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Mitten ins Herz : Amors Pfeil traf beim Quellfest

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Mit einem Lächeln im Gesicht schaut Anja Janke in ihrem ipad nach dem richtigen Song. Vor zwei Jahren begann sie mit ihrer Samba-Show „Bonita de Brazil“ in Marnitz und lernte dort ihren zukünftigen Ehemann kennen.

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erstellt am 04.Aug.2012 | 01:20 Uhr

Mit einem Lächeln im Gesicht schaut Anja Janke in ihrem ipad nach dem richtigen Song. Das muss passen. Sie findet ihn, doch zuerst muss sie ihre langen dunklen Haare zu einem Zopf zusammenbinden. Anja begibt sich in Position. Sie trägt eine weiße, luftige Hose an diesem Tag und ein enganliegendes rotes T-Shirt sowie Flip Flops. Das ist alles andere als die richtige Kleidung. Doch das Gefühl für die Musik und ihren Tanz hat Anja auf jeden Fall, auch ohne ihr Kostüm. Die dunkelhaarige junge Frau ist bereit. Sie drückt den Play-Knopf an ihrem ipad und sogleich ertönt das brasilianische Lebensgefühl pur. Schnelle, rhythmische Musik erklingt auf dem Hinterhof eines Einfamilienhauses in der Lübzer Feldstraße. Anjas langen dunklen Haare wirbeln durch die Luft, ihre Flip Flops klatschen auf den Steinfußboden. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Dreht sich, streckt die Arme nach oben, kreist die Hüften im Takt der Musik. Alles geht ganz schnell und Anjas Lächeln im Gesicht wird immer mehr. Ihr ist anzusehen, dass die Musik, der Tanz zu ihr gehören – all das ist ihres, ihr brasilianisches Lebensgefühl – Samba eben.
Pailletten, Perlen, Federn, Glitzersteine – all das gehört auch dazu. Denn Anja Janke tanzt sonst in einem richtigen Kostüm und nicht auf dem Hinterhof eines Einfamilienhauses. Sonst steht sie vor einem großen Publikum. Zusammen mit zwei weiteren Tänzerinnen: Jeanett Rogawski und Lea Kaltenstein. Gemeinsam ergeben die drei Frauen eine Show: Bonita de Brazil. „Vor zwei Jahren hatten Netti und ich unseren ersten großen öffentlichen Auftritt beim Marnitzer Quellfest“, erinnert Anja Janke. Doch die Idee zu so einer Show hatten die beiden Freundinnen schon länger. Getanzt haben sie ebenfalls schon viele Jahre lang. Beim Karneval als Funkenmariechen. Tanzen ist für Anja Janke ein Lebensgefühl. „Dabei kann ich abschalten, alles vergessen.“ Aber warum gerade Samba? „Weil es das hier so noch nicht gibt. Und es spricht alle an. Ob Jung oder Alt. Der absolute Renner waren in der vergangenen Zeit die Goldenen Hochzeiten, derzeit treten wir oft bei 70. Geburtstagen auf“, erklärt die Samba-Tänzerin. Denn „Bonita de Brazil“ kann gebucht werden: bei Hochzeiten, Jubiläen, Geburtstagen, Festen und Veranstaltungen. „Wir hatten auch schon eine Anfrage aus Wolfsburg. Aber so lange fahren wir dann doch nicht.“ Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Magdeburg, Hamburg – das sind die Ziele der drei Frauen.
Pink, Blau, Rot, Gelb, Lila – alle Farben, die es gibt, werden in Kostüme verwandelt. Denn Anja Janke tanzt nicht nur, sondern schneidert auch alle Kostüme selbst. Gelernt hat sie das nicht. „Ich hab mir das selbst beigebracht.