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Mecklenburg-Vorpommern

17. November 2017 | 22:06 Uhr

Plagegeister : Ameisen werden zur Plage

vom
Aus der Onlineredaktion

Auf der Terrasse stören sie schon, und wenn sie ins Haus kommen und sich durch nichts vertreiben lassen, liegen die Nerven blank

von
erstellt am 31.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Ameisen über Ameisen. Im vorigen Jahr hat Familie Pommerehnke sie zum ersten Mal an ihrem Haus in Dümmer bei Schwerin entdeckt. Neben einem Fenster an der Südseite kamen sie aus einer Ritze. In diesem Jahr wieder, noch mehr.

„Wenn wir dagegen geklopft haben, waren es Hunderte, die die Fassade entlangliefen“, sagt Verena Pommerehnke. Die kleinen Plagegeister hätten sich in die Dämmung des gerade erst zwölf Jahre alten Hauses hineingefressen. Vor einem Jahr war der Anstrich erneuert worden, leuchtend gelb. Das sei wohl ein Fehler gewesen, meint die Hausbesitzerin heute. Gelb sei beliebt bei Insekten. Ihre Versuche, die Tiere mit handelsüblichem Ameisenspray zu vertreiben, brachten nichts.

Der zu Hilfe gerufene Kammerjäger Ralf Matschiner rückt den wärmeliebenden Schwarzen Wegameisen mit geriebenen Muscheln zu Leibe, giftfrei, wie er betont. Sie tragen das Pulver ins Nest hinter der Fassade. „Das trocknet die Ameisen aus“, sagt er. Um den Anmarsch neuer Ameisen zu verhindern, hat er zusätzlich doch Gift gestreut, auf Zuckerbasis.

Der Juli ist die Zeit für Ameisenplagen. Tausende der geflügelten Ameisenköniginnen fliegen aus und suchen Orte für neue Staaten. In Gärten und Parks, unterm Straßenpflaster und unter Gehwegplatten der Städte, auf Terrassen, in Häusern, Kantinen, Bäckereien – überall machen sich Ameisen breit. Es sind viele Tausend, die zu einem Volk gehören und nur schwer zu verjagen sind.

Als der Ameisenexperte schlechthin in Mecklenburg-Vorpommern gilt Kay Gloyna vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock. Der 41-Jährige beschäftigt sich seit Jahren mit den Lebensweisen von Ameisen und stößt mitunter auf noch nicht registrierte Arten, wenn ihm einzelne Exemplare zur Bestimmung zugesandt werden. So identifizierte er 2013 die Art „Lasius neglectus“ in Rostock, die ursprünglich aus Vorderasien stammt und vermutlich durch den Handel mit Pflanzen nach Deutschland gelangte. Seinerzeit wurden lediglich zwei weitere Vorkommen in Jena und Nürnberg registriert. Inzwischen hat sich die Art weiter ausgebreitet.

Bisher sind in Mecklenburg-Vorpommen rund 50 Ameisenarten bekannt, wie Gloyna berichtet. Bundesweit sind es 120, in Europa etwa 200 und weltweit 13 000 Arten. In Asien und Australien leben die gefährlichsten, etwa die Bulldogameise. Nachdem sie sich an ihrem Opfer festgebissen hat, bohrt sie ihren Giftstachel in dessen Haut.

Ähnlich macht es die sogenannte Gewehrkugelameise im tropischen Regenwald in Süd- und Mittelamerika. Sie sorgt mit ihrem Giftstich beim Menschen für heftige Schmerzen. „Für alle bei uns bekannten Arten trifft das nicht zu“, dämpft Gloyna Ängste.

Ähnlich wie Bienen bilden Ameisen Völker mit einer Königin, wenigen Männchen und vielen Weibchen. Diese fungieren als ständig aktive Arbeiterinnen. Sie werden nur wenige Wochen alt, während die Königin in ihrem gut geschützten Nest zehn und mehr Jahre leben kann, umgeben von mitunter mehreren Millionen Individuen.

Gloyna will die Ameise nicht allein als lästiges, beißendes Insekt sehen. „Ameisen beeinflussen ihre Umwelt nachhaltig positiv, indem sie pflanzliches Material abbauen, die oberen Erdregionen durch ihr Tun umschichten, dabei auch Pflanzensamen verbreiten und im Ergebnis die Bodenstruktur verbessern“, erklärt der Biologe. Allerdings: Dass Ameisen Blattläuse vernichten, ist ein Irrglaube. „Blattläuse ziehen Ameisen magisch an. Sie fressen deren süße Ausscheidungen und sorgen so letztlich für ein sauberes Umfeld, während sich die Blattläuse beispielsweise an Rosen zu schaffen machen.“

Während Ameisen im Garten vielleicht noch geduldet werden, müssen sie im Haus bekämpft werden. Das sieht auch der Biologe so und führt hygienische Gründe an sowie die Zersetzung von Holz und anderen Baumaterialien. Dabei helfen könnten schon im Handel erhältliche Ameisenköder oder auch traditionelle Methoden. Wenn alles nicht helfe, müsse der Schädlingsbekämpfer ran.

 
 

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