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Krankenhäuser des Landes stellen sich auf demografischen Wandel ein : Altersmedizin statt Entbindungsbetten

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Immer mehr ältere Patienten, die immer länger brauchen, um wieder gesund zu werden - darauf müssen sich die derzeit 40 Krankenhäuser im Land in den nächsten Jahren einstellen. Strukturelle Veränderungen sind notwendig.

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erstellt am 23.Nov.2011 | 08:01 Uhr

Bad Doberan | Immer mehr ältere Patienten, die immer länger brauchen, um wieder gesund zu werden - darauf müssen sich die derzeit 40 Krankenhäuser im Land in den nächsten Jahren einstellen. Wie eine bedarfsgerechte Patientenversorgung aussehen kann und welchen Einfluss wechselnde rechtliche Rahmenbedingungen darauf haben, diskutierte gestern in Bad Doberan die Mitgliederversammlung der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV).

Bis 2020 drei neue internistische Stationen nötig

"Die Bevölkerungsentwicklung und die gleichzeitig schwieriger werdende personelle Situation im Gesundheitswesen stellen uns in den nächsten Jahren vor riesige Aufgaben, die strukturelle Veränderungen notwendig machen", erklärte der Geschäftsführer der KGMV, Wolfgang Gagzow. Augenfällig würde das am Beispiel der internistischen Versorgung, die besonders häufig von älteren Patienten in Anspruch genommen würde: Bis zum Jahr 2020 werden die Fallzahlen von aktuell 138 000 auf rund 142 000 pro Jahr ansteigen. Da die Krankenhaus-Verweildauer der Patienten mit ihrem Lebensalter steigt, wird sich die Zahl der Krankenhaustage im Verhältnis gesehen sogar noch stärker erhöhen, von heute etwa 1 015 000 auf etwa 1 040 000. Die 3319 Betten auf internistischen Stationen, die es derzeit in den Krankenhäusern des Landes gibt, werden dann Gagzow zufolge nicht mehr ausreichen. Den Bedarf im Jahr 2020 bezifferte er mit 3400. "Der Unterschied scheint zwar auf den ersten Blick nicht groß zu sein - tatsächlich macht er aber drei komplette Stationen aus mit allen Instrumenten und natürlich auch dem dafür benötigten ärztlichen und pflegerischen Personal."

Entgegengesetzt ist die Entwicklung in der Frauenheilkunde einschließlich Geburtshilfe. Seit 2005 sinken die Zahlen in diesem Bereich kontinuierlich, so Gagzow - seinerzeit waren es 36 000 Patientinnen, die auf 190 000 Krankenhaustage kamen, aktuell würden nur noch 30 500 Patientinnen pro Jahr für insgesamt 175 000 Tage aufgenommen, 2020 werden es voraussichtlich 30 500 Patientinnen und 162 000 Tage sein. Statt der derzeit 570 Krankenhausbetten - 2005 waren es noch 600 - werden dann nur noch 520 gebraucht.

Erwartbar absinken wird nach Prognosen der KGMV auch der Bettenbedarf in der Kinderheilkunde.

Krankenhausgesetz senkt bürokratische Hürden

Das im Mai verabschiedete Landeskrankenhausgesetz ermögliche es den einzelnen Häusern künftig, ohne ausufernden bürokratischen Aufwand selbst innerhalb ihres Gesamtbettenkontingents entsprechende Verschiebungen vorzunehmen, lobt Gagzow die Landespolitik. Dennoch müsse aber eine "lenkende Hand" darauf Einfluss nehmen, dass Klinikbetreiber sich künftig nicht nur auf lukrative Fachrichtungen beschränken. Entsprechende Bedenken würde die KGMV in der aktuellen Krankenhausplanungsrunde für das Jahr 2012 thematisieren.

Während Kliniken und Landesregierung momentan "nicht nur an einem Strang, sondern überwiegend sogar am selben Ende ziehen", kritisierten die Vertreter der Krankenhäuser den Entwurf des Versorgungsstrukturgesetzes der schwarz-gelben Bundesregierung scharf. Statt endlich die starren Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung aufzuheben, würden ausschließlich die Pfründe der niedergelassenen Ärzte gesichert, kritisierte der Vorsitzende der KGMV, Dr. Hanns-Diethard Voigt. Dabei würden die Kliniken schon längst zum Beispiel bei der Versorgung von Notfallpatienten dort einspringen, wo die Kassenärzte ihren Versorgungsauftrag nicht mehr erfüllen könnten. Statt das zu honorieren, würde bei den Krankenhäusern die Budgetschraube weiter angezogen.

Medizinische Versorgungszentren in Gefahr

Bad Doberan Die Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV) kritisiert Pläne der Bundesregierung, die Gründung Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) unter dem Dach von Kliniken zu erschweren. Etwa 50 derartige Zentren gebe es hierzulande , so viele wie in keinem anderen Bundesland, betonte Geschäftsführer Wolfgang Gagzow gestern auf der Mitgliederversammlung der KGMV in Bad Doberan. Die MVZ würden vor allem in unterversorgten Regionen einen wichtigen Beitrag zur Betreuung der Patienten leisten. Zugleich seien sie ein wirksames Instrument zur Bekämpfung des Ärztemangels, so Gagzow. Kliniken fiele ihr Betrieb leichter als einzelnen Ärzten, doch im Zuge von Verteilungskämpfen im Gesundheitswesen seien nun Beschränkungen für die Krankenhäuser geplant.

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