Prozessausgang : Angeklagter kommt dauerhaft in Psychiatrie

Das Landgericht Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern). Archiv
Das Landgericht Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern). Archiv

Nach dem Tod eines 36-Jährigen ist der Täter nun verurteilt worden

svz.de von
15. Mai 2018, 05:00 Uhr

Nach dem gewaltsamen Tod eines 36-jährigen Mannes hat das Landgericht Neubrandenburg den Täter dauerhaft in einem psychiatrischen Haftkrankenhaus untergebracht. Der 51-jährige Bekannte des Opfers stelle wegen seiner Erkrankung „eine hohe Gefahr für sein Umfeld dar“, sagte Richter Jochen Unterlöhner gestern bei der Urteilsbegründung für das Sicherungsverfahren. Mit der Entscheidung folgte die Kammer den Anträgen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem 51-Jährigen eine „paranoide Schizophrenie“ bescheinigt. Damit sei er zur Tatzeit schuldunfähig gewesen, sagte Unterlöhner. Der Angeklagte hatte gestanden, am 2. Januar in einem Kleingarten in Neubrandenburg den 36 Jahre alten Bekannten im Streit gewürgt zu haben. Dabei soll es um die Ex-Frau des 51-Jährigen gegangen sein. Ganz genau sei das aber nicht zu klären gewesen, sagte der Richter. Das Opfer fiel zu Boden, der Täter setzte sich auf den Mann und erwürgte ihn innerhalb von drei bis sieben Minuten, wie Unterlöhner sagte.

Der Prozess war bis auf die Urteilsverkündung nicht öffentlich. Eine Angehörige des Opfers brach bei der Schilderung im Gerichtssaal in Tränen aus.

Opfer und Täter sind Russlanddeutsche, die schon länger in Neubrandenburg lebten und sich kannten. Der Verurteilte hatte nach der Tat selbst die Rettungskräfte gerufen, die dem Opfer aber nicht mehr helfen konnten und die Polizei verständigten. Der 51-Jährige verstrickte sich dann in Widersprüche, wurde noch am Tatort festgenommen und kam wegen Totschlags in U-Haft.

Der Mann sei bereits viermal wegen der Erkrankung in Behandlung gewesen, sagte der Richter. Eine Notwehrlage, wie es der Angeklagte in seinem letzten Wort angedeutet habe, sehe die Kammer nicht. Der Verteidiger des 51-Jährigen betonte, die Einweisung sei das Beste für seinen Mandanten.

Die Unterbringung in der forensischen Psychiatrie und eine mögliche Therapie samt Medikamenteneinnahme werden jährlich überprüft. Nach drei Jahren muss der Verurteilte neu begutachtet werden.

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