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Blockheizkraftwerke sollen Wind und Sonne ausgleichen : Angebot zum Energiesparen wächst

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Die kleinen, umweltfreundlichen, gleichzeitig Wärme und Strom erzeugenden Kraftwerke seien eine der relevanten Techniken, wenn künftig die schwankende Stromerzeugung aus Wind und Sonne ausgeglichen werden solle.

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erstellt am 29.Nov.2011 | 10:14 Uhr

Die Bedeutung von Blockheizkraftwerken wird nach Einschätzung des Schweriner Wirtschaftsministeriums in Zukunft zunehmen. "Wahrscheinlich werden Mikro-Blockheizkraftwerke auf Erdgasbasis verstärkt in Mehrfamilienhäusern, kleineren Unternehmen, Kirchen oder Schulen eingesetzt", sagte Ministeriumssprecher Gerd Lange.

Die kleinen, umweltfreundlichen, gleichzeitig Wärme und Strom erzeugenden Kraftwerke seien eine der relevanten Techniken, wenn künftig die schwankende Stromerzeugung aus Wind und Sonne ausgeglichen werden solle. Mit der Kraft-Wärme-Kopplungstechnik könne der CO2-Ausstoß um bis zu 50 Prozent gegenüber der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme gesenkt werden.

Nach Einschätzung von Umweltexperten werden vor allem kleinere Blockheizkraftwerke, die meist wie ein großer Kühlschrank aussehen, immer wichtiger - vor allem dann, wenn sie auf Basis von Biogas arbeiten. Derzeit gibt es in Mecklenburg-Vorpommern laut Ministerium 315 mit Biogas betriebene Blockheizkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 175 Megawatt. Viele dieser Anlagen stehen in landwirtschaftlichen Betrieben. Zudem arbeiten im Nordosten zwölf größere Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung beziehungsweise Biomasse- Heizkraftwerke mit 54 Megawatt installierter Leistung, in der Regel auf Holzbasis. Statistisch nicht erfasst werden Kleinstanlagen, sogenannte Mikro-Blockheizkraftwerke, die meist nur der Eigenversorgung dienen.

Der Geschäftsführer des Fachverbands Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Handwerk in MV, Hans Müller, riet Hausbesitzern dringend, sich vor der Anschaffung umfassend beraten zulassen. Zu komplex seien die Möglichkeiten dieser Anlagen, aber auch die notwendigen technischen Voraussetzungen, um sie richtig einzusetzen.

"Sie rechnen sich nur dann, wenn die komplette Wärme nutzbringend eingesetzt wird." Das sei zum Beispiel bei Hotels der Fall, in denen permanent Warmwasser gebraucht wird. Müller sprach dabei von einer Mindestlaufzeit von zwei Dritteln eines gesamten Jahres, wenn eine solche Anlage Sinn machen solle.

Für den Aufbau einer dezentralen Energieversorgung eigneten sich sogenannte Mikro-Anlagen mit einer angepassten geringeren Wärme- und Stromleistung von drei Kilowatt Wärme und einem Kilowatt Strom. Der Einbau einer solchen Anlage für ein Einfamilienhaus koste derzeit rund 25 000 Euro, sagte Müller.

Im Nordosten haben sich laut Ministerium die Stadtwerke frühzeitig der Kraft-Wärme-Kopplung zugewandt. So setzten die Stadtwerke Teterow bereits 1995 Module auf Erdgasbasis ein. 2006 kam dann eine Biogasanlage mit Blockheizkraftwerk hinzu. Die Stadtwerke Rostock nahmen 2010 ein mit Bio-Erdgas betriebenes Kraftwerk in Kühlungsborn in Betrieb.

Während viele Biogasanlagen im Land noch mit reinem Biogas arbeiten, setzen die Stadtwerke Rostock aufbereitetes Biogas in Erdgasqualität ein. Damit werde ein Wirkungsgrad von rund 86 Prozent erreicht, sagte Stadtwerkesprecher Thomas Schneider. Im Vergleich liege der Wirkungsgrad von modernen Steinkohlekraftwerken, wenn sie nur der Stromerzeugung dienen und nicht Wärme auskoppeln, bei etwa 46 Prozent. Der Einsatz von Bio-Erdgas sei eine weitere Alternative, um den CO2-Ausstoß zu senken.

Auch die großen Energieversorger haben die Blockheizkraftwerke im Blick. So betreibt die Vattenfall AG das Projekt "Virtuelles Kraftwerk". Ziel sei es, viele dezentrale Blockheizkraftwerke zentral zu steuern und überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien besser in das Stromnetz zu integrieren. Derzeit seien in Berlin und Hamburg bereits rund 90 000 Wohneinheiten zum virtuellen Kraftwerk zusammengeschaltet. Bis Ende 2013 sollen es 200 000 werden, hieß es.

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