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Schweriner Laufhallen-Brand : Angeklagter schweigt zum Tatvorwurf

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Gut ein Jahr nach dem verheerenden Brand der Laufhalle im Schweriner Olympiastützpunkt hat der Prozess gegen einen 22-Jährigen aus Schwerin begonnen. Dem Angeklagten wird schwere Brandstiftung zur Last gelegt.

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2013 | 05:57 Uhr

Schwerin | Flammen schlugen hoch in den Himmel. Die Rauch geschwängerte Luft nahm Beobachtern schier den Atem. Binnen sieben Minuten war die Feuerwehr am Brandort. Doch retten konnte sie das Gebäude nicht mehr. Die Laufhalle im Schweriner Olympiastützpunkt brannte am 24. März vor einem Jahr bis auf die Grundmauern nieder. In der mehr als 100 Meter langen Halle fielen hochwertige Sportgeräte den Flammen zum Opfer. Und Stabhochspringerin Martina Strutz, Vize-Weltmeisterin von 2011, kam die Vorbereitungsstätte für die Olympischen Spiele in London abhanden.

Immerhin - die benachbarte Volleyballhalle, in der die erfolgreichen Schweriner SC-Damen spielen, blieb verschont. Ebenso die Sport- und Kongresshalle. Und vor allem: Menschen blieben unversehrt. Wie sich herausstellte, trainierten an diesem frühen Samstagmorgen bereits junge Sportler in der unmittelbar angrenzenden Mehrzweckhalle. Der Sachschaden wurde mit rund drei Millionen Euro angegeben.

Nur wenige Tage nach dem Brand war klar: Hier hat ein Feuerteufel gezündelt. Ein knappes halbes Jahr später, im Oktober, nahmen Polizei und Staatsanwaltschaft einen Tatverdächtigen fest, einen jungen Mann, der ihnen nicht unbekannt war. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft: Robert M.*, 22 Jahre alt, aus Schwerin. Doch er bestritt in den bisherigen Vernehmungen die Tat. Gestern begann der Prozess am Schweriner Landgericht.

Sein Mandant werde im Prozess nichts mehr zu den Vorwürfen sagen, machte Ralph Oliver Schürmann, einer von zwei Verteidigern, zu Prozessbeginn klar. Vor seiner Festnahme soll sich der 22-Jährige der Tat gerühmt haben. Dazu gibt es Zeugenaussagen. Zudem soll er auf einem Video zu sehen sein, dass ihn am Samstag gegen 6.30 Uhr auf dem Weg von der benachbarten Diskothek "Achteck" Richtung Laufhalle zeigt. Dort soll er laut Staatsanwaltschaft nach Diebesgut gesucht haben und - als er nichts Stehlenswertes fand - aus Frust die Kunststoffmatten der Hochsprunganlage angezündet haben. Bei einer Verurteilung wegen schwerer Brandstiftung drohen Freiheitsstrafen von einem bis zu 15 Jahren. Im Laufe des Prozesses soll auch ein Brandsachverständiger sein Gutachten vorlegen.

Robert stamme aus einer gut situierten Familie, sagt der Verteidiger. Der 22-Jährige war selbst einige Jahre Leistungssportler und hat nach seinem Realschulabschluss eine dreijährige Ausbildung in einem soliden Handwerksberuf begonnen. Der Abschluss stand schon in Reichweite, als er verhaftet wurde. Fragen des Gerichts zu seinem Lebenslauf beantwortet Robert selbst, formuliert klar, wirkt offen. Seine Verteidiger halten ihn für unschuldig. "Er war es nicht. Das glauben wir ihm", sagt Rechtsanwalt Ullrich Knye. Die Beweislage sei dünn. "Gerüchte und eine im Spaß gemachte Äußerung" - in seinen Augen zu wenig für einen Schuldspruch. Robert sei schon einige Zeit vor seiner Verhaftung mal vernommen worden. "Er lief danach nicht weg, sondern machte seine Ausbildung weiter.", sagt Knye und wundert sich, dass sein Mandant noch nicht wieder aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Ein "Öffentlichkeits-Bonus", den der junge Mann ausbaden müsse, kritisiert der Anwalt. Der erste Verhandlungstag war kurz. Anklage verlesen, kurze Befragung - dann war erst einmal Schluss. Der Prozess hingegen wird lange dauern, was in der Natur von Indizienprozessen liegt. Bis Ende Mai sind zahlreiche Zeugen geladen. Ob die bisher geplanten Termine ausreichen, scheint unklar.

Klar dagegen ist das weitere Schicksal der Laufhalle. Das abgebrannte Gebäude war zwar schon rund 40 Jahre alt, aber erst zwei Jahre vor dem verheerenden Feuer saniert worden. Inzwischen ist klar, dass die Versicherung den Schaden ersetzt. Zwar nicht an gleicher Stelle, aber auf dem gleichen Sportgelände am Lambrechtsgrund soll für rund 3,5 Millionen Euro eine neue Laufhalle entstehen. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) glaubt fest daran, dass zum Jahresende bereits Sportler in dem modernen Gebäude ihre Runden drehen.

*Name geändert

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