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Heimatmuseum erhält historische Originale : Alte Bibel wieder in Sternberg

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Um eine Kostbarkeit reicher ist das Heimatmuseum in Sternberg. Es handelt sich um eine in Leder gebundene, mit Metallbeschlägen geschützte Ausgabe der Cansteinschen Bibel-Anstalt Halle aus dem Jahre 1834.

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erstellt am 19.Okt.2012 | 09:56 Uhr

Sternberg | Um eine Kostbarkeit reicher ist das Heimatmuseum in Sternberg. Es handelt sich um eine in Leder gebundene, mit Metallbeschlägen geschützte Ausgabe der Cansteinschen Bibel-Anstalt Halle aus dem Jahre 1834. Sie gehörte einst Magdalena Karolina Elisabeth Tohtz, geborene Leesch. Ihr Vater war Baumann, also Ackerbürger, und Grützmüller in Sternberg. Familie Leesch, die aus Pastin stammte, hatte Ackerbürgerei und Grützmüllerei eine Generation zuvor erworben. Es war aber wohl nicht die noch erhaltene Mühle unterhalb des Mühlen tores, sondern eher eine kleinere für den Bedarf der Bauern in der Stadt.

Das hat Fritz Tohtz recherchiert, der in Burgwedel bei Hannover zu Hause ist. Er übergab Bibel sowie Wandteller, Familientafel, weitere Erinnerungsstücke und Originaldokumente, die einen Bezug zur Sternberger Region haben, an Heimat museum und Stadtarchiv. Alles stammt aus dem Nachlass seines Großvaters Ernst Johann Fritz Tohtz, seinerzeit Postsekretär in Holstein. Dessen Vater Karl Christian Tohtz war Baumann/Ackerbürger am Spiegelberg in Sternberg und Mitglied der Baumannschaft, einer Art Gilde. Aus dessen Ehe mit Helene, wie sie in der Familie genannt wurde, gingen sieben Kinder hervor. Der älteste Sohn wurde Schuhmacher in Rostock, der Zweitgeborene übernahm die Ackerbürgerei und führte sie eine Generation weiter; seine sieben Kinder starben klein. Andere wanderten nach Amerika aus. Das habe dem Nachlassverwalter enorm die Aufgabe erschwert, den von Karl Christian Tohtz verfassten Erbteilungsplan umzusetzen, erzählt der Urenkel aus Burgwedel. Jahre seien ins Land gegangen, bis alle ausfindig gemacht waren. Helene Tohtz zog nach dem Tod ihres Mannes 1901 zu ihrem Drittgeborenen nach Holstein, so dass die Bibel dorthin gelangte. Ein Jahr zuvor hatten die Beiden in Sternberg noch ganz groß mit rund 100 Gästen goldene Hochzeit gefeiert und zu diesem Jubiläum eine Urkunde von Herzog Johann erhalten. Bei dieser Gelegenheit wurde hier der Fami lientag gegründet. Eine mit der Hand geschriebene Liste mit allen Mitgliedern gehört zu den jetzt in Sternberg über gebenen Originaldokumenten.

Mit der Ausgabe von 1834 verfügt das Heimatmuseum über eine ältere Bibel als bisher. Ein Exemplar trägt zwar einen Stiftungsstempel von 1791, dabei handele es sich jedoch offenbar um das Gründungsjahr der Stiftung, sind sich Museums betreuerin Antje Kühl und Fritz Tohtz einig. Der Schrift nach sei diese Bibel eindeutig jünger. Bei der nun ältesten Aus gabe ist auf der Innenseite des Ledereinbandes eine Helena Leesch als Besitzerin eingetragen. Den Spuren zufolge wurde die Bibel viel benutzt und in der Familie über Generationen weitergereicht, "wenn ein besonderes Vertrauensverhältnis bestand", wie Tohtz meint. Davon würden einige Eintragungen zeugen, wie 1868 von seinem Großvater oder 1913 von Tante Emmi, einer Enkelin Helene Tohtz’. Vorne sind einige Seiten herausgerissen. Die Eintragungen darauf seien offenbar nicht für die Nachwelt bestimmt gewesen.

Fritz Tohtz konnte anhand der Stammbäume die männliche Linie verfolgen, wie er sagt. Deshalb liege ihm von Familie Leesch nichts vor. Den ältesten Eintrag habe er von 1645 gefunden, die Geburt von Joachim Tohtz in Loiz. Dieser werde in dem Kirchenbuch als Rademacher, Meister und freier Bauer bezeichnet. "Von Sternberg wusste ich schon lange", so Tohtz. "1991 sind wir erstmals mit dem Wohnmobil hier auf dem Campingplatz gewesen." Reisen führten aus Niedersachsen seit Jahren mehr in Richtung Osten und öfter eben auch nach Sternberg.

Bis 2006 seien die Zeitdokumente, die sich nun in Sternberg befinden, mit Sackband verschnürt "wohl verwahrt" gewesen. Erst mit einem Stammbaumprogramm auf dem Computer sei es ihm möglich geworden, das Material aufzuarbeiten, erzählt der 81-Jährige, der wie sein Vater in Holstein Landwirt gelernt und später in Hannover im kaufmännischen Bereich einer Saatzucht-Vertriebsgesellschaft gearbeitet habe. "Mit Hand geht das gar nicht." Seine Frau erledige die Foto bearbeitung bei den historischen Dokumenten. Alles ist auf CDs gespeichert. Die Originaldokumente hat der freundliche wie akribische Ruheständler in Mappen sorgsam sortiert. Sie sollen ihren Platz im Stadtarchiv finden, damit der Heimatverein jederzeit darauf zurückgreifen könne. "Mir ist wichtig, dass alles dort verwahrt ist, wo sich die Leute damit beschäftigen." Heidrun Peter, die jahrelang das Heimatmuseum geleitet hat und sich noch immer mit der Geschichte befasst, ist glücklich über den neuen Fundus. Und Besucher des Museums können nun neben vielen anderen Raritäten auch eine Bibel von 1834 in Augenschein nehmen. Geöffnet ist bis Ende des Monats montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr.

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