Meer zu fahren. Den Rat beherzigten sie auch. Gut zwei Stunden wartete das Trio in der Bucht vergebens auf Fisch, als der Wind allmählich auffrischte. Ablandiger Wind, der bald hohe Wellen vor sich hertrieb. Wasser schwappte ins Boot. Die Angler beschlossen, ans Ufer zurückzukehren. Doch dann ging offenbar alles ganz schnell. "Das Wasser kam von allen Seiten", erinnerten sich Christian, der Sohn, und Andreas, der Freund des Toten, gestern unisono als Zeugen vor dem Amtsgericht Grevesmühlen. Der Kahn kenterte im Handumdrehen. "Dann war das Boot erstmal weg", sagt Andreas, heute 47 Jahre alt. Alle drei versuchen, an Land zu schwimmen. Christian, der jüngste, wie ein "Irrer" voraus, um Hilfe zu holen. Sein Vater Thomas schafft es nicht. Andreas hatte noch vergebens versucht, seinem Kumpel zu helfen, als den die Kräfte verließen. Gut 200 Meter vom Ufer entfernt, vielleicht schon mit Grund unter den Füßen, ertrinkt Thomas in der Wohlenberger Wiek.

Seit diesem tragischen Ereignis steht die Frage im Raum: Wer trägt Schuld am Tod des 49-jährigen Familienvaters? Der Bootsverleiher? Die Staatsanwaltschaft jedenfalls wirft dem 36-jährigen Besitzer der Surfschule fahrlässige Tötung vor. Das Ruderboot vom Typ "Anker" sei nicht Ostsee-tauglich und hätte nicht an die drei Angler vermietet werden dürfen.

"Das hat mein Mandant auch nicht getan. Er war gar nicht da", sagt der Verteidiger und löst damit Verblüffung aus. "Das ist mir neu", sagt Richter Hinrich Dimpker. Der Angeklagte war von der Polizei vernommen worden und hatte offenbar zuvor kein Wort davon gesagt. "Haben Sie von ihm das Boot geliehen?", fragt der Richter die beiden Berliner nacheinander. "Ich bin relativ sicher", sagt der 19-jährige Christian vage. "Na lange Haare hatte der och", sagt Andreas. Die hat offenbar auch ein Mitarbeiter der Segelschule, dessen Foto der Verteidiger vorlegt. Ein unerwarteter Zeuge, der nun an einem neuen Termin gehört werden soll.

"Warum hatten Sie die Schwimmwesten nicht an?", will der Richter wissen. "Die störten irgendwie", so die Zeugen. Ob sie Thomas das Leben gerettet hätten? "Es waren keine Rettungswesten", wirft der Dekra-Gutachter ein. Rettungswesten halten den Kopf auch bei Ohnmacht über Wasser. Schwimmwesten nicht. "Aber sie wären eine große Hilfe gewesen", vermutet der Rostocker Gerichtsmediziner Professor Andreas Büttner, der Ertrinken als Todesursache angibt. Alkohol sei nicht im Spiel gewesen, wohl aber eine Verkettung unglücklicher Umstände. So habe der gut 100 kg schwere Mann eine Lungenentzündung gehabt, die er offenbar noch gar nicht bemerkt hatte und die ihm Kraft raubte. Dazu relativ schwere Kleidung, ein voller Magen. Ob der Betreiber der Segelschule verurteilt wird, soll sich Mitte Mai herausstellen. Dann werden noch vier Zeugen gehört.

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