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Hochwasserschutz : Als die Elbe durchs Land wälzte

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Aus der Onlineredaktion

Nach der Flut mit verheerenden Schäden vor 15 Jahren wurden Milliarden Euro in den Hochwasserschutz in MV investiert.

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Überflutung, Evakuierung, Notunterkünfte, Schulschließungen, Spendenaufrufe, Sandsäcke – vor 15 Jahren haben die Einwohner der Landstriche entlang der Elbe eine Katastrophe erlebt. Das Hochwasser im August 2002 war Experten zufolge bis dahin beispiellos: Für die Elbe bei Dresden geben Aufzeichnungen, die bis ins Jahr 1500 zurückreichen, keinen Hinweis auf so hohe Pegelstände.

Die Wassermassen wälzten sich nach Norden. In Mecklenburg-Vorpommern blieb Einwohnern, Behörden, Bundeswehr, Bauern und freiwilligen Helfern etwas mehr Zeit, um elbnahe Städte und Dörfer zu schützen und Deiche mit Sandsäcken zu verstärken. Vieh und das wichtigste Hab und Gut wurden in Sicherheit gebracht.

Im südwestmecklenburgischen Dömitz erreichte der Wasserstand am 21. August 2002 seinen Höhepunkt, einen Tag später in Boizenburg. Die Scheitelwelle fiel zur Erleichterung der Betroffenen niedriger aus als erwartet. „Dass die Vorhersage nicht eintrat, lag sowohl an den Deichbrüchen im Oberlauf der Elbe als auch an der erstmaligen Flutung der Havelpolder seit deren Bau in den 1950er-Jahren“, erinnerte Andrea Rossnagel, Referentin im Agrar- und Umweltministerium in Schwerin.

Teilweise überfluteter alter Deich am 11. Juni 2013 in der Nähe von Boizenburg
Teilweise überfluteter alter Deich am 11. Juni 2013 in der Nähe von Boizenburg Foto: Jens Büttner
 

Weitere Elbe-Hochwasser folgten 2003, 2006, 2011 und 2013. Jede Flut nach 2003 brachte den Pegeln in Mecklenburg neue Rekordwasserstände. Trotzdem kam es zu weit weniger Schäden als 2002. So habe es entlang der Elbe immer weniger Deichbrüche gegeben, was zeige, dass die Länder viel für die Standsicherheit ihrer Deiche getan haben, sagte Rossnagel. Die Schadenshöhe halbierte sich fast: Das Augusthochwasser 2002 richtete bei den Elbanliegern Schäden für rund 11,4 Milliarden Euro an, die Flut 2013 noch für rund 6,6 Milliarden. Mecklenburg-Vorpommern erhielt laut Ministerium nach der Flut 2002 rund 8,5 Millionen aus dem Aufbauhilfefonds zur Reparatur von Anlagen der Wasserwirtschaft. 2013 entstanden Schäden von 2 Millionen Euro.

Im Jahr darauf wurde das Nationale Hochwasserwasserschutzprogramm (NHWSP) beschlossen. Es fördert Maßnahmen, von denen nicht nur die Anlieger, sondern auch die Nachbarn an einem Fluss profitieren.

Mecklenburg-Vorpommern ist nach Ministeriumsangaben an zwei Vorhaben beteiligt, die ganz oder teilweise in Brandenburg liegen – an der Optimierung der Havelpolder und dem Bau der Flutpolder bei Lenzen. Sie sollen extreme Abflüsse zurückhalten und so die Hochwasserhöhe verringern.

Zudem überarbeite das Land sein Hochwasserschutzkonzept für die Elbe, wo es rund 155 Kilometer Deiche, elf Schöpfwerke sowie 56 Wehre unterhalte. Alle Anlagen seien seit 1991 auf den aktuellen technischen Stand gebracht worden – für rund 110 Millionen Euro.

In mehreren betroffenen Bundesländern wurden seit 2002 hunderte Millionen Euro in den Hochwasserschutz an der Elbe investiert. Das NHWSP sieht bis 2027 bundesweit Gesamtausgaben von 5,4 Milliarden Euro vor, davon allein knapp 1,2 Milliarden Euro im Bereich der Elbe.

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