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Studie über "bürgerschaftliches Engagement" : Anerkennung für Ehrenamtliche

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Wer sich ehrenamtlich in Vereinen, Initiativen oder Institutionen engagiert, sollte mehr Unterstützung von den Städten, Gemeinden und vom Land bekommen. Das geht aus einer Studie hervor, die gestern vorgestellt wurde.

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erstellt am 29.Aug.2013 | 10:27 Uhr

Schwerin | Wer sich ehrenamtlich in Vereinen, Initiativen oder Institutionen engagiert, sollte mehr Unterstützung von den Städten, Gemeinden und vom Land bekommen. Vor allem auf dem Land sollten Bürgerzentren aufgebaut werden, in denen sich Vereine und auch andere private Initiativen treffen können. Weil die Wege in den großen Landkreisen immer weiter geworden sind, sollten Ehrenamtliche auch mit Fahrgeld unterstützt werden. Das folgert die Herbert-Quandt-Stiftung aus einer Studie über "bürgerschaftliches Engagement", die sie gestern in Schwerin vorstellte. Die Untersuchung basiert auf Befragungen von 81 Bürgern aus An-klam, Demmin, Wismar, Greifswald und Lalendorf. Die Hälfte von ihnen engagiert sich in einem Ehrenamt, die andere Hälfte tut dies nicht.

Stiftungs-Vorstand Christof Eichert riet der Landesregierung zudem, die Förderung des Ehrenamtes zu einer Querschnittsaufgabe zu machen. Derzeit werde das Thema im Sozialministerium von derselben Abteilung bearbeitet, die sich auch um Renten und Senioren kümmert. Ehrenämter gebe es aber "ressortübergreifend" im Sport, in der Umweltarbeit, beim Denkmalschutz oder bei der Feuerwehr. Neben der materiellen Unterstützung komme die öffentliche Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit noch zu kurz, egal ob sie in der Gemeindevertretung, dem Anglerverband oder in der Sozialstation geleistet wird.

Ein gesichertes Einkommen und eine gute Bildung fördern die Bereitschaft, ein Ehrenamt in einem Verein zu übernehmen und sich für andere zu engagieren, so der Leiter der Studie Uwe Meergans. Entsprechend führe Arbeits- und Perspektivlosigkeit zu Resignation und Rückzug aus der Gesellschaft. Aber auch schlechte (Schul)-Kenntnisse über Geschichte und Politik bremsten das Engagement. Diese Unterschiede machten sich zwischen den prosperierenden Städten Wismar und Greifswald auf der einen und Städten wie Anklam und Demmin bemerkbar. Hinzu komme ein eingeschränkte "Politik-, Demokratie- und Systemvertrauen" - und Misstrauen gegenüber den politischen Parteien, so Meergans.

Der Wissenschaftler sieht gleichwohl keinen Grund, die Alarmglocken allzu laut zu läuten. Denn anderen Studien zufolge sind 29 Prozent der Bürger in Mecklenburg-Vorpommern in irgendeinem Ehrenamt aktiv. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 37 Prozent. Das liege auch an "unterschiedlichen regionalen politischen Kulturen", so der Rostocker Politikwissenschaftler Nikolaus Werz. Im traditionell von großen Gütern geprägten Nordosten sei das Bürgertum, das sich am ehesten Ehrenämter übernehme, immer schwach ausgebildet gewesen. Zu DDR-Zeiten dann habe der Staat auch die Ehrenämter "gelenkt".

Der Nachwuchs für die Ehrenämter in den Vereinen fehlt unterdessen nicht nur, weil es nicht genügend Jugendliche, genügend Jugendklubs und genügend Räume gibt, in denen sich Jugendliche treffen können. Jugendliche kämen mit den bestehenden Vereinsstrukturen nicht zurecht, weil der zeitliche Aufwand und die langfristige Bindung nicht ihrem Lebensrhythmus entsprächen, heißt es in der Stiftungs-Studie. Manche Jugendlich wünschten sich offene Formen der Mitarbeit ohne lange Bindung. Vorstandswahlen und komplizierte Satzungen machten die Vereine für Jugendliche unattraktiv. Eine Greifswalderin war sich denn auch sicher: "Diese deutsche Vereinsmeierei wird keinen Bestand haben." Eine Anklamerin berichtete unterdessen den Forschern, wie schwer es ist, manchmal 40 Jahre alte Gewohnheiten in den Vereinen zu ändern: "Wenn wir sagen, es wird jetzt mal anders gemacht, dann gibt es Krach."

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