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NDR zeigt die Dokumentation am Montag : „Als Rostock Lichtenhagen brannte“

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Der Autor Florian Huber stellt sich in der NDR-Dokumentation „Als Rostock Lichtenhagen brannte“ die Frage, wie es zu dem Unheil von damals kommen konnte. Sein Film beginnt weit vor den Tagen der Rostocker Katastrophe.

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erstellt am 12.Aug.2012 | 07:31 Uhr

Die Frau zögert keine Sekunde, in die Fernsehkamera zu giften: „Für uns im Block sind das auf Deutsch gesagt Dreckschweine! Die scheißen und pissen alles voll.“ Rostock Lichtenhagen, August 1992, ein brodelnder Kessel aus Wut und Hass. Die Zentrale Aufnahmestelle des Landes (ZAST) für Asylbewerber – von der Politik mitten in ein Wohngebiet geknallt – ist überfüllt. Hunderte Flüchtlinge müssen auf der Wiese vor dem Sonnenblumenhaus campieren. Täglich kommen mehr. Niemand hält das drohende Unheil auf. Am Ende bezeugt das Sonnenblumenhaus die schlimmsten ausländerfeindlichen Übergriffe seit Kriegsende.

„Wie konnte das in einem so braven Wohngebiet passieren?“ – Diese Frage stellt der Autor Florian Huber in der NDR-Dokumentation „Als Rostock Lichtenhagen brannte“. Sein Film beginnt weit vor den Tagen der Katastrophe, als in Lichtenhagen Möbelwagen rollten – für Menschen, die in Rostock Arbeit fanden, darunter welche aus dem fernen Vietnam. Ihr Wohnheim in Nachbarschaft der ZAST steht im August 1992 in Flammen.


Florian Huber lässt in seinem Film den Polizisten zu Wort kommen, der in Sommeruniform dem entfesselten Mob entgegentritt: „Das ist ein Bürgerkrieg hier! Das Gefühl hatten wir.“ Die Nachbarin von damals sagt: „Die Politik hat nichts unternommen.“ So viel immerhin, dass nach Rostock Lichtenhagen der Asylparagraf im Grundgesetz geändert wurde – ganz so, wie es die CDU seit Langem gewollt hatte. Ob es darum seinerzeit einen Masterplan gab im Hintergrund, den großen politischen Brandstifter? „Einen endgültigen Beleg dafür habe ich nicht gefunden“, sagt der Regisseur. Auffällig jedoch sei, wie viele Absagen er auf der Suche nach Zeitzeugen erhielt, quer durch alle politischen Lager und darüber hinaus.

„Ihr macht die Leute wuschig und nervös“, hielt man dem Filmemacher vor, als er etwa bei der Rostocker Wohnungsgesellschaft anfragte, ob er in und auf dem Sonnenblumenhaus drehen dürfe. Mehrfach in anderthalb Jahren Recherche sah sich Florian Huber vor der Frage, ob es überhaupt weiter gehen kann. Es konnte. Sein Film wird am Montag, 13. August, 21 Uhr, im NDR-Fernsehen gezeigt: „Unsere Geschichte: Als Rostock Lichtenhagen brannte“.

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