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Internationales Dampftreffen : Alt Schwerin unter Dampf

vom
Aus der Onlineredaktion

Hunderte bestaunten am Wochenende historische Technik

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Wenn Lutz Bringezu mit seinem Mini-Dampftraktor Alchin TE 7 den Weg entlangfährt, bilden sich Zuschauertrauben und viele fotografieren. „Das ist ein Modell im Maßstab 1:4, daran habe ich etwa fünf Jahre gearbeitet“, erklärte der Bastler aus Wörlitz (Sachsen-Anhalt) den Leuten am Samstag in Alt Schwerin an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Bringezu hat seine 250 Kilo schwere Maschine, die Steinkohle braucht und zischend weißen Dampf ablässt, per Pkw-Anhänger zum 12. Internationalen Dampftreffen gebracht und trifft auf viele Dampf-Fans. Hunderte Gäste drängten in das agrarhistorische Museum, um die etwa 100 großen und kleinen historischen Dampfmaschinen und die dazugehörige Landtechnik zu bestaunen.„Das Dampftreffen hier ist wie ein großes Familientreffen“, sagt Wies Hochland, der aus der Nähe von Amsterdam angereist ist. Er und seine niederländischen Freunde haben je einen Sattelzug-Lastwagen, um ihre vier Großmaschinen auf solche Treffen mitzunehmen. Hochlands Hände sind kohlrabenschwarz wie bei einem Dampflokheizer. Sein 10,5 Tonnen schwerer Dampftrecker sorgt für viel schwarzen Qualm und treibt über einen ledernen Treibriemen ein komplettes mobiles Sägegatter an.

Das Bastlertreffen in Alt Schwerin findet alle zwei Jahre statt und gilt neben Mildenberg (Brandenburg) und Flensburg (Schleswig-Holstein) als eines der größten in Deutschland. Aber Dampfmaschinen sind auch kein billiges Hobby. Bei einer Kesselreparatur muss man mit 40 000 Euro Kosten rechnen, sagen Kenner. Viele Einzelteile müssten per Hand hergestellt werden. Für eine echte Großmaschine werden - je nach Grad der Seltenheit - zwischen 70 000 und 150 000 Euro oder noch mehr hingeblättert.

„Für uns ist es die wichtigste Veranstaltung des Jahres“, sagte Museumsleiterin Anke Gutsch. Mit den vielen Touristen und technikinteressierten Besuchern steigen die Einnahmen des vom Landkreis finanzierten Museumsdorfes, das jährlich um die 50 000 Gäste anlockt. Sechs Mitarbeiter sind fest angestellt, acht weitere Mitarbeiter arbeiten saisonweise.

Für Aufsehen sorgen bei den Besuchern immer wieder die teils 120 Jahre alten und tonnenschweren Großmaschinen, die qualmend und dampfend die Maschinenparade in Alt Schwerin anführen. Eine der wenigen Frauen am Steuer ist Natalie Bimmel, die mit Hochland aus den Niederlanden angereist ist. Wenn sie „Gas gibt“, muss ein Museumsmann schon mal warnen: „Vorsicht, der Dampf ist heiß.“ Dabei müssen Gäste manchmal hellhörig sein, denn die PS-Giganten mit ihren Stahlrädern sind manchmal fast gar nicht zu hören. Viel leiser sei ein Elektroauto heute manchmal auch nicht, meinte die Museumsleiterin. Und auch der Moderator der Veranstaltung nimmt noch einmal Bezug zur Gegenwart: „Die sind auch nicht schmutziger als ein Dieselauto heute“, erklärte der Mann mit Blick auf den Diesel-Pkw-Skandal.

 

 

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