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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 16:41 Uhr

Sparzwang : Amt Goldberg setzt den Rotstift an

vom

Der Amtsausschuss hat auf seiner Sitzung beschlossen, die Kompetenzagentur Westmecklenburg/Güstrow vorerst nicht mehr finanziell zu unterstützen. Nicht gut angekommen sein dürfte der Einschnitt bei dem Träger der Agentur.

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erstellt am 14.Mär.2012 | 09:22 Uhr

Goldberg | Sparzwang im Amt Goldberg-Mildenitz: Der Amtsausschuss hat auf seiner Sitzung am Montagsabend beschlossen, die Kompetenzagentur Westmecklenburg/Güstrow (Kompag) vorerst nicht mehr finanziell zu unterstützen. Ziel der Kompag ist es, jungen Menschen mit schwierigem Hintergrund den Weg ins Berufsleben zu ebnen. Nicht gut angekommen sein dürfte der Einschnitt bei der Start GmbH, dem Träger der Agentur. Dafür spricht auch die Sprachlosigkeit der Leiterin des Projekts: Silvia Weinaug war für eine Stellungnahme am Dienstag für unsere Zeitung nicht zu erreichen.

Ja, die Zeiten haben sich geändert. Vorbei die Jahre, in denen Anträge mit einem Volumen von 2000 Euro ohne Nachfragen durchgewunken wurden. Jede Gemeinde im Amt Goldberg hat mit Schulden zu kämpfen, das Geld sitzt alles andere als locker. Auf der jüngsten Amtsausschusssitzung zeigten sich die Kommunalpolitiker deshalb nicht bereit, dem Unterstützungsantrag zuzustimmen. Im Gegenteil: Sie votierten einstimmig dagegen.

Die Kompag hatte ihre Anfrage bereits im Juni 2011 gestellt, die Ausschussmitglieder allerdings forderten eine Aufstellung konkreter Maßnahmen im Amtsbereich an. Ende November schickte die Kompetenzagentur zwar Unterlagen, diese jedoch stellten die kommunalen Entscheider nicht zufrieden. Zu unkonkret seien die Angaben, hieß es. "Wir wissen im Einzelnen noch immer nicht, wo unser Geld ganz konkret eingesetzt wird", kritisiert Dobbertins Bürgermeister Dirk Mittelstädt. Die Schilderung der Kompag überzeugte offenbar keinen der Anwesenden. "Da finden sich ja teilweise viereinhalb Konjuktive in einem Satz", sagt Mestlins Bürgermeister Uwe Schultze. Für Antragsteller heißt das im Umkehrschluss: Sie müssen die Einplanung ihrer Gelder ganz exakt darlegen. Die Kommunen fordern mehr Transparenz.

Auch ein anderer Sozialträger musste eine Kürzung hinnehmen. 450 Euro wurden der Psychologischen Beratungsstelle des Diakoniewerks Kloster Dobbertin gestrichen. Sie bekommt nun nur noch 1200 Euro im Jahr. Begründung des Ausschusses: Die Einwohnerzahl des Amtes sei bei der Beitragsberechnung nicht genügend berücksichtigt worden. Es sei nicht einsichtig, warum das Amt Eldenburg-Lübz mit mehr Einwohnern den gleichen Betrag zahle wie das Amt Goldberg.

Anders lief es für den Antrag der Schuldnerberatung des Arbeitslosenverbandes Parchim. Er bekam seine jährlichen 2100 Euro bewilligt. Entscheidend waren dabei zwei Unterschiede: Der Verband hatte in seinem Antrag zum einen die Einwohnerzahl des Amtes penibel aufgeschlüsselt. Zum anderen bietet der Verband Beratungen direkt im Amtsbereich, in Goldberg und Mestlin, an. Zwei Argumente, die überzeugten.

Kommentar
von Benjamin Piel
Sparen muss sein
Streichungen tun weh, sind aber nötig
Ja, soziale Projekte sind wichtig. Und nein, niemand will, dass bei Unterstützungszahlungen vorschnell der Rotstift zum Einsatz kommt. Doch den Gemeinden im Amt Goldberg-Mildenitz geht es finanziell dreckig. Seit Jahren gehen die Haushalte den Bach hinunter. Ohne Einsparungen geht deshalb nichts mehr – das haben die Mitglieder im Amtsausschuss verstanden. Sie wissen kaum, woher sie Gelder für eigene Erfordernisse nehmen sollen und dann flattern auch noch Anträge von Verbänden und Initiativen ins Haus. Klar, die Gemeinden profitieren davon, wenn ihre Bürger beispielsweise Hilfe bei einer Schuldnerberatung bekommen. Der Amtsausschuss weiß das und tritt an Einsparungen deshalb mit Bedacht heran. Blindwütiges Sparen, das wäre falsch. Die Kommunalpolitiker aber fragen sich, wovon ihre Gemeinden wirklich profitieren. Gibt es einen ganz konkreten Vorteil für die Bürger? Wie genau setzen die Träger die Gelder eigentlich ein? Diesen Fragen werden die Entscheider in Zukunft immer intensiver nachgehen (müssen). Ist kein glasklarer Nutzen erkennbar, dann fließen auch keine Gelder mehr. Die Zeiten, in denen alle Beträge nachfrage- und bedenkenlos durchgewunken wurden, sind vorbei. Und das ist auch gut so.

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