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LKA-Prozess : Angeklagte gesteht Beamten-Bestechung

vom
Aus der Onlineredaktion

69-Jährige aus Untersuchungshaft entlassen

von
erstellt am 06.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Drei Verhandlungstage hat es gedauert, bis die Verteidigungslinie der zweiten Hauptangeklagten im Schweriner LKA-Prozess einstürzte. Die 69-jährige Christina W. gab gestern zu, den mitangeklagten Beamten des Landeskriminalamts (LKA) Hans-Peter H. über Jahre bestochen zu haben. Der 60-jährige H. habe so viel Geld von ihr bekommen; da sei ihr klar gewesen, dass die Summen nicht allein für legale Zuarbeiten geflossen sein können. Stillschweigend habe sie hingenommen, dass H. interne Polizei-Dateien für sie anzapfte. H. hatte bereits eingeräumt, seit 2008 mit rund 270 000 Euro von Christina W. bestochen worden zu sein.

Es sei „lebensfremd und wenig glaubhaft“ weiterhin zu leugnen, beteuerte die Angeklagte. Sie habe „nur allzu gern geglaubt“, ihr Komplize habe die Rückendeckung seiner Vorgesetzten, die er aber keineswegs hatte. Bislang hatte W. steif und fest konstatiert: „Beamtenbestechung kam mir nie in den Sinn.“ Die Ermittler hatten allerdings zu viele Dokumente sichergestellt, die ihrer Darstellung widersprachen. Von den Richtern damit konfrontiert, gab sie ihre Verteidigung letzlich auf. Das Gericht sicherte im Gegenzug zu, sie für höchstens dreieinhalb Jahre ins Gefängnis zu schicken. Zudem wurde sie gestern nach acht Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Urteil könnte noch im Januar fallen.

Es ist offenbar eine schillernde und manchmal auch zwielichtige Welt, in der sich die ehemalige DDR-Journalistin, die als „Nina“ in Stasi-Akten auftaucht, zwischen Millionären und Geheimdiensten bewegte. Sie handelte mit – keineswegs nur illegal beschafften – Informationen und benutzte Hans-Peter H. als Handlanger. Auf ihrer Honorarliste stand auch ein hoher Mitarbeiter des österreichischen Verfassungsschutzes und ein ehemaliger Bundesanwalt, der jetzt als ihr Verteidiger arbeitet.

Als die Ölleitungen eines österreichischen Konzerns in Rumänien illegal angezapft wurden und Öl im Wert unzähliger Millionen Euro verschwand, bekam ausgerechnet Christina W. den Auftrag, den Dieben auf die Schliche zu kommen. Das neue Sicherheitskonzept für den Öl-Konzern durfte dann der Schweriner LKA-Mann für ein stattliches Honorar ausarbeiten. Andere Auftraggeber waren Hotelketten-Besitzer, Holzindustrielle oder Formel-1-Ställe, die Verfängliches über Kunden oder Konkurrenten wissen wollten. 2014 wandte sich der ukrainische Oligarch Dmitri Firtasch an sie. Firtasch drohte in Österreich die Auslieferung an die USA. 450 000 Euro zahlte er offenbar an Christina W., um Kontakte zu US-Behörden zu knüpfen, damit der Haftbefehl gelöscht wird, wie sie sagt. Die Nachrichtenhändlerin spannte ihren LKA-Mann ein. Mangels English-Kenntnissen bat dieser einen Kollegen um Hilfe. Der schrieb für ihn mehrere Briefe, allerdings auf seinem Dienstcomputer. Dort wurden sie 2015 entdeckt und lösten die Ermittlungen gegen H. und W. aus.

 

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