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Beziehungsdrama mit totem Kaninchen : Angeklagter „in Rage“

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Aus der Onlineredaktion

Beziehungsdrama endet mit totem Kaninchen. Das war aber wohl nicht die einzige Straftat

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erstellt am 23.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Er denke fast täglich darüber nach, beteuerte der Angeklagte, was er damals getan habe. Ihm falle es ihm immer noch schwer zu begreifen, warum er es tat. Er sei „so in Rage“ gewesen, als seine Freundin ihn verlassen wollte. Gestern musste der 30-Jährige sich vor dem Schweriner Amtsgericht verantworten – allerdings nicht, weil er der jungen Frau etwas angetan hat, sondern weil er das Zwergkaninchen, das sie zusammen in der Wohnung unterm Dach in der Schweriner Innenstadt hielten, aus dem Fenster warf. Die junge Frau saß in ihrem parkenden Auto, als das Tier auf dem Kopfsteinpflaster zu Tode kam.

Weil er ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund getötet hat, drohen dem Angeklagten maximal drei Jahre Haft. Als er im Dezember 2015 nach Hause kam, fand er einen Zettel auf dem Küchentisch, dass sie mit ihm Schluss machen wolle. Er forderte sie auf, ihre Sachen abzuholen. Sie kam mit ihrem Vater. Dann gab ein unfreundliches Wort das andere. Am Ende „flog“ das Zwergkaninchen ihr hinterher – möglicherweise, weil er keine andere Habseligkeit von ihr in die Finger bekam.

Das Beziehungsdrama, in dem es wie so oft um Treue, Untreue und Eifersucht ging, und dessen Details von der Ex-Freundin als Zeugin vor Gericht anders geschildert wurden als von ihm, geriet jedoch nicht durch den Tier-Wurf vor Gericht. Sie besuchte den Angeklagten offenbar sogar in der psychiatrischen Klinik, in der er sich kurzzeitig einweisen ließ. Als sie vier Monate später mit seiner von ihr gewaschenen Wäsche bei ihm in der einst gemeinsamen Wohnung vorbeischaute, kam es zum nächsten Eklat. Er soll mit ihrem Handy beleidigende Nachrichten an ihren neuen Freund geschickt haben. Er soll mit Selbstmord gedroht haben. Und er soll – was von ihm bestritten wird – sie gehindert haben, die Wohnung zu verlassen. Sie zeigte ihn wegen Freiheitsberaubung an und gab auch den Tod des Kaninchens bei der Polizei zu Protokoll. Die Staatsanwaltschaft brachte ihn wegen Freiheitsberaubung und des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz vor Gericht. Im Prozess kam nun jedoch auch heraus, dass der Angeklagte seine Ex-Freundin möglicherweise nötigte, eine Art Schuldschein für angeblich ausstehende Mietzahlungen zu unterschreiben. Über diese mutmaßliche Tat aber darf eine Amtsrichterin nicht allein urteilen. Das bleibt einem Schöffengericht vorbehalten, das sich aus einem Berufsrichter und zwei Laienrichtern zusammensetzt. Das wird dann auch den Tod des Zwergkaninchens ahnden müssen.

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