zur Navigation springen

Patriot-Einsatz in der Türkei : „Anfangs standen wir im Schlamm“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Hauptfeldwebel Lars Koch berichtet von seinem Einsatz im Vorauskommando des deutschen Patriot-Einsatzes in der Türkei

Der Bundestag hat den Einsatz deutscher Flugabwehrstaffeln in der Türkei um ein Jahr verlängert. Nach den Soldaten der Flugabwehrraketen-Gruppe (Flarak) 24 aus Bad Sülze ist nun Sanitz an der Reihe. Ab Ende Februar bilden rund 100 Frauen und Männer aus der Flarak-Gruppe 21 das Hauptkontingent vor Ort. Sie sollen im dritten Jahr der Mission den türkischen Luftraum vor Angriffen aus Syrien schützen. Hauptfeldwebel Lars Koch aus Bad Sülze blickt auf den Anfang des deutschen Patriot-Einsatzes zurück.


Am 11. Januar 2013 landete ich mit dem Vorauskommando auf der türkischen Incirlik Air Force Base, einem Flugplatz in der Nähe der Stadt Adana. Die Einreise war geprägt von türkischer Bürokratie. Am nächsten Vormittag fuhren wir nach Kahramanmaras, unserem Einsatzort im südöstlichen Teil Anatoliens. Als Standort wurde bereits vor unserer Ankunft die türkische Gazi-Kaserne ausgewählt. Diese liegt leicht erhöht über der Stadt.

Unsere Aufgabe bestand vorrangig aus der Vorbereitung der Einsatzstellung für das Waffensystem. Außerdem mussten potenzielle Unterkünfte lokalisiert werden. In der Gazi-Kaserne war es zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich, 400 Soldaten unterzubringen und zu verpflegen. Wir testeten verschiedene Anbieter. Die Küche habe ich meist erst nach dem Testessen gesehen, aber mein Magen hat auch das überstanden. Unklar war zudem die Frage der Wäschereinigung, auch hier mussten Lösungen her.

Es ist eine Art Privileg, dem ersten Einsatzkontingent anzugehören. Auch wenn man bei Null anfängt, gelang es mit Übergangslösungen, die meisten Probleme bis zur Ankunft des Hauptkontingents in den Griff zu bekommen. Bis zur Fertigstellung einer neuen Unterkunft in der türkischen Kaserne wohnten wir in verschiedenen Hotels.
Inzwischen sind aber alle deutschen Soldaten in der türkischen Kaserne untergebracht, deren Bau ich nur „Keksdose“ nenne. Komfortabel wie im eigenen Heim ist es nicht, das ist auch nicht notwendig. Und für die diversen Kleinigkeiten wie zu kurze Betten und über Bodenfliesen herausragende Abflüsse habe ich heute nur noch ein Schmunzeln übrig.

Wie mir viele Kameraden inzwischen sagten, ist auch die Verpflegung viel besser geworden. Meine persönliche Erinnerung an kaltes Ziegenfleisch sitzt aber zu tief, um das wirklich zu glauben. Davon muss ich mich erst persönlich überzeugen. Überhaupt scheint sich zwischenzeitlich vieles zum Positiven entwickelt zu haben. Auf aktuellen Bildern befinden sich mittlerweile betonierte Bereiche. Hier standen wir anfangs noch knöcheltief im Schlamm.

Die Herausforderungen vor Ort haben sich verändert. Während die Soldaten anfangs noch viel bauten, ist heute fast alles vorhanden. Dem alltäglichen Routinedienst begegnen die Soldaten mit Sport, zudem stehen Bücher, Filme und Gesellschaftsspiele zur Verfügung.

Neben dem Marketender, wo es Artikel des täglichen Gebrauchs gibt, ist auch die Feldpost ein sehr wichtiger Bestandteil im Einsatz. Wir haben uns immer auf die Pakete aus der Heimat gefreut, sehr begehrt waren bei uns Salami und Konserven. Das wurde gern auch mal zusammengelegt für ein gemeinsames Frühstück.

Die Einwohner von Kahramanmaras sind größtenteils sehr freundlich und aufgeschlossen gegenüber deutschen Soldaten. So wurden wir vor einem Restaurant sehr gestenreich von mehreren älteren Männern zum Tee eingeladen, und auch bei meiner privaten Abreise bedankte sich ein türkischer Ingenieur bei mir.

Nach Verlängerung des Einsatzes sind die Soldaten der Flarak-Gruppen 21 und 24 aus Sanitz und Bad Sülze nun für mindestens ein Jahr gefordert. Ich hoffe , dass diese Kameraden die kleinen Ärgernisse ebenfalls mit einem Schmunzeln sehen.



 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen