Ehefrau auf Rügen erstochen : Angeklagter will Todesstrafe

Mit Fußfesseln kommt der Angeklagte Mohamad A. gestern in den Sitzungssaal des Landgerichts Stralsund.
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Mit Fußfesseln kommt der Angeklagte Mohamad A. gestern in den Sitzungssaal des Landgerichts Stralsund.

54-Jähriger soll seine Ehefrau erstochen haben. Im Falle einer Verurteilung wünscht er sich ein „gutes Urteil“

svz.de von
15. Mai 2017, 20:50 Uhr

Ein alter Mann betritt den Gerichtssaal: Sein Rücken ist gebeugt, die Haare grau, der Schritt schlurfend – nicht nur, weil er Fußfesseln trägt. Mohamed A. ist 54 Jahre alt – angeklagt, seine Ehefrau in Bergen auf der Insel Rügen mit einem Küchenmesser erstochen zu haben. Bis zur Tat am Morgen des 23. November 2016 glaubte eine Nachbarin, er wäre der Vater der 41-jährigen Getöteten.

Seit gestern muss sich der Syrer nun vor dem Stralsunder Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor. Er soll seine ebenfalls aus Syrien stammende Frau mit acht Messerstichen getötet haben. Wie der Staatsanwalt vortrug, ist die Frau, nachdem sie mit Stichen in die Brust- und Bauchhöhle lebensgefährlich verletzt worden sei, noch auf die Straße geflüchtet, wo sie ihren Verletzungen erlag. Der Mann wurde dort mit dem Messer in der Hand festgenommen.

Im August 2014 war das Ehepaar mit seinen zwei minderjährigen Kindern nach Deutschland geflüchtet. Auf Wunsch seiner Frau habe er Haus und Auto in Syrien verkauft. „Wir wollten, dass die Kinder in die Schule gehen können“, benennt er die Beweggründe der Flucht. Während seine Frau und die Kinder sich auf das Leben in Deutschland einstellten, machte sich bei ihm eine große Fassungslosigkeit und zunehmende Eifersucht breit. Er habe nicht verstanden, dass seine Kinder ein zunehmend selbstständiges Leben in Deutschland führen wollten und dabei von seiner Frau unterstützt wurden. „Ich hatte das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu sein.“ Deshalb sei es in der Vergangenheit zwischen ihm und seiner Frau mehrfach zu Auseinandersetzungen gekommen. Eigentlich, so sagt er, habe er Syrien nur verlassen, um seine Frau zu behalten.

Die Beweislage scheint eindeutig, auch wenn der Mann die Tat am ersten Prozesstag nur indirekt einräumt. Der 54-Jährige gab an, zuvor mit seiner Frau in der Wohnung in Streit geraten zu sein, nachdem diese ihm angedroht hatte, ihn zu verlassen. Im Streit sei er in die Küche gegangen und habe ein Messer geholt. Auf die Frage, wer seine Frau getötet habe, sagte er ausweichend: „Ich war allein mit ihr in der Wohnung.“ Es sei doch eindeutig, was dort passiert sei. Erinnern könne er sich an den Ablauf jedoch nicht mehr. Vom Gericht forderte er im Falle einer Verurteilung ein „gutes Urteil“. Er wolle die Todesstrafe haben. „Wenn ich mich weiter daran erinnere, sterbe ich jeden Tag mehrere Tode“, begründete er seine Forderung. Die Richterin – sichtbar bestürzt von dieser Aussage – erklärte ihm, dass es in Deutschland zum Glück keine Todesstrafe gebe. „Ich wäre nicht Richterin, wenn wir die Todesstrafe hätten“, sagte sie. Der Prozess wird heute fortgesetzt.  

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