Als Touristen getarnt: Hotel bewirtet NPD

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03. Mai 2012, 08:04 Uhr

Grünheide/Schwerin | Erneut sorgt ein Hotel für Schlagzeilen, das zur Herberge von Rechtsextremisten wurde: das "Hotel Seegarten" in Grünheide bei Berlin. 120 zwielichtige Gestalten reisten an, um den Neujahrsempfang der NPD-Landesverbände Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen zu feiern. Mit eingeschlichen haben sich auch NPD-Fraktionschef Udo Pastörs und weitere Landtagsabgeordnete der rechtsextremen Partei im Nordosten. Das bestätigte gestern das Brandenburger Innenministerium.

Die Empörung ist so groß, dass im Hotel heute kaum noch ein Gast übernachten will. "Im Hotel ist nichts mehr los. Dabei hatten wir den besten Ruf", klagt Geschäftsführer Detlef Kampschulte. Bei weiterem Boykott drohe die Pleite. 29 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. In Grünheide sehen das manche gleichwohl als gerechte Quittung dafür, mit der Bewirtung von Neonazis Geschäfte gemacht zu haben.

Kampschulte weist den Vorwurf zurück: "Wir sind keine Gastgeber der NPD, sondern Opfer einer Täuschung." Denn die Rechtsextremisten seien nicht als solche zu erkennen gewesen. Sie hätten sich "getarnt", um überhaupt noch irgendwo einen Tagungsort zu finden. Höchstrichterlich legte der Bundesgerichtshof vor kurzem fest, dass ein Wirt Gäste wegen ihrer politischen Überzeugung ablehnen darf. Damit bekam ein Hotelier in Bad Saarow Recht, der 2009 dem damaligen NPD-Chef Voigt Hausverbot erteilt hatte. Den Aufenthalt im "Hotel Seegarten" hatte die 120-köpfige NPD- Reisegruppe unverfänglich über einen Weinkontor gebucht. Nach außen sollte das Parteitreffen wohl aussehen wie ein Betriebsausflug.

Das NPD-Treffen verlief dann friedlich, aber die Gemeinde Grünheide verhängte anschließend harte "Sanktionen" gegen das Hotel, wie Kampschulte es nennt. So wurden Standesbeamte, die regelmäßig Hochzeiten im "Hotel Seegarten" besiegelten, angewiesen, künftig woanders zu trauen. Bürgermeister Arne Christiani (parteilos) verteidigt die Maßnahme. Er wirft Kampschulte und seinen Mitarbeitern vor, nicht knallhart gegen das NPD-Treffen vorgegangen zu sein: Selbst wenn die Buchung über den Weinkontor unverdächtig gewesen sei - beim Eintreffen der Neonazis in Begleitung von sechs Mannschaftswagen der Polizei "hätte das Hotel von seinem Hausrecht Gebrauch machen müssen", meint Christiani.

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