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Schweriner Historiker spürte vergangene Korrespondez auf : Alte Briefe bringen neue Erkenntnisse

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Der Schweriner Historiker und Schriftsteller Norbert Leithold hat einen alten Briefschatz in einem süddeutschen Adelsarchiv gehoben. Eine Auswahl wird jetzt in dem Buch "Liebesbriefe und Geheimdepeschen" veröffentlicht.

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erstellt am 13.Feb.2012 | 09:17 Uhr

Schwerin/Berlin | Er ist Spitzendiplomat, Sie erzieht die drei Kinder. Seine Koordinaten lauten Paris, Berlin, St. Petersburg. Er verkehrt mit Friedrich dem Großen und Katharina der Großen. Sie versauert in Weimar - Graf und Gräfin Goertz sind ein großes Liebespaar, verbringen die meiste Zeit ihrer Ehe aber voneinander getrennt. Das ist ein Glück für die Nachwelt, denn sie schrieben einander in 40 Jahren, was sie sich sonst gesagt hätten - rund 4000 Briefe, auf französisch, wie es damals in Adelskreisen üblich war.

Der Schweriner Historiker und Schriftsteller Norbert Leithold hat den Briefschatz in einem süddeutschen Adelsarchiv gehoben und jetzt eine Auswahl in dem Buch "Liebesbriefe und Geheimdepeschen" veröffentlicht, die im Osburg Verlag (Berlin) erschienen. Die Briefe des Grafen Johann Eustach von Goertz an seine Gemahlin Caroline und an Friedrich II. von Preußen stammen aus den Jahren 1771 bis 1782. "Die Herausgabe der Briefe ist sehr verdienstvoll", hebt der Präsident der Bayrischen Akademie der Schönen Künste, Dieter Borchmeyer, hervor. "Der Briefwechsel eines wichtigen Hofbeamten mit Friedrich dem Großen - das ist schon ein großer Wurf." Die Briefe machten ein Stück Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts lebendig, sagt der ausgewiesene Kenner der Goethe-Zeit. Das sei auch für den durchschnittlichen Leser interessant. Aber auch Wissenschaftlern und Forschern bringe die nun veröffentlichte Korrespondenz neue Erkenntnisse.

Auf 480 Seiten entfaltet sich ein erstaunliches Panorama, denn der Graf ist nicht irgendwer. Er soll im Auftrag Friedrichs des Großen einen Krieg mit Österreich verhindern. Aus den Briefen der Gräfin Goertz spricht die Angst, dass ihr Mann verhaftet werden könnte. Schließlich hat der Preußenkönig seinen Agenten nicht mit Papieren ausgestattet. Später wird der Graf Minister und geht danach als Gesandter nach St. Petersburg - ohne Frau und Kinder, das wäre zu teuer. "Die Briefe liegen seit 1821 in stoffbezogenen Schubern mit Seidenschleifen", berichtet Leithold. Aus einigen der Briefe rieselte ihm noch Löschsand entgegen, als sie zum ersten Mal nach fast 200 Jahren auseinandergefaltet wurden. Drei Jahre brauchte ein Übersetzer-Team, um die oft schwer leserlichen Briefe des Grafen zu entziffern und zu übersetzen. "Bei der Gräfin war das einfacher, sie schrieb Schönschrift", sagt Leithold. Seiner Meinung nach suchen Historiker viel zu wenig in Archiven. "Vieles schlummert in Schubern und Mappen, etliche Mosaiksteine lassen sich dort finden und viele Steine machen ein farbigeres Bild. Und manches Bild muss neu betrachtet werden", schlussfolgert der Autor.

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