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FC Hansa Rostock : Andy Thiem: Ich hatte Panikattacken

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Zeugwart Andreas Thiem litt an Panikattacken. Unter Stress traten Herzrhythmusstörungen auf. Deshalb fehlte er bei den letzten drei Partien der vergangenen Saison. Inzwischen ist das Urgestein wieder fit.

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erstellt am 01.Aug.2012 | 06:47 Uhr

Rostock | Ende vergangener Saison musste man sich ernsthafte Sorgen machen um Zeugwart Andreas Thiem. Den einzig verbliebenen Angestellten beim Fußballclub Hansa Rostock, der bei sämtlichen vier Aufstiegen seit der Wende (1991, 1995 und 2007 in die 1. sowie 2011 in die 2. Bundesliga) dabei war. Leider auch bei allen Abstiegen, so dem jetzigen zurück in die garstige Drittklassigkeit…

In der ganzen Unruhe des sportlichen (und ebenso wirtschaftlich akut drohenden) K. o. blieb es der Öffentlichkeit weitgehend verborgen: Der einstige "Wäschekammerverantwortliche" (wie Andys Funktion hieß, als er 1989 beim Verein anfing) war nach dem 0:5 gegen den FSV Frankfurt am 13. April 2012 auf einmal "verschwunden". Was war passiert, dass das sonst kaum jemals fehlende Urgestein die letzten drei Partien 2011/12 verpasste?

Unter Stress traten Herzprobleme auf

"Ich hatte drei Panikattacken innerhalb von 14 Tagen. Da hat Heidi (seine Freundin - d. Red.) mich zum Arzt hingeprügelt", erinnert sich Thiem. Mannschafts-Doc Frank Bartel erkannte schnell, der gehört einem Kardiologen vorgestellt. Der Zeugwart unterzog sich drei Belastungs-EKG in einer Woche und einer Herzkatheteruntersuchung: "Es wurde festgestellt, dass bei mir unter Stress Herzrhythmusstörungen auftreten. Mir sind die Gefäße geweitet worden. Ich nehme jetzt unter anderem zur Blutverdünnung und Regulierung des Blutdrucks Medikamente, drei Tabletten täglich. Und ich muss seitdem regelmäßig zur Kontrolle." Inzwischen hat Thiem seine Fitness zurückerlangt und übernahm wieder die Amtsgeschäfte von seinem Vertreter Alexander "Onko" Kodera, eigentlich zuständig für die "Zweite" und den Nachwuchs.

Aber der zweifache Vater und einmalige Opa (Enkelin Lena/6) muss auf der Hut sein. Wenn Andy, der leidenschaftliche und bekennende Raucher, schon das Paffen nicht sein lassen kann, dann muss er zumindest - er ist sich völlig darüber im Klaren - "die physischen und psychischen Belastungen runterfahren. Da hat mir die Mannschaft mit dem 0:3 in Unterhaching ja einen Bärendienst erwiesen", sagt der 47-Jährige mit Galgenhumor.

Nach wie vor frisst er zuviel in sich rein. Natürlich weiß Thiem, dass er ein Ventil braucht. Eins, das er nicht in den Stadion-Katakomben finden wird: "Entweder ich lasse das zu Hause ab, Heidi kann zum Glück damit umgehen, oder ich gehe angeln."

Der Start in die Serie 2012/13 sei "holprig und unruhig" geraten, "es liegt noch viel Arbeit vor uns". Andreas Thiem wirkt, wenn er das feststellt, zwar nicht unbedingt nervös, aber nahe geht ihm die aktuelle Situation auch nach 23 Jahren noch. Er sieht es realistisch, wenn er behutsam prognostiziert: "Ich glaube, das wird eine ganz schwierige Saison."

Ein bisschen auch für ihn selber. Okay, ihre Schuhe putzen die Spieler schon lange selbst: "Das habe ich ganz früher mitgemacht als freiwillige Dienstleistung, aber das schaffte ich einfach nicht mehr." Private Wäsche mit in die praktisch rund um die Uhr laufenden drei 20-Kilo-Maschinen zu packen, ein solches Privileg durfte zwar ein Erich Rutemöller in seiner Rostocker Trainerzeit von März bis Dezember 1992 genießen. Ansonsten ist so etwas nicht üblich. Wobei: Andy ist ein gutmütiger und hilfsbereiter Typ, weshalb er einschränkt: "Ich biete den Spielern an, dass ich, solange sie im Hotel sind, so wie damals bei ,Rute’ ihre Wäsche mit reinhaue."

Ja, worin besteht denn dann das Problem des Zeugwarts? Beispielsweise darin, dass bei Nike - wie bei jedem anderen ihm geläufigen Ausrüster auch (von denen Hansa seit 1990 sechs verschiedene hatte) - "die Hemden völlig unterschiedlich ausfallen. Das ist jedes Jahr ’ne Wundertüte. Alle Spieler probieren vor dem Beflocken die Trikots an. Die haben da meinetwegen bei den blauen eine M und bei den schwarzen S." Die Jersey wären so reichlich geschnitten, dass selbst dem 1,98-Meter-Hünen Ondrej Smetana eine L genüge. "Die einzige Ausnahme", so Andreas Thiem, "ist Jockel (Torwart Jörg Hahnel - d. Red.). Er allein trägt eine XL."

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