“ Für ein Kostüm braucht sie mindestens zwei Monate, denn vorher müssen die Kopf-, Rücken- und Brustgestelle geschweißt werden. Diese Aufgabe übernimmt Basti Schult. Der Mann an ihrer Seite. Der Mann, der immer für sie da war, wenn es ihr schlecht ging. Und Basti ist der Mann, den sie vor zwei Jahren beim Marnitzer Quellfest kennen gelernt hat. „Basti war mit der Feuerwehr da. Er wollte erst gar nicht auf die Bühne, aber Netti und ich haben nicht locker gelassen“, erzählt Anja Janke. Getraut hat sich Basti Schult dann doch und bereut es auf keinen Fall. Getraut werden die beiden noch in diesem Jahr am 5. Oktober. Dann sagen sie Ja zueinander, dann wird geheiratet. „Für Anja hat sich das Quellfest vor zwei Jahren doppelt gelohnt: Einmal weil ihre Show so ein Renner dadurch geworden ist und zum anderen, weil sie mich kennen gelernt hat“, sagt Basti Schult und schmunzelt. Auch Anja strahlt ihren Basti an – mit einem Lächeln und leuchtenden Augen. Ihr zukünftiger Ehemann ist mittlerweile auch zu einem festen Mitglied des Bonita de Brazil-Teams geworden. „Basti schweißt die Rücken- und Kopfteile für mich, damit ich die Kostüme nähen kann.“ Bei den Auftritten sorgt er für die Musik, die Bilder und die Videos.
Termine koordinieren, trainieren und tanzen. All das neben der Arbeit unter einen Hut zu bekommmen, ist nicht leicht. Denn Anja Janke arbeitet hauptberuflich als Rechtsanwaltsfachangestellte. Für den Job zog sie deshalb von Lübz nach Schwerin. Dort lebt sie jetzt zusammen mit ihrem Freund Basti Schult. „Er hat nicht die Katze im Sack gekauft. Basti wusste von Anfang an, wie ich aussehe“, sagt Anja und lächelt. Schließlich zeigt sie bei ihren Auftritten sehr viel Haut. Doch das gehört dazu. Schließlich vermittelt Anja gemeinsam mit Jeanett und Lea brasilianisches Lebensgefühl. Doch die Kostüme sehen nicht nur schon und atemraubend aus, sondern sind vor allem eines: schwer. „Das Kopfteil ist sehr schwer. Hinterher habe ich oft blaue Flecken, vor allem auf der Stirn.“ Anja braucht keinen anderen Sport mehr zu machen, denn Samba tanzen, ist Hochleistungssport. „Wir treten fast jedes Wochenende auf. Da bleiben wir fit.“
Die jüngste im Bunde der drei Tänzerinnen ist Lea. Sie ist Schülerin und 16 Jahre alt. Gemeinsam trainiert wird selten. Denn Lea wohnt in Lübz, Anja in Schwerin und Jeanett in Rostock. „Wir nehmen unsere Trainings auf Video auf und schicken es den anderen. Jeder kennt seine Position beim Auftritt, doch wir alle müssen auch die Positionen der anderen können“, erklärt Anja Janke.
In einer Woche geht es wieder los. Dann startet das Fest, bei dem Anja Janke von Armor’s Pfeil mitten ins Herz getroffen wurde. „Es existiert sogar von unserem richtigen ersten Kennenlernen nach dem Auftritt ein Video. Das ist schon toll“, erzählt die Samba-Tänzerin. Danach ging mit den beiden alles ziemlich schnell, erinnert sich auch Basti Schult. „Ich kam den einen Abend von einer Baustelle in Potsdam und bin gleich nach Schwerin gefahren mit gepackter Tasche. Danach bin ich gleich ganz bei Anja geblieben“, erinnert Basti. Einen Heiratsantrag hat es bislang noch nicht gegeben, aber das stört nicht. „Wir müssen so viel noch erledigen, da hat Basti es noch nicht geschafft, aber er hat noch ein bisschen Zeit“, so Anja Janke und zwinkert mit dem Auge. Eine besondere Sache wird es nach dem 5. Oktober noch geben: „Ich heiße dann wieder genauso wie meine Schwester. Nur Schult mit T und nicht mit DT“, erklärt die Samba-Tänzerin.
Doch jetzt muss viel trainiert werden, denn der Auftritt am 11. August rückt immer näher. „Derzeit sitze ich noch an einem Kostüm, es ist das 18. mittlerweile.“ In einer Woche drückt dann Basti Schult, Anjas bessere Hälfte den Play-Knopf. Dann ertönt wieder brasilianische Musik aus den Lautsprechern, dann tanzt Anja Janke wieder ihren Tanz – Samba eben.

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