Schwerin : Angeklagt wegen Missbrauchs

Der Angeklagte (l.) gestern im Landgericht Schwerin
Der Angeklagte (l.) gestern im Landgericht Schwerin

53-Jähriger soll sich an Stieftochter vergangen haben – zu den Vorwürfen schweigt er am ersten Prozesstag

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08. März 2018, 20:45 Uhr

In seiner Freizeit hatte der Angeklagte bereits ab und an mit Kommissaren und Staatsanwälten zu tun. Als Kleindarsteller oder Statist, so berichtete er, spielte er in einigen Vorabendserien verschiedener Fernsehsender mit. Saal 11 des Landgerichts in Schwerin war am Donnerstag allerdings keine „Location“ für Dreharbeiten irgendeines Krimis, sondern der Ort, wo dem 53 Jahre alten gelernten Handwerker von einer echten Staatsanwältin schwerwiegende Vorwürfe gemacht wurden.

Sie hat ihn wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter angeklagt. Er soll vor ungefähr fünf Jahren das damals 14 Jahre alte Mädchen zum ersten Mal zum Sex gezwungen haben. Mit seinem Handy in der Hand sei er in ihr Zimmer gekommen, habe behauptet einen „Porno zu drehen“, habe ihr die Augen verbunden und sich an ihr vergangen, so das Ergebnis der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. In den folgenden zwei Jahren sei es zu sieben weiteren Übergriffen gekommen. Demnach verging er sich an ihr mehrmals zu Hause in einem Dorf in der Nähe der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein, nachdem er sie zumindest in einem Fall an Armen und Beinen gefesselt hatte. Aber auch auf Autofahrten soll er in ein Waldstück abgebogen sein, um das Mädchen zum Sex aufzufordern. Nach den Übergriffen, so die Staatsanwaltschaft, gab er dem Mädchen Geld – mindestens zehn Euro. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei auf seiner Computerfestplatte außerdem intime Fotos. Bei der abgebildeten Frau soll es sich um die Stieftochter handeln, sagte die Staatsanwältin.

Zu den Vorwürfen wollte sich der Angeklagte nicht äußern. Bereitwillig berichtete der Mann, der in der Nähe von Hamburg aufwuchs, jedoch aus seinem Leben. Seit rund 18 Jahren ist er mit der Mutter seiner vier Stiefkinder verheiratet. Die schwerwiegenden Vorwürfe gegen ihn haben nicht zur Trennung geführt. Das mutmaßlich missbrauchte Kind kennt er, seitdem es knapp zwei Jahre alt war. „Es funktionierte wunderbar bei uns“, beschrieb er das Familienleben. Er habe immer gearbeitet, damit die Miete bezahlt und der Kühlschrank gefüllt werden kann. Und „man hat Freude an den Kindern gehabt“. Auch über seine früheren Auftritte mit einer Amateurtheatertruppe plauderte er mit dem Vorsitzenden Richter.

Die Ermittlungen gegen den Mann begannen 2015, nachdem seine Stieftochter einigen Freundinnen von den mutmaßlichen Übergriffen berichtete und diese offenbar die Polizei informierten. Der Prozess soll am kommenden Mittwoch fortgesetzt werden. Die Stieftochter soll erst im April als Zeugin gehört werden. Eigentlich war das für Donnerstag geplant. Sie erschien jedoch nicht im Gericht.

 

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