Zoo Rostock : Am Anfang war der Mammutbaum

Mit einem Wildgarten fing alles an. Heute leben 4500 Tiere im Rostocker Zoo.
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Mit einem Wildgarten fing alles an. Heute leben 4500 Tiere im Rostocker Zoo.

Der Zoologische Garten Rostock ist in botanischer Hinsicht ein wahres Juwel / 1899 entstand hier ein „Hirschgarten“

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20. September 2015, 09:00 Uhr

Die Anfänge des Zoologischen Gartens in Rostock lassen sich in der Botanik entdecken, die nach wie vor den unverwechselbaren Reiz der gesamten Anlage ausmacht. Zu verdanken haben wir sie dem Stadtjäger und Förster Robert Schramm. Er lebte von 1851 bis 1931 und wohnte in der Trotzenburg inmitten der Barnstorfer Tannen. Ihm kam die Idee, um den Ententeich auf seinem Dienstacker eine Sammlung ausländischer Gehölze anzulegen.

Dieser „Dendrologische Garten an der Trotzenburg“ wurde zum Ursprung der jetzigen Anlage. 1883 pflanzte Schramm die ersten jener Gehölze, die den Charakter des Parks fortan bestimmen sollten. Der ebenfalls 1883 gepflanzte Mammutbaum am Zoo-Eingang Trotzenburg ist dafür wohl das bekannteste Symbol. Die Westliche Hemlock-Tanne und die Amerikanische Roteiche sind zwei weitere der angesiedelten Arten.

1899 wurde die Anlage um den „Hirschgarten“ bereichert. Mit je einem Hirsch- und Rehpaar versuchte man, den bereits in großer Zahl anrückenden Rostockern die heimische Tierwelt ein wenig näher zu bringen. Später gesellten sich zu Reh und Hirsch ein Seeadlerpaar, ein Wildschwein und ein Bär. Erster Tierpfleger wurde Carl Lange, der am 4. Januar 1899 seinen Dienst antrat. 1907 übernahm Wilhelm Schomburg, der Leiter des städtischen Gartenbauamtes, die Verantwortung für den „Wild- und Dendrologischen Garten“. In jener Zeit wurden auch die Pyramiden-Eichen-Allee und der Rhododendronhain angelegt. Ab dem 4. Juli 1910 stand der nunmehrige „Tier- und Pflanzgarten“ der Rostocker Bevölkerung zum Besuch zur Verfügung. Der Garten umfasste das Gebiet zwischen der Tiergarten- und der Rennbahnallee, der Eisenbahnlinie und reichte östlich bis etwa zur heutigen Eisbärenanlage. Dieser Teil des zoologischen Gartens erhielt 1986 den Denkmalstatus. Zwischenzeitlich, vor allem während der beiden großen Kriege, hatte der Tiergarten immer wieder Schaden genommen. Nach 1945 gab es sogar Kleingärten auf dem Gelände. Doch irgendwie ging es immer weiter. Gartenbauarchitekt Arno Lehmann, Gärtner Paul Stabel und ihren Helfern ist es zu verdanken, dass der Tiergarten 1952 wiedereröffnet werden konnte. 1955 übernahm Siegfried Seifert die Leitung des Geländes, das damals auf 15 Hektar erweitert und ein Jahr später zum „Zoologischen Garten“ wurde. Mit den unter Zoodirektor Dr. Dieter Schwarz 1973 in Angriff genommenen Erweiterungen westlich der Rennbahnallee erreichte die Anlage alsbald eine neue Größe.

In botanischer Hinsicht ist vor allem noch das 1931 geschaffene Dahlienquartier zu erwähnen. Informationen zu diesem und zum wertvollen Baumbestand des vielfältigen Gartens findet man im „Grünen Zooführer“. Da gibt es den Riesenlebensbaum, die Schindeleiche in der Nähe des Mammutbaumes, eine Hängebuche, serbische Fichten, die Coloradotanne, den Trompetenbaum, japanische Zierkirschen und den Schneeglöckchenbaum beim Südamerika-Haus. Auch die Scheinzypresse und die Atlas-Zeder am Ententeich erfreuen die Besucher. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Sie zeigt, dass der dendrologische Teil dem zoologischen mehr als ebenbürtig ist. Die Vermittlung des Zusammenspiels der beiden ist Zoodirektor Udo Nagel sehr wichtig und er will den Tiergarten auf Dauer bewahrt wissen. Dazu sind auch Fäll- und Wiederaufforstungsarbeiten nötig.

So waren einige der eingangs erwähnten Amerikanischen Roteichen am Ende ihrer Tage angelangt und mussten gefällt werden. Neue Gehölze kamen an ihrer Stelle und der Bestand lebt weiter. Auf diese Weise bleibt der über 100-jährige Zoologische Garten für nachfolgende Generationen erhalten. Mit dem Darwineum erreichte der Zoo eine neue Qualität.

